Über den Wolken

Jet Set

Wer eine Fluggesellschaft hat, hat auch viele Probleme. Fluglinien müssen erschlossen werden, Flughäfen verbunden, Gäste verschickt. Das alles kostet Geld, und das ist – nicht nur in der aktuellen Finanzkrise – immer knapp. Auch wenn man sich auf einen Erdteil beschränkt, mus man zu Beginn kleine Brötchen backen, damit man dann irgendwann ein großer Teilnehmer wird.

Das ist die Situation in Jet Set von Wattsalpoag. Auf einer Europakarte mit eingezeichneten Fluglinien versucht man, eine möglichst erfolgreiche Fluggesellschaft zu führen. Hierbei muss man sich dann nicht nur mit den teilweise horrenden Kosten auseinandersetzen, sondern auch mit den Konkurrenten, die natürlich genau die Fluglinien, die man verwenden will, bereits für sich reserviert haben und sich die Mitbenutzung teuer bezahlen lassen.

Die Dose enthält neben einer Europakarte:

  • 52 'Kurzflugkarten' mit violetter Rückseite
  • 42 'Langflugkarten' mit grüner Rückseite,
  • 18 'Final Flight‘-Karten mit blauer Rückseite (sind auch länger als die anderen Karten),
  • ein Kartenset mit Geldkarten,
  • 6 Referenzkarten für die Spieler,
  • 144 Flugzeugfiguren in sechs Farben,
  • 180 Markierchips in sechs Farben

Die Kurzflüge sind tatsächlich etwas kürzer als die langen, unterscheiden sich aber in erster Linie in den Punktwerten: Kurzflugkarten für einen Siegpunkt haben einen Zwischenstopp, Kurzflugkarten für 3 Punkte haben zwei Zwischenstopps, Langflüge haben idR drei Zwischenstopps und bringen 5 bzw. 7 Punkte. Die Abschlussflüge (von denen jeder Spieler zwei auf die Hand kriegt, die die anderen Spieler nicht sehen) sind deutlich mehr Punkte wert und verbinden im Endeffekt drei Orte. Außerdem gibt es in den Kurz- und den Langflugdecks jeweils zwei Urlaubskarten, die den Abschluss des Spiels einläuten.

Nachdem ein kleines bisschen Geld an die Mitspieler verteilt wurden und das übliche Gezeter 'Ich will aber mit gelb spielen' vorbei ist, werden einige Flüge offen ausgelegt. Anschließend sind die Spieler reihum an der Reihe, wobei sie jeweils zwei Phasen durchmachen: eine Flugkartenphase und eine Aktionsphase.

In der Flugkartenphase werden die Flugkarten auf ein bestimmtes Minimum aufgefüllt, wenn weniger Karten ausliegen (abhängig von der Anzahl Mitspieler), und der Spieler, der an der Reihe ist, kann zusätzliche Flugkarten auslegen lassen, wenn ihm die ausliegenden Optionen nicht gefallen und er das Geld dafür hat.

In der folgenden Aktionsphase darf der Spieler dann genau eine Aktion ausführen: er kann Flugzeuge auf einen noch nicht besetzten Link (eine Verbindung von zwei Flugplätzen) legen und dabei das Eigentum über den Link übernehmen, er kann (beliebig viele) Flugzeuge auf (beliebig viele) eigene Links setzen, er kann Flugzeuge auf einen Link setzen, der einem anderen Spieler gehört, was dieser zwar nicht verhindern kann, wofür er aber Geld erhält, er kann eine Flugkarte nehmen oder er kann Einkommen einsammeln. Hierbei liefert eine neueröffnete Fluglinie eine Zeitlang mehr Geld ab, bevor sie dann weniger liefert.

Das Besondere hierbei ist, dass man durch den Besitz einer Teilstrecke andere Spieler nicht grundsätzlich daran hindert, diese ebenfalls zu benutzen, sondern dafür stattdessen ganz gut verdient. Dieser Ertragsmechanismus erinnert mich irgendwie an die Fahrphase bei Dampfross/Railway Rivals, allerdings sind die Kosten hier noch deutlich höher: man muss sich schon gut überlegen, ob man nicht lieber einen Umweg fliegen will. Es ist allerdings hin und wieder nicht zu umgehen, Flugzeuge nachzubauen, und dabei auch auf fremde Teilstrecken auszuweichen. Dennoch ist es nicht nur wegen der Vermeidung von Zahlungen an Mitspieler interessant, auf eigene Strecken auszuweichen. Es ist nämlich zum einen sowieso billiger auf eigenen Strecken Flugzeuge nachzubauen, und zum anderen kann man jedes gebaute Flugzeug nur für einen Trip einsetzen. Wenn man also eine häufig benutzte Teilstrecke besitzt, wird man dort mehrfach Flugzeuge bauen müssen. Da das Geld aber knapp ist, kann man auch nicht 'auf Verdacht/Vorrat' Flugzeuge bauen, sondern sollte nur die Flugzeuge bauen, die man auch bald verwenden kann.

Außerdem muss man die Urlaubskarten im Auge behalten: in beiden Flugstapeln liegen zwei Urlaubskarten. Wenn die insgesamt zweite Urlaubskarte aufgedeckt wird (es können also auch zwei Karten aus verschiedenen Stapeln sein), beginnt die Abschlussphase des Spiels: nachdem die Flugkarten noch einmal auf das Maximum aufgestockt wurden, gibt es keine neuen Flugkarten mehr. Man wird also über kurz oder lang auf die Abschlussflüge ausweichen wollen – von denen man dann nur einen tatsächlich fliegen kann, wenn überhaupt. Sobald ein Spieler seinen Abschlussflug geflogen hat, erhöht er in seiner Runde nur noch seine Siegpunkte für den frühen Abschluss. Wenn er nach seinem Abschlussflug das fünfte Mal dran ist, endet das Spiel unwiderruflich – oder wenn alle Spieler ihren Abschlussflug vorher geflogen sind. Sieger ist dann der Spieler, der die meisten Punkte über die Flugkarten gesammelt hat, bei Gleichstand entscheidet der Bestand an Bargeld.

Im ganzen Spiel ist man damit beschäftigt, seine viel zu knappen Ressourcen zu verwalten. Zu wenig Geld, zu wenig Flugzeuge auf dem Spielplan, zu wenige Flugangebote, nur eine einzige Aktion pro Runde… man ist ständig damit beschäftigt, einem Engpass auszuweichen, und läuft damit in den nächsten hinein. Zu Spielbeginn ist es überaus wichtig, ein paar kurze Flüge schnell zusammenzubringen, damit man wieder Geld herein kriegt. Wenn man das verpasst, kann das Spiel schnell an einem vorbei laufen – besonders unangenehm wird das, wenn man weder Bargeld hat noch Flugverbindungen, mit denen man Flugkarten einsammeln kann. Aber schon in dieser frühen Phase muss man darauf achten, welche Abschlussflüge man hat, damit man für diese nicht zu viel an die Konkurrenten bezahlen muss.

Das Spielmaterial ist angenehm, nur sind die Plastikflugzeuge und Chips ein wenig unhandlich. Schön sind die Geldkarten – sie sind eine ganze Ecke stabiler als die bei vielen anderen Spielen beiliegenden Geldscheine à la Monopoly. Der Spielplan ist sehr übersichtlich, allerdings sind wirklich auch nur die größten Flughäfen vorhanden. Und auch hier fehlen mir einzelne – das Fehlen von Köln/Bonn fiel mir besonders auf…

Das Spiel insgesamt hat mir sehr gut gefallen. Wer Spiele zur Verwaltung wirklich knapper Ressourcen mag, kann mit diesem Spiel nicht falsch liegen.

Man muss es nur erst einmal finden: es wrde zwar voriges Jahr zur SPIEL in Essen vorgestellt, aber die Webseite von Wattsaloag scheint seither nicht mehr geupdated worden zu sein. Ich versuche noch, eine Bezugsquelle für Europa zu finden.

Übrigens: wer sich für die genauen Regeln interessiert, kann diese von der Wattsalpoag-Webseit als PDF herunterladen.

Hersteller Wattsalpoag

Autor

Kris Gould

Spieler

2-6

Denken

7

Glück

4

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

??? €

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.