Verzwickt

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The Buntu Circus

Auf den Spieltagen in Essen in den Jahren 1998 und 1999 stand u.a. auch ein Herausgeber mit dem Namen “The Buntu Circus”, das Spiel, das angeboten wurde, hatte denselben Namen.

Das Spiel fiel auf der Messe zunächst durch seine Farbgebung auf — das Spielfeld hat 14 x 14 Felder in acht Farben, die je eines von insgesamt zwölf Symbolen tragen. Jede Kombination Farbe – Symbol taucht genau zweimal auf, die viel Eckfelder haben ein besonderes Symbol. Die Farbgebung sorgt für Aufmerksamkeit — kräftige, 'klassische' Farben, die das Spielbrett wie eine Indonesiche Batik oder so aussehen lassen. Außerdem gehören zum Spiel 192 Karten — die ebenfalls die Kombinationen Farbe – Symbol aufweisen, und ebenfalls jede Kombination genau zweimal -, Spielsteine und “Ringe”. Die Spielsteine waren aus Plastik, die Ringe aus Hartgummi, und sehr solide verarbeitet. Ein hoher Preis des Spiels war angesichts des Spielmaterials notwendig – Qualität kostet.

Das schönste Spielmaterial nützt nichts, wenn das Spiel selbst nicht interessant ist. Dies gilt glücklicherweise nicht für den Buntu Circus. Buntu (ein Begriff aus dem Indonesischen, bedeutet so viel wie Einbahnstraße, verzwickte Situation, Sackgasse…) hat simple Regeln, die dennoch ein hochinteressantes Spiel ermöglichen.

Jeder Spieler hat acht Karten auf der Hand, die er verwendet, um Steine auf das Spielfeld zu setzen, Steine zu entfernen oder herumzuschieben, mit dem Ziel, Reihen von fünf Steinen zu schaffen und den Gegner an selbigem zu hindern. Zum Einsetzen und Herausnehmen müssen Farbe und Symbol auf der ausgespielten Karte übereinstimmen mit der Kombination auf dem Feld, auf dem man einsetzt oder wegnimmt. Zum Schieben benötigt man nur eine Karte einer Farbe über die man “Macht” hat (zu Spielbeginn eine bzw. zwei, je nach Variante), und der verschobene Stein muss von der Farbe kommen, auf die Farbe geschoben werden oder beides, wobei ein Stein in einem Zug nur ein Feld weit bewegt werden kann.

Jede neu gebildete Reihe erweitert die Möglichkeiten des Spielers: man erhält Macht über zusätzliche Farben, kann dem Gegner die Macht über eine Farbe wieder abnehmen (und seine Reihen evtl. wieder zerstören) usw. Ähnlich wie bei Schach und Backgammon ergibt dies einen sehr breiten Entscheidungsbaum (in anderen Worten, man hat sehr viele Möglichketien, was man in einem Zug tun kann) und es dauert eine Weile, bis man einigermaßen Übersicht über die taktischen Möglichkeiten beim Buntu Circus erhält.

Das Kartenglück, das natürlich nicht völlig ausfällt, spielt eine wesentlich geringere Rolle als man vielleicht denken möchte. Gerade zu Spielbeginn kann man leicht in einen Rückstand geraten, wenn man keine zueinander passenden Karten erhält, aber durch die Schiebeoptionen wird die Situation selten völlig ausweglos. Es ergibt sich aus der Spielsituation, ob man seine eigene Situation aufbauen will, den Gegner behindern, oder gar beides gleichzeitig. Allerdings entwickeln sich leicht auf dem Spiel so viele Kampfschauplätze, dass man genug zu tun hat, den Überblick zu behalten. Durch das Schieben und die relative Größe der Fünferreihen kann es jedoch auch jederzeit geschehen, dass mehrere Schauplätze zu einem einzigen verschmelzen, und dann kann es wieder sehr wichtig sein, dass man sich auf mehreren Nebenschauplätzen engagiert hat. Wenn sie jedoch nicht verschmelzen, kann man ebenso gut seine Kräfte verzettelt haben. Hier das gesunde Mittelmaß zu finden, ist eine der Herausforderungen des Spiels.

Der taktische Wert des Spiels leidet ein wenig, wenn man es zu dritt oder viert spielt, vor allem, wenn man zu viert “jeder gegen jeden” spielt. In so einem Fall nimmt schnell das “den anderen ärgern” überhand, das beim Zweierspiel weniger wichtig wird.

Der Wiederspielwert ist im Zweierspiel sehr hoch. Die einfachen Regeln führen zu einer Vielfalt an taktischen Möglichkeiten, so dass keine zwei Spiele einander ähneln — wenn man von einem Effekt absieht: man versucht ja eigentlich, eine gewisse Ordnung zu schaffen. Dennoch sieht das Spielbrett nach einiger Zeit sehr chaotisch aus, und man fragt sich unwillkürlich, wie diese Unordnung eigentlich entstehen konnte.

Leider ist das Spiel nur in einer einzigen Auflage erschienen. Trotz des relativ hohen Preises mußten die Hersteller feststellen, dass sie im Endeffekt noch Verlust machten, so dass auch keine zweite Auflage mehr gemacht wurde. Die hohen Herstellungskosten schreckten anscheinend auch die großen Spielehersteller ab, was für ein Spiel wie dieses sehr schade ist.

Hersteller

The Buntu Circus

Autor

AndyCox und Brian Armstrong

Spieler

2-4

Denken

9

Glück

4

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

DM 100,- (nicht mehr erhältlich)

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