Kunst für Kenner

Modern Art

Es gibt Spiele, die ein, zwei Jahre erhältlich sind, und dann wieder vom Markt verschwinden. Andere Spiele, die den Markt zum rechten Zeitpunkt treffen, werden zum Schlager, und bleiben viele Jahre und Jahrzehnte dort. Selten einmal verschwindet ein Spiel, um Jahre später in neuer Glorie aufzuerstehen.

Einer dieser seltenen Fälle ist Rainer Knizias Spiel Modern Art, das bereits vor vielen Jahren erschienen ist, und damals sogar ein Spiel war, das bei der Deutschan Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel gespielt wurde. Seither ist es allerdings still geworden um dieses Spiel, bis Pegasus mit einer neuen Ausgabe herauskam.

Vom Material her ist diese neue Ausgabe schöner als die alte, das fällt sofort auf. In der stabilen Schachtel findet man das folgende Spielmaterial:

  • einen Spielplan
  • 70 Kärtchen mit Gemälden 5 moderner Künstler
  • 12 Wertungsplättchen, je 4 mit den Werten 10, 20 und 340
  • 5 Sichtschirme
  • 93 Geldchips in 6 verschiedenen Werten

Die Wertungsplättchen, Geldchips … und das Spielbrett sitzen in einer vorgestanzten Pappe und sind eigentlich leicht herauszulösen. Allerdings ist das beim Spielbrett ein wenig verwirrend: man versucht unwillkürlich, die fünf Gemäldereihen, die darauf abgebildet werden, zu trennen. Glücklicherweise ist die Pappe sehr stabil, so dass hier keine größeren Unglücke zu befürchten sind.

Im Spiel geht es darum, in vier Durchgängen Gemälde von fünf "modernen Künstlern“ zu er- und versteigern und hiermit möglichst viel Geld zu verdienen. Hierfür erhält jeder Spieler eine Reihe Gemäldekarten und eine Grundausstattung an Geld. Karten, die in einer Runde nicht gebraucht werden, bleiben in der Hand für die folgenden Runden – in der letzten Runde erhält man sogar gar keine neuen Genmälde, muss also mit denen zurechtkommen, die einem am Ende der 3. Runde übrig blieben.

Beginnend bei einem Spieler (laut Spielregel der, der zuletzt ein Museum besucht hat … so nett dieser Verweis auf das Spielthema auch ist: wenn man das 'zigste Mal einen derartigen Spruch liest, wirkt er leider nur noch alt) wird jeweils eine Gemäldekarte zur Verteigerung angeboten. Dafür gibt es fünf verschiedene Methoden.

Die den meisten Menschen wohl bekannteste Versteigerungsmethode (hier als "kreuz und quer“ bezeichnet) ist die, dass jeder jederzeit ein höheres Gebot (mindestens 1 mehr als das bisherige Höchstgebot) abgeben kann. Der Auktionator (der, der das Bild anbietet) erhält von dem Gewinner der Auktion das gebotene Geld, der Gewinner das Bild.

‚Einmal reihum' ist genau das: jeder Spieler kann genau einmal ein Gebot abgeben oder passen, der letzte ist in diesem Fall der Auktionator. Das Geld geht an den Auktionator, es sei denn, dass er das Bild selber kauft, dann geht das Geld an die Bank

‚In die Faust' bedeutet, dass jeder verdeckt ein Gebot abgibt, und das höchste dieser gebote gewinnt. Wieder geht das Geld an den Auktionator, es sei denn, sein Gebot ist das höchste, dann geht das Geld an die Bank.

Eigentlich keine Auktion im eigentlichen Sinne ist die Festpreis-Methode, beio der der Auktionator einen festen Preis bestimmt, zu dem die Spieler reihum das Bild kaufen können. Kauft es keiner, behält der Auktionator es (und … richtig: zahlt den Betrag an die Bank, ansonsten geht das Geld an ihn).

Einige Bilder können schließlich nicht alleine angeboten werden, sondern müssen mit einem 2. Bild desselben Künstlers verkauft werden – wobei das 2. Bild dann bestimnmt, nach welcher Methode. Wenn der, dem das erste Bild gehört, kein 2. Bild desselben Künstlers anbieten kann, geht das Recht an einen mitspieler über – der dann als Auktionator gilt, was das Kassieren und Bezahlen betrifft.

Ja, auf den Bildern steht angegeben, nach welcher Methode sie versteigert werden müssen. Ziemlich deutliche Symbole zeigen an, wie man seine Bilder los werden kann.

Sobald das 5. Gemälde eines Künstlers ausgespielt wird, endet die Runde sofort. Das gelegte Bild wird also nicht mehr versteigert. Stattdessen wird nachgesehen, welcher Künstler in dieser Runde am beliebtesten war: dieser Künstler erhält ein 30er Wertungsplättchen, der zweitbeliebteste ein 20er, der drittbeliebteste ein 10er. Die beiden anderen Künstler sind in dieser Runde nichts wert.

Anschließend werden alle versteigerten Bilder an die Bank gegeben, die dafür den Wert des Künstlers auszahlt. Da in der 2. und späteren Runden bereits Wertungsplättchen bei einzelnen Künstlern liegen, werden diese also in späteren Runden entsprechend mehr wert – wenn sie überhaupt in die Wertung gelangen. Kommt ein Künstler in einer Runde nicht in die Top 3, gibt es für seine Gemälde keun Geld.

Nachdem viermal so abgerechnet wurde, ist das Spiel zu Ende. Gewonnen hat, wer das meiste Geld hat.

Was auf dem Papier einfach und übersichtlich klingt, wird im Spiel zu einem interessanten Abwägen. Wenn ich den Künstler kaufe, wird er es in die Wertung schaffen? Nehme ich als Auktionator das Geld oder lieber das Gemälde? Sollte ich die Runde beenden, oder habe ich eine Chance, einen nicht in der Wertung befindlichen Künstler, von dem ich Gemälde besitze, doch noch in die Wertung zu bringen? Wäre es in diesem Fall vielleicht trotzdem besser, das Gemälde zurückzuhalten und erst nächste Runde für den Künstler zu kassieren? Welche Künstler werden von den anderen Spielern bevorzugt, und sollte ich auf den fahrenden Zug noch aufspringen, bevor es zu spät ist? Wie viel sollte ich für das Gemälde bezahlen, damit ich beim Zwangsverkauf am Rundenende so viel gewinn möglich mache? Lohnt es, ein Gemälde über dem Verkaufserlös zu ersteigern, um den Erlös anderer Bilder in den kommenden Runden zu erhöhen und so das Geld doch noch 'reinzubekommen?

Diese Überlegungen machen den Reiz des Spieles aus, und kein Spiel gleicht dem anderen. Es macht schon einen Heidenspaß, den anderen Spielern ihre Pläne zu durchkreuzen, indem man zur Unzeit eine Wertung auslöst (oder eben einen Künstler doch noch pusht).

Das Spielmaterial ist angenehm zu handhaben, und sieht auch gut aus. Auch die 'Gemälde' sehen so aus, als ob man sie in einer Ausstellung 'moderner Kunst' so sehen könnte.

Alles in allem ist Modern Art ein Spiel, das für den Brettspieleabend in der Familie oder dem Freundeskreis hervorragend geeignet ist, wenn es auch dem Vielspieler einen Vorteil gegenüber dem Gelegenheitsspieler gibt, ganz einfach, weil ersterer die Effekte seiner Aktionen auf die späteren Runden besser überblicken kann.

Wer Versteigerungsspiele mag, sollte Modern Art auf keinen Fall links liegen lassen – es gehört sicherlich zu den besseren Vertretern dieser Gattung.

Hersteller Pegasus Spiele

Autor

Dr. Reiner Knizia

Spieler

3-5

Denken

8

Glück

4

Geschicklichkeit

0

Preis

29,95 €

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