Schnipp-schnapp

Beutelschneider / Gaukelspiel

Der Spieleverlag Krimsus Krimskrams-Kiste ist vielleicht nicht vielen bekannt, aber dennoch bereits seit 1997 aktiv. Damals hieß er allerdings noch "Harlekin“ und wurde erst im folgenden Jahr aus namensrechtlichen Gründen umgetauft auf den Namen mit den vier K.

Die ersten Produkte von Krimsus Krimskrams-Kiste waren ein Einfach-Rollenspiel unter de Namen "Das E.R.S.T.E“ (hierüber zu einer anderen Gelegenheit mehr) sowie ein Kartenspiel mit dem namen Beutelschneider.


Das Kartenspiel besteht aus 32 Karten, davon 27 in "Standard-Farben“ und fünf in Blau (die "Trumpffarbe“). Die Kartenwerte in den Standardfarben sind in steigender Reihenfolge: 1, 2, 3, oder 4 Goldstücke, Bettler, Schankmagd, Wirt, Goldsack und Kaufmann, jeweils in Rot, Grün und Gelb, wobei jedoch der rote Kaufmann durch den namengebenden Beutelschneider ersetzt wurde. Die blauen Trümpfe sind Gardist, Meuchelmörder, Abenteurer, Comtess und Fürst.

Das Spiel wird wie andere Kartenspiele gespielt (Farbe bedienen, Karten mitnehmen, man kann trumpfen, wenn man nicht bedienen kann…), aber mit ein paar kleinen Besonderheiten, was die Trümpfe angeht.

Der Gardist übertrumpft den Meuchelmörder, wenn er nach ihm ausgespielt wird, rangiert aber unter allen anderen Trümpfen. Wenn der Abenteuer und die Comtess in einem Stich zusammenkommen, gewinnt die zuletzt gespielt Karte (sie "verführt“ die andere). Der Fürst rangiert über allen Trümpfen, kann aber durch den Meuchelmörder "getötet“ werden, wenn dieser nach dem Fürsten in den Stich gespielt wird. Es gibt also keinen sicheren "höchsten Trumpf“, und das bedeutet, daß man bei jedem Trumpfen ein Risko eingeht.

Punkte bekommt man für die Goldstücke, die man sammelt (also für die Goldstück-Karten einen, zwei, drei bzw. vier Punkte, und zehn für einen Goldsack). Der Beutelschneider stiehlt Gold, darum kostet diese Karte 20 Punkte, wenn man sie am Ende in seinen Stichen hat – außer, wenn er durch den Gardisten gefangengenommen wurde. Wenn der Gardist den letzten Stich holt, bekommt er zehn Bonus-Punkte (nicht, wenn er übertrumpft wird) und er erhält ebenfalls zehn Punkte für das Fangen des Beutelschneiders.

Die Comtess-Abenteuer-Kombination ist ebenfalls zehn Punkte wert, wenn man mit der zweiten Karten den Stich bekommt, und schließlich ist der Meuchelmörder noch zehn Punkte wert, wenn er in seinem Stich den Fürst ermordet (und dabei nicht vom Gardisten, der Comtess oder dem Abenteurer übertrumpft wird).

Diese Kombinationspunkte und die Versuche, diese Extrapunkte auch tatsächlich zu erzielen, machen aus einem zuerst etwas langweilig wirkenden Spiel plötzlich ein hübsches "Zwischendurchspiel“, ein Spiel, das schnell gespielt (und erlernt) werden kann, aber auch keine großen Hirnverrenkungen voraussetzt.

Die Karten sind schön illustriert – obwohl sich einem beim Anblick der Schankmagd unwillkürlich die Frage aufdrängt, ob man im Mittelalter bereits das Silikon kannte…

Für jeden, der das Spiel mag, gab es ein Jahr später dann noch das Gaukelspiel, das als Erweiterung dem Beutelschneider ein Set von sieben Karten hinzufügt, die das einfache Stichspiel weiter verändern. Jeder Spieler erhält zufällig eine dieser sieben Karten und kann sie jederzeit ausspielen. Das heißt, daß er in einer Runde nicht "Farbe bekennen“ muss, sondern stattdessen sie Gaukelspiel-Karte in den Stich wirft.

Da gibt es den Alchimisten, der Gold in Blei verwandelt, eine Bauchtänzerin, die den männlichen Spielern(!) das Gold klaut, ein Hypnotiseur, der den nächsten Stich völlig zufällig macht, ein Illusionist etcetera. Die Bilder sind auch auf diesen Karten sehr gelungen.

Das Spiel wird durch diese Karten noch etwas chaotischer, bleibt aber gut spielbar.

Leider ist das Spiel inzwischen so gut wie nicht mehr verfügbar. Das ist richtig schade, denn mit der Zeit nutzen die Karten doch ab – so stabil wie Karten von Altenburg-Stralsunder oder Universal waren sie leider nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass der Verweis auf der Homepage („oder hoffen auf eine Neuauflage“) irgendwann einmal in einer Neuauflage mündet…

Hersteller

Krimsus Krimskramskiste

Autor

Mark "Krimsu“ Sienholz

Spieler

3-4

Denken

7

Glück

9

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

€ 4,60 Beutelschneider, 1,90 Gaukelspiel (out of print)

Übrigens: Diese Rezension wurde ursprünglich veröffentlicht im Nieuwsbrief Casus Belli, dem Cluborgan eines Niederländischen Clubs für Gesellschaftsspiele.

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