Alte Schule

Labyrinth Lord – Herr der Labyrinthe

Am Freitag erscheint Labyrinth Lord – das Werk soll zunächst auf der RPC in einer Spezialauflage von nur 200 nummerierten Stück erscheinen, und später auch in einer "Normalauflage“ – und dann auch noch für mehr Geld – käuflich zu erwerben sein. Außerdem soll es – zusätzlich zur Kaufversion – als Gratisdownload verfügbar werden.

Es sieht aus (siehe Abbildung oben) wie eines der allerersten D&D/AD&D-Abenteuer, und das hat seinen Grund. Es basiert nämlich zwar auf der D20-Version von D&D – also sozusagen D&D 3(.5) -, aber versucht, das 'klassische originale' D&D nachzubauen.

Dies setzt sich auch im Inneren schon optisch fort. Labyrinth Lord (LL) erinnert in der gesamten Aufmachung an die allerersten Versionen von D&D und AD&D, mit einem zweispaltigen Satz mit einer sehr schmalen Mitteltrennung, dem vollständigen Verzicht auf Silbentrennung und den dadurch entstehenden weißen Flecken im Textlauf – und auch der Sortierung der Tabellen: was auf den ersten Blick ungeordnet erscheint ist, wie in der Deutschen Ausgabe von AD&D in wirklichkeit alphabetisch sortiert. Man muss nur die englischen Begriffe verwenden…

Moritz Mehlem, der Initiator der Übersetzung, hat sich allerdings mehr Mühe gemacht als damals die Übersetzer von D&D/AD&D. Es sind keine der groben Schnitzer zu finden, die bei AD&D für Erheiterung sorgten – was dem Retro-Feeling beinahe schon wieder Abbruch tut. Die 'Torch' wird diesmal korrekt als Fackel und nicht als Taschenlampe übersetzt, und die 'Box Leaves' (Originalübersetzung: 'Kiste Blätter‘, korrekt: Buchsbaumblätter) sind gar nicht mehr zu finden. Und auch dass, worüber andere bereits klagten, der Begrif 'Magier' für den Magic-User irreführend ist (weil es eben auch Hexen, Schamanen etc. abdecken kann), kann ich nicht schlimm finden. Schließlich war das auch die Übersetzung, die in den ersten Deutschen Übersetzungen genauso verwendet wurde.

Auch die Schriftart (ich glaube, eine Souvenir) und die Bilder wecken nostalgische Gefühle in den alten Hasen (andere würden wohl 'Rollenspiel-Opas' sagen), die schon damals gespielt haben. Man könnte sich sogar beim PDF vorstellen, dass man ein historisches Dokument vor sich hat: ein Scan eines Uralt-Regelwerkes.

Das setzt sich dann beim Inhalt fort: mit den Mitteln der OGL wird ein leicht aufgebohrtes D&D gefühlsecht nachgebaut. Wohlgemerkt: es geht hierbei in erster Linie um die Originalversion von Moldvay/Cook/Marsh, also die Version von 1981, nicht die, die als 'rotes Buch' und Nachfolgebände (Mentzer) erschienen sind. Allerdings ging das 'originale' D&D, wenn ich mich recht erinnere, nur bis zur Stufe 13 oder 14, während es jetzt, ganz im Stile der OGL, bis zur Stufe 20 geht.

Ansonsten wurden viele der 'Seltsamkeiten' des Ur-D&D wieder herausgekramt. So werden Rassen und Klassen bunt gemischt verwendet – der Kämpfer, Kleriker, Magier, Dieb ist immer ein Mensch, der Elf, Zwerg, Halbling hat einen Beruf, der durch die Rasse festliegt und im Rassenspiegel eingearbeitet ist. Auch sind die Nichtmenschen in der erreichbaren Stufe beschränkt – Halblinge erreichen maximal die 8. Stufe, Elfen die 10. und Zwerge die 12. Das Basis-Auswürfelsystem von D&D (3W6 für Stats in Reihenfolge) wird als Standard vorgegben, allerdings werden auch Vorschläge gemacht, wie man etwas bessere Charaktere für eine Kampagne erschaffen lassen kann (3 aus 4 W6…). Auch die übrigen Mechanismen sind dieselben, die damals bei D&D/AD&D verwendet wurden. Für alle die, die erst später zum Hobby hinzugekommen sind, hier eine Kurzübersicht über einen Kampf:

  • In der ersten Runde Test auf Überraschung
  • Initiative über 1W6 – keine weiteren Boni
  • Angriffswurf mit 1W20 gegen einen Wert der abhangig ist von Klasse, Stufe, Rüstung des Gegners, evtl Stärke oder Geschicklichkeit
  • Schadenswurf abhängig von der Waffe mit evtl. Stärkebonus

Insgesamt also recht simpel und schematisch – alle Beonderheiten werden gtrundsätzlich ad hoc über Hasuregeln geklärt, so wie das damals auch geschah.

Auch die Stufen sind historisch-flach definiert: wer x Erfahrungspunkte gesammelt hat, steigt eine Stufe auf, kann mehr Schaden einstecken, besser zuhauen etc. abhängig von der eigenen Klasse.

Auch die Zauber werden nach klassischem System verwaltet, wie schon vor D&D in den Romanen von Jack Vance üblich: der Charakter memoriert abhängig von Stufe, Klasse und ggfs Intelligenz/Weisheit Zaubersprüche, wenn er sie abfeuert, sind sie vergessen, bis er sie das nächste Mal memoriert. Dieses "Fire & Forget“-System hatte sich ja im (A)D&D-Bereich bis zur Version 3.5 gehalten, erst mit D&D 4 verschwand es. Es bedeutet zwar, dass man, auch wenn man ein noch so guter Magier ist, nie einen beliebigen Spruch sprechen kann (wie es bei Astralenergie-/Karma-/Punktesystemen üblich ist, sondern nur die memorierten Sprüche zur Auswahl hat. Dies bedeutet aber auch, dass es wichtig sein kann, sich im voraus zu überlegen, wem oder was man wohl begegnen wird, damit man nicht die falschen Sprüche zur Verfügung hat.

Überhaupt sind die eigentlichen Regeln sehr kurz und knapp, während die Listen mit den möglichen Zaubern, den Monstern und Spielleiterhinweisen den Großteil des Bandes belegen. Auch schön (vor allem, wenn man die PDF-Version hat) ist, dass es einen Charakterbogen gibt – manch 'modernes' System läßt einen Spieler hierbei im Regen stehen.

Das System ist auch genauso tödlich wie das alte D&D es war – gerade in den ersten ein, zwei Stufen ist der Knochenhannes ein ständiger Begleiter. Wer sich viel Mühe macht, einen Hintergrund für seine Charaktere ausuzarbeiten, wird regelmäßig mit Frust zu kämpfen haben. So war das damals eben auch – manch ein Spieler machte sich erst ab der 4. Stufe oder so die Mühe mehr Arbeit in einen Charakter zu stecken, weil bis dahin eher das Motto galt "Nennt mich Fliege, ich bin genauso schnell tot.“ Wer aber noch in diesen alten Zeiten verwurzelt ist und sich mit Wehmut zurückerinnert, wird mit Labyrinth Lord nicht nur an die alten Zeiten erinnert werde – man kann hiermit auch die alten Abenteuer wieder spielen. Und komplette Noobs (was die alten Zeiten angeht) in Schloss Bernstein, die Festung im Grenzland, oder wo die Abenteuer alle angesiedelt waren, zu entführen (vorausgesetzt man hat die alten Abenteuer noch), kann sehr interessant sein. Wer die Abenteuer nicht mehr hat: zusammen mit den 'Old-School-Regelwerken' werden auch wieder Abenteuer geschrieben, die genau für derartige Regelwerke und den Spielstil, der einfach dazu gehört, gedacht sind.

Sicher nicht für jeden, aber wer die alten Systeme nicht kennt, sollte einfach mal einen Versuch wagen.

Hersteller Goblinoid Games

Autor

Daniel Proctor

Übersetzung

Thorsten Gresser, Moritz Mehlem, Clem Carlos Schermann, Alex Schröder, Marcus Sollmann und Jörg Theobald

Spieler

RPG

Denken

n/a

Glück

n/a

Geschicklichkeit

n/a

Preis ca.

gratis (PDF-Download, für etwa eine Woche nach der RPC angekündigt), 12 € (RPC-Ausgabe), 15€ (gedruckt)

6 comments

  1. Anonymous sagt:

    Guter Aprilscherz, fast hätte ich es geglaubt.

    Neuauflage eines Uralt-D&D? In deutscher Sprache?

  2. Skyrock sagt:

    Es ist _kein_ Aprilscherz, Labyrinth Lord existiert schon lange, und die deutsche Übersetzung war auch schon lange geplant.

  3. greifenklaue sagt:

    Lange geplant ist allerdings auch übertrieben, ging ja erst im Dezember los!

  4. greifenklaue sagt:

    Vielleicht noch ne Anmerkung: es basiert auf der OGL und nicxht auf dem ausgelaufenen d20. Preis ist 12 Euro vs 15 Euro. Und: die Vorbesteller haben es schon ;)

  5. The Roach sagt:

    OK, die OGL ist natürlich die gemeinsame Basis für d20 und LL. d20 (also D&D 3) war die erste Umsetzung der OGL als ein Regelwerk (doe OGL erschien erst zusammen mit D&D3, um Fans das Schreiben von eigenen Erweiterungen und Abenteuern möglich zu machen ohne Angst wegen Lizenzverstößen belangt zu werden. Daher wird d20 meist als Synonym für OGL verwendet, was es definitiv nicht ist. Auch ich bin da in die Falle getappt.

  6. greifenklaue sagt:

    Hast natürlich recht, ich benutzte das meistens auch austauschbar. Aber seitdem d20 ausgelaufen ist, ist es natürlich schon nicht unwichtig.

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