Es fährt ein Zug…

Game of Trains

(Vorbemerkung: ich muss mich entschuldigen, dass diese Rezension erst jetzt veröffentlicht wird, und dass sowohl beim Verlag als auch beim Autor. Ursprünglich stand dieser Artikel nämlich seit dem 16. Mai letzten Jahres in der Dateiverwaltung, da ich aber am 18. Mai durch meinen Schlaganfall außer Gefecht gesetzt wurde, ist diese Datei irgendwie unter die Räder gekommen. Erst jetzt habe ich sie wieder gefunden – in einem guten Haushalt geht eben nichts verloren. Und so kommt heute mit fast einem Jahr Verspätung…)

Eigentlich bin ich nicht gerade ein Fan von Eisenbahnspielen (gut, es gibt Ausnahmen, wie z.B. Switching Tracks, aber die Thematik ist nicht so ganz meins), und Kartensortierspiele mag ich an sich erst recht nicht (also wie bspw. Die ganze Hornochsen-Reihe oder auch The Game)… und dann flattert mir Game of Trains auf den Tisch… und weiß es zu überraschen.

Überraschen ist ein gutes Stichwort – Brain Games aus Lettland hat in den vergangenen Jahren schon mehrfach positiv überrascht, und zwar mit erst eher etwas unscheinbar wirkenden Spielen, die sich zwar schnell spielen lassen, aber weit mehr Inhalt bzw. Komplexität bieten als man auf den ersten Blick glauben mochte.

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Ganz scharf nachdenken

Sherlock

Frankreich ist als Spieleproduzent ähnlich umtriebig – gerechnet an der Größe des jeweiligen Landes – wie Deutschland, Japan, Finnland und Korea. Bemerkenswert ist eher, dass Frankreich in der Regel absieht von Spielmaterial aus Plastik (was besonders Korea auszeichnet), und dass den Spielen oftmals Spielregeln in vielen Sprachen beilegen, was sogar in Deutschland nicht unbedingt selbstverständlich ist. Ansonsten gibt es oft nur Englisch als Dreingabe.

Nun hat Frankreich sicher eigene Quellen, aus denen man Spielhintergründe schöpfen kann, für das Spiel Sherlock allerdings wird auf den klassischen „beratenden Detektiv“ Sherlock Holmes zurückgegriffen, der aus Großbritannien stammt. Dabei ist es nicht einmal so, dass Frankreich keine eigenen literarischen Detektive hätte: eine klassische Figur war ja Arsene Lupin, der in seinem Romanen häufiger Kriminalfälle lösen musste, statt seinem Normalberuf – dem des Gentleman-Einbrechers – zu folgen. Zu der Geschichte, die hinter der Aufgabe in diesem Spiel steht, hätte jedoch ein anderer Kriminalbeamter noch besser gepasst: Maigret. In diesem Spiel geht es nämlich darum, durch befragen verschiedener Zeugen einen Täter zu finden.

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Ich packe meinen Koffer

Basisausstattung eines (nicht nur)Fate-Spielleiters

Zur Feier des Tages – und um zu beweisen, dass ich noch lebe – möchte ich einmal eine kurze Übersicht geben, was ich so üblicherweise einstecke, wenn ich mich auf den Weg mache, eine Rollenspielrunde zu leiten. Hierbei kommt mir zugute, dass ich bereits seit Jahren auf Cons als Spielleiter tätig bin – ursprünglich hatte ich DSA angeboten, bin aber seit einigen Jahren im Supportteam von Pegasus für Cthulhu tätig. Außerdem bin ich seit einiger Zeit sehr angetan vom Fate-System, so dass ich auch das privat recht häufig leite.

Natürlich benötigt man für diese verschiedenen Systeme teilweise dann auch unterschiedliche Materialien, aber wenn man es genauer betrachtet: so groß sind die Unterschiede gar nicht. Der Unterschied ist größer, wenn ich mir ansehe, was ich für eine Con so alles einpacken muss oder für eine Privatrunde mitnehme.
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April, April

Auflösung des Aprilscherzes

Ja, es war ‚mal wieder so weit – der erste April ist vorbei. Und auch dieses Jahr ist mir noch rechtzeitig etwas eingefallen.

Allerdings war es dieses Jahr ganz einfach, den Aprilscherz zu entdecken – es gab ja nur einen Artikel. Und wie bei der Frage: „woran erkennt man, dass ein Politiker lügt?“ war damit auch die Antwort, was denn dieses Jahr der Aprilscherz sein könne, damit bereits offensichtlich. Das Graffiti-Spiel gibt es natürlich nicht, und auch den Kakerlaken-(„Gokiburi“ ist Japanisch für Kakerlake) Verlag kenne ich nicht. Dafür hat das Spiel dann eher etwas von einer japanischen Fernsehshow…

Das Titelbild habe ich übrigens  bei Wikimedia gefunden, wo der Urheber es unter CC-BY-SA-3.0 gestellt hat – den Namen des Urhebers habe ich auch entsprechend gleich in der Tabelle am Ende des Artikels als Künstler angegeben.

Früh sprüht sich

Graffiti – Das Spiel

Das geplante deutsche Cover

Künstler haben es heutzutage schwer. Nicht nur, dass die Mäzene ihre Protegés eher knapp halten – wenn sie überhaupt noch gewillt sind, für ihre Kunstwerke zu zahlen. Auch Museen sind eher zurückhaltend, wenn es um moderne bildende Kunst geht. Hinzu kommen noch die Schwierigkeiten, die beim Erstellen der Kunstwerke auftreten: Hausbesitzer haben traditionell etwas dagegen, wenn ihre Wände besprüht werden (auch wenn Aktivitäten im Sinne von „meine Wand steht euch frei“ bereits in den siebziger Jahren beispielsweise in Hönnepel am Niederrhein bekannt waren), manche Leinwände bewegen sich plötzlich im S-Bahn- oder U-Bahn-Tempo davon, und die Treibgase sind ja auch nicht ganz gesundheitsfreundlich.

Die nicht-finanziellen Probleme moderner Künstler umgeht das neue Graffiti – das Spiel, das aus einem japanischen Kleinverlag stammt, demnächst aber auch in Deutschland direkt erhältlich sein soll. Im Stile vom Nilpferd in der Achterbahn, Activity oder auch Pictomania darf man sich hier als Graffitikünstler betätigen.

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Durchfahrbibliothek

Neues von DriveThrough

DriveThruRPGRollenspielern ist sicherlich der Webshop von OneBookshelf bekannt, der unter anderem auch als DriveThrough oder RPGNow bekannt ist. Hier gibt es elektronische Version (meist PDFs) alle möglichen Rollenspielmaterialien, wobei auch Klassiker wie Cthulhu, das schwarze Auge oder auchFate neben Indieprodukten wie Cat und The Veggie Patch nicht fehlen.

Ein besonderer Vorteil dieses Onlineangebots ist es, dass man einmal erworbene Regelbücher und Abenteuer immer wieder herunterladen kann – und wenn der Herausgeber Korrekturen vornimmt, kann man unmittelbar die neue Version herunterladen. Außerdem sieht man im Webshop an einer roten Textwarnung, wenn man ein Produkt bereits besitzt und dieses sich bereits in der eigenen Bücherei befindet. So vermeidet man es, mehrfach für was zu bezahlen (wenn ich mir die Rollenspielschränke einiger meiner Bekannten so ansehe, wäre eine ähnliche Technik auch für Totbaumprodukte manchmal gar nicht so falsch.

Man kann sich natürlich über E-Mail informieren lassen, wenn etwas geändert wurde, fragt sich nur aber dann immer, ob man auch alle Mails erhalten hat. Hier bietet dieser Händler jetzt etwas Neues: eine App für Windows. Man kann sie hier herunterladen und dann auf dem eigenen Computer installieren.

Auf Knopfdruck kann man dann seine gesamte Bibliothek neu herunterladen lassen (wenn man Einzeltitel herunterladen will, geht das immer nur in Paketen von je zehn Stück) oder auch die bereits vorhandene Bibliothek überprüfen und aktualisieren lassen. Auf der Festplatte landen die Dateien dann in einem eigenen Ordner für die Bibliothek, innerhalb dieses Ordners werden sie dann nach Herausgeber getrennt gespeichert.

Bis jetzt gibt es diese App nur für Windows, Versionen für Mac, Linux, Android und/oder iOS sind aber bereits als geplant angekündigt.

Ein interessantes Detail am Rande. Es gibt deutsche Verlage, deren eigener Webshop für PDFs von One-Bookshelf organisiert wird, zum Beispiel Ulysses oder Pegasus – auch diese sind dann in der neuen Bibliothek zu finden.

Beim ersten Start nach der Installation fragt die App dann nach einem individuellen Schlüssel, den man in den eigenen Kontoeinstellungen abfragen kann. Nachdem man dann einen Speicherort gewählt hat, kann man mit einem Klick auf „Refresh Library“ die aktuelle Liste der Produkte herunterladen lassen und dann die ganze Bücherei synchronisieren. Später sollen dann nur noch aktualisierte Dateien heruntergeladen werden.

Mir gefällt das ganze recht gut, nur würde es mich mehr freuen, wenn ich die einzelnen Dateien auch nach eigenen Gesichtspunkten ordnen könnte – das System, aber auch das Dateiformat (ePub, mobi, PDF, MP3…) Wären willkommene Optionen, die Liste neu zu sortieren.

Vorschau

Gratisrollenspieltag am 8. April

Wie wahrscheinlich den meisten bekannt sein dürfte, ist am nächsten Samstag, dem 8. April, wieder einmal Gratisrollenspieltag in Deutschland. Vor vier Jahren fand der erste dieser Tage statt, und seither sind sie eine Art Institution geworden. Vorbild für diese Aktion ist der Free RPG Day in den USA, der dieses Jahr am 17. Juni stattfinden wird.

Ziel dieses Tages, der von Rollenspielverlagen, Händlern und auch Privatleuten unterstützt wird, ist es, mit Einführungsrunden und Testrunden zum einen neue Spieler für das Hobby zu gewinnen und zum anderen Spielern Gelegenheit zu geben, etwas anderes zu spielen als das System, dass sie sowieso kennen. Hierzu werden zum einen entsprechende Testrunden (oftmals von Verlagssupportern) angeboten, den teilnehmenden Läden, Vereinen usw. werden aber auch Gratismaterialien zur Verfügung gestellt, die Besuchern ermöglichen sollen, billig (eben gratis) an grundlegendes Material zu kommen. Oftmals befinden sich Einsteigersets im Paket, Abenteuer für einen Abend und Ähnliches. Ein wenig ist das wie beim Überraschungsei: man weiß nie vorher, was man bekommen wird. Und wie bei der Süßware werden im voraus Teile bekannt gegeben, die sich in diesen Paketen befinden werden – nicht unbedingt in jedem siebten Ei, und man muss bedenken, dass die Pakete natürlich nur einen begrenzten Umfang haben können.

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Wenn einer eine Reise tut…

Atlas der bekannten Welt – Aborea

… dann braucht er einen Atlas. Diese Binse haben sich einige Rollenspielsysteme zu Herzen genommen, wobei ihre „Reiseführer“ oftmals eher den Charakter eines Baedeker haben, und weniger den eines klassischen Atlas. In der zweiten Ausgabe von ATD&D gab es sowohl einen echten Atlas (zumindest in einer CC 2-Version) und einige Reiseführer, unter dem Namen Marco Volo. In diesen Büchern plauderte der namensgebende Charakter aus dem Nähkästchen und erzählte von dem, was er auf seinen Reisen erlebt hat.

Ähnlich umfangreich stellt sich bei Das Schwarze Auge dar. Auch hier gibt es, nach Landstrichen getrennt, eine ganze Reihe einzelner Bände, die zusammengenommen das Format einer kleinen Enzyklopädie ausmachen. Hier gibt es in bunter Folge an Sachtexte gemahnende Artikel, Erfahrungsberichte à la Marco Volo, Kommentare der Bewohner der einzelnen Landstriche und eigentlich gar nicht für einen dritten Leser gedachte Tagebuchauszüge und Ähnliches.

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Turmbau

Würfeltürme von Warmage

Es gibt verschiedene Methoden, wie „Betrügern“ mit Würfeln ihre Arbeit erschwert werden kann. So gibt es Würfel, die so gebaut sind, dass sie unberechenbar hin und her springen, was es schwierig macht, sie aus der Hand so fallen zu lassen, dass sie ein bestimmtes Ergebnis zeigen.Ebenfalls haben Schummler oft Probleme mit Kugelwürfeln. Würfelbecher – zumindest wenn sie korrekt eingesetzt werden – sind eine weitere Option… aber es gibt Experten, die beim Hochheben des Bechers so schnell ein schlechtes Ergebnis erkennen, dass sie den unerwünschten Würfel mit dem Würfelbecher noch einmal anstoßen.

Eine weitere Option sind Würfeltürme, die es wohl beinahe genauso lange gibt wie Würfel. Als „Turricula“, also als kleine Türme wurden sie bereits in alten römischen Zeiten verwendet. In nahezu unveränderter Form – bis auf ein paar optische Variationen – gibt es diese Türme auch heute noch.

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…etwas mehr auf dem Kerbholz gefällig…?

Mea Culpa
Dass sich 2017 die Reformation zum 500. Mal jährt, ist auch diversen Spieleverlagen aufgefallen – dementsprechend gab es das ein oder andere Spiel zum Thema „Luther“, oder zumindest drumherum – so auch dieses hier:

Der Zoch-Verlag nimmt die Mißstände der damaligen Zeit, die Martin Luther damals anprangerte, ganz bewußt satirisch-sarkastisch aufs Korn. Bei Mea Culpa geht es darum, die eigene Seele vor der Hölle zu retten – und das geht nun mal nur durch Ablaßbriefe, wie der brave Christenmensch ja weiß. Da es aber gar nicht so einfach (und schon gar nicht billig) ist, an diese zu gelangen, reicht es vielleicht ja auch, einfach weniger zu sündigen als all die anderen Sünder…?

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