Guten Appetit

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Eat

Manche Spiele sind offensichtliche Kinder der Länder, in denen sie herausgebracht werden. Eisenbahnspiele haben (meist) ihren Ursprung in Großbritannien, ein Spiel um American Football kommt mit großer Wahrscheinlichkeit aus den USA – und dasselbe gilt auch für ein Spiel um Esswettkämpfe. Diese 'wer isst am meisten in fünfzehn Minuten‘-Wettkämpfe sind dort (und waren es zumindest eine Zeitlang in Japan) besonders beliebt, aber auch anderswo nicht völlig unbekannt. Nachdem sie lange Zeit eine Attraktion auf Jahrmärkten und Zirkussen waren, haben sie sich in einen syndikalisierten Sport gewandelt, der von der International Federation of Competitive Eating (IFOCE) und der Association of Competitive Eaters (AOCE) dominiert wird und teilweise sogar im Fernsehen ausgestrahlt wird.

Eine Alternative, die keinen besonders trainierten Magen benötigt, gibt es auch: das Spiel Eat von Deep Dish Games, einem – natürlich Amerikanischen – neuen Spielehersteller. Auf der SPIEL haben sie übrigens sogar einen Mini-Esswettkampf durchgeführt: es ging in diesem Fall darum, eine Pizza (ohne die Hände zu benutzen) so schnell wie möglich verschwinden zu lassen. Das Ergebnis war auf der Spiel beinahe ein Fotofinish.

In der Spieledose findet man die folgenden Teile:

  • ein Kartendeck mit x Karten, die verschiedenste Nahrungsmittel derartiger Esswettbewerbe darstellen
  • fünf Spezialwürfel, mit den Buchstaben A – E – T sowie einem traurigen Smiley und zwei "Spritzerflecken“
  • ein normaler sechsseitiger Würfel
  • vermutlich eine Spielregel, die dann u.a. auch in Deutsch sein soll

Hier muss ich ein kleines Problem anmelden: in der Schachtel, die mir auf der SPIEL gegeben wurde (und die noch verschweisst war), waren diese Regeln leider nicht zu finden, und auch auf der Webseite waren sie nicht als Download verfügbar. Und auch auf eine Anfrage über das Webformular habe ich (nach über einer Woche) noch keine Antwort erhalten.

Daher kann ich hier auch nur das wiedergeben, wie ich es auf der Spiel erklärt bekommen habe.

Jede Karte beinhaltet mehrere Informationen: ein Bild und der Name der Köstlichkeit, eine 'Verzehrschwierigkeit' in der Form einer Anzahl Würfel, ein Verzehrwert in Punkten und ggfs. ein oder mehrere Symbole, die die Köstlichkeiten in Bereiche unterteilen – da gibt es Süßes, Salziges, Fettes, ganz einfach widerliches, und scharfes.

Wenn man an der Reihe ist, darf man entscheiden, eines von vier ausliegenden Gerichte zu verspeisen. Hierfür werden dann so viele (Buchstaben-)Würfel geworfen, wie auf der Karte abgebildet sind. Erscheint hierbei kein Smiley, hat man das Produkt (vorläufig) zu sich genommen. Man darf dann noch ein weiteres Produkt versuchen, wobei die Schwierigkeit mit jeder weiteren Karte um einen Extrawürfel schwieriger wird als auf der Karte angegeben – das zweite erfordert also einen Extrawürfel, das dritte zwei und so weiter. Eine erfolgreich 'gegessene' Karte wird oben auf die bereits verzehrten gelegt – die Reihenfolge kann später noch wichtig werden!

Leider erscheint aber mit schönem Regelmaß auch der Smiley, der anzeigt, dass man sich wohl ein wenig übernommen hat. Dann wirft man noch einmal Spezialwürfel, und zwar einen sowieso, dazu einen für jedes neue Bereichssymbol auf den Karten – dreimal Süß hat also nur einen Extrawürfel zur Folge, hat man aber sowohl Süßes, als auch scharfes und Fettes auf dem Tisch liegen, sind das drei Extrawürfel. 'Widerliches' ist immer eine eigene Kategorie, zwei 'widerliche' Sachen bringen also auch zwei Extrawürfel, drei bringen drei und so weiter. Wenn hierbei kein Spritzer-Symbol erscheint, hat man Glück gehabt, und kann in der nächsten Runde, wenn man wieder dran ist, das Gericht noch einmal versuchen. (Da man sich an die Aussicht gewöhnt hat, sogar einen Würfel leichter als wenn es ganz neu wäre.)

Wenn Spritzer-Symbole erscheinen, ist 'Eimerzeit' – beginnend mit dem soeben versuchten werden so viele Karten wieder abgelegt, wie Spritzersymbole erschienen sind. Dies geschieht natürlich als 'LIFO‘, wie die Informatiker sagen: Last In First Out, also das zuletzt gegessene bahnt sich seinen Weg zuerst nach oben.

Wer ein Nahrungsmittel mit 5 Würfeln zu sich nimmt, hat einen 'Mengenbonus' – als erster, der einen 'Fünfer' schafft, erhält man den normalen Würfel, mit der 1 nach oben. Gelingt es später einem anderen Spieler, ebenfalls einen Fünfer zu schaffen, wird der Würfel weitergegeben, mit der 2 nach oben – der durch den Würfel angezeigte Wert wird auf den Verzehrwert des bereits Gegessenen addiert, wenn es um den Sieg geht.

Da man normalerweise maximal die Auslage verzehren kann, und gelegentlich in dieser nur wenig Appetitliches findet, darf man, wenn man beim Verzehrwurf alle Buchstaben E-A-T erhält, eine neue Auslage anfordern (und die alte ganz oder teilweise entsorgen). Hierdurch erhält man mit ein wenig Glück wieder passende Gerichte vorgesetzt.

Wer trotz aller Bestrebungen der Nahrungsmittel, den Körper auf kürzestem Wege wieder zu verlassen, genügend Verzehrwert (21 Punkte, wenn ich mich recht erinnere) gesammelt hat, gewinnt.

Das Spiel ist hat natürlich keinen sonderlichen Tiefgang, es ist ein schnelles, glücksbetontes Spiel, das vor allem vom Thema lebt. Man muss ein wenig nachdenken und Chancen abschätzen, kann anderen Spielern aber nur bedingt das Leben schwer machen: indem man ihnen Nahrung vor der Nase wegschnappt, oder den Bonuswürfel klaut. Letzteres geht aber immer mit ziemlich großem Risiko einher. Meist ist man aber dadurch gebunden, dass man eben nicht zu viele verschiedene Nahrungsgruppen haben will – es ist einfacher, nur Süßes bei sich zu behalten als eine Mischung von süß, scharf und fettig.

Mit den richtigen Spielern kann das Spiel recht lustig werden, das ist aber sehr abhängig von den Persönlichkeiten. Dennoch: als Hors d’œuvre für einen Spieleabend, oder als Nachtisch am Ende desselben kann es ganz nett sein.

Bislang habe ich es noch bei keinem Deutschen Laden entdecken können. Sobald sich das ändert, werde ich die Tabelle anpassen :)

Hersteller Deep Dish Games

Autor

Mike Nystul

Spieler

2-8

Denken

2

Glück

8

Geschicklichkeit

0

Preis

$ 21,95 (empf. VK lt. Webseite)

Ein Kommentar

  1. jens mueller sagt:

    Interessante Idee. Danke für den schönen ausführlichen Artikel

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