Contra Medici

Strozzi

Wenn man vom geschichtlichen Florenz spricht, vor allem in der Zeit vom 14. bis 16. Jahrhundert, gibt es zwei Familien, die politisch und wirtschaftlich große Macht erwarben. Die de’Medici sind wohl allgemein ziemlich bekannt. Im allgemeinen Bewußtsein weniger bekannt sind ihre größten Rivalen, die Strozzi, die diesem Spiel ihren Namen gegeben haben.

Die Verpackung macht bereits deutlich, dass es bei diesem Spiel um Italienische – genauer gesagt eben florentinische – Patrizier geht. Neben dem Namen Strozzi prangt aber noch ein anderer Name auf der Verpackung, der gemeinhin für Qualität sorgt: der Autor des Spiels ist Reiner Knizia, von dem auch das Zweipersonenspiel Medici vs. Strozzi stammt. Strozzi ist allerdings ein Spiel für 3 bis sechs Spieler, vor dem Hintergrund des einsetzenden Fernhandels.

In der Dose findet man umfangreiches Spielmaterial in recht gutrer Qualität. Neben der Spielregel, die in meinem Exemplar in Englisch und zweimal in Deutsch zu finden war, fand ich

  • 24 Zählsteine (je vier in sechs Farben),
  • 29 Schiffskarten,
  • 18 Anspruchsmarken mit Flaggen (je 3 in den sechs Farben, je Farbe ein +1-, ein Waren- und ein Piratenmarker)
  • 60 Münzen (18 x 5, 30 x 10, 12 x 50)
  • 26 Mäzen-Marker (je 12 für Architektur, Wissenschaft und Kunst)
  • ein Spielplan, der Italien und vier Wertungstabellen zeigt.

Die Anspruchsmarken, Münzen und Mäzenmarker saßen in Kartonblättern und mussten noch ausgepöppelt werden, was leider bei einigen zu Ausreißern führte – hier hätte man sich etwas sorgfältigeres Vorstanzen gewünscht. Ansonsten ist das Material aber angenehm und stabil.

Der Spielablauf ist recht simpel: von den Schiffskarten wird ein Teil (zufällig und geheim) beiseite gelegt, so dass drei Schiffe pro Spieler plus drei zusätzliche Schiffe in den Stapel kommen. Die übrig gebliebenen Schiffe werden gemischt und als Stapel verwendet. Jeder Spieler erhält die Markierungssteine und Anspruchsmarker einer Farbe, von den gemischten Mäzen-Plättchen werden drei offen ausgelegt.

Wer am Zug ist, deckt jeweils die oberste Schiffskarte auf, auf der Abbildung steht u.a. eine Zahl, die den Rang des Schiffes wiedergibt (höher ist besser), und ggfs. Warenzeichen, Schriftrollen und/oder Mäzen-Zeichen. Der Spieler, der an der Reihe ist, kann wählen, ob er einen Anspruch auf das Schiff anmelden will (hierfür legt er einen seiner drie Anspruchsmarken auf die Karte) oder nicht. Anschließend erhalten die Spieler in Sitzreihenfolge die Gelegenheit, das Schiff zu übernehmen: wenn bereits ein Anspruchsmarker +1 oder Ware liegt, kann das Schiff mit dem Piratenmarker übernommen werden (der andere Anspruchsmarker wird zurückgegeben); der Piratenmarker kann nicht weiter geschlagen werden. Der Spieler, der das Schiff (sei es mit einm normalen Marker, oder mit dem Piratenmarker) erhält, legt es in einem der drei Häfen des Spielplans (Venedig, Rom, Neapel) aus, wobei er nur einen Hafen wählen darf, in dem er noch kein Schiff liegen hat. Die vierte Stadt des Spielplans (Florenz) ist keine Hafenstadt.

Die Schiffe werden in den Häfen nach Rangnummer sortiert, bei gleichen Rangnummern steht das früher eingetroffene Schiff höher (der Marker "+1″ erhöht den Rang des Schiffes um 1). Auf jeden Fall gibt es für jede Übereinstimmung der Warenzeichen mit dem Hafen, in dem das Schiff landet, einen Punkt auf dem Zählbrett dieses Hafens, sowie einen weiteren Punkt, wenn der Marker "Waren“ verwendet wurde. Wenn auf der Schiffskarte auch noch Schriftrollen abgebildet sind, wird der Zählstein in Florenz entsprechend höher bewegt, wenn ein Mäzen-Plättchen abgebildet ist, darf der Spieler sich eines der drei offenen Plättchen aussuchen und nehmen, es wird dann sofort ein neues Plättchen ausgelegt. Die Mäzen-Plättchen zählen entweder in der Endabrechnung für zwei Punkte im Gebiet des Mäzens, oder sie geben dann einen Punkt und sofort eine Ware, die im entsprechenden Hafen ins Zählbrett übernommen wird. Anders als bei den landenden Schiffen ist hierbei der Hafen egal.

Nachdem der Spieler, der ein Schiff erhalten hat, alle Schiffsaktionen beendet hat, ist sein linker Nachbar am Zug – das heisst oft, dass die Reihenfolge bunt durcheinander geht. Insgesamt kann man aber in einer Runde nur maximal drei Schiffe 'erwerben' – je eines mit jedem Marker – und wenn sich vorher für mehr als drei Schiffe keine Abnehmer finden, kommen sogar Spieler noch kürzer aus.

Wenn alle Spieler alle Marker verwendet haben bzw. keine Schiffe mehr verfügbar sind, endet die Runde, und es gibt Punkte. Für das höchste Schiff in jedem Hafen gibt es 15, für das 2. 10 und für das 3. Schiff 5 Punkte, niedrigere Schiffe gehen leer aus. Für die Positionen der Wahrenzähler in den einzelnen Häfen und in Florenz gibt es ebenfalls 15/10/5 Punkte. Anschließend werden die Schiffe und Anspruchsmarker zurückgegeben, die Warenzähler bleiben allerdings liegen. Dann beginnt die nächste Runde wieder, indem der gesamter Schiffsstapel gemischt und einige aussortiert werden, wie zu Spielbeginn. Der einzige UNterschied in der 2. und 3. Runde ist der, dass die Warenzählsteine nicht zurückgesetzt werden.

Nach der dritte Runde gibt es dann noch jeweils 30/20/10 Punkte für die Werte der Mäzenplättchen in den drei Bereichen. Wer dann am ende die meisten Punkte hat, gewinnt.

Bei diesem Spiel ist der Glücksfaktor höher, als es auf den ersten Blick scheint. Da man nur sehr grob abschätzen kann, welche Schiffswerte möglicherweise noch im Stapel liegen und welche Waren noch verfügbar werden können, und da man häufig ein angebotenes Schiff doch nicht erhalten kann – sei es, weil vor einem bereits der Piratenmarker gelegt wurde, sei es, weil man selber den Piratenmarker bereits verbraucht hat – muss man hoffen, dass man die richtigen Schiffe zum richtigen Zeitpunkt angeboten kriegt. Häufig hat man am Ende der Runde entweder keine Marker mehr, mit denen man Schiffe übernehmen kann, oder es kommen nur noch schwache Schiffe. Viel Planung ist auf diesem Weg leider nicht möglich.

Hersteller Abacusspiele und Rio Grande Games

Autor

Rainer Knizia

Spieler

3-6

Denken

5

Glück

8

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

29,99 € (empf. VK)

Anzeige
Strozzi ist zum Beispiel erhältlich über den Pegasus-Webshop

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.