Nicht nur für Opernfreunde

Turandot

Die Italienische Version der Spiel dürften die Lucca Games sein, die in der gleichnamigen Stadt in der Toskana, 20 km von Pisa entfernt stattfinden. So wie die Spiel vom Friedhelm Merz Verlag veranstaltet werden, isst der Veranstalter der Lucca Games die Lucca Games and Comics srl. Jedes Jahr werden im Rahmen der Lucca Games Spiele ausgezeichnet; diese Auszeichnungen haben in Italien einen ähnlichen Rang wir bei uns das 'Spiel des Jahres'. Neben veröffentlichten Spielen gibt es aber auch einen Preis für das 'beste unveröffentlichte Spiel' – das gewinnende Spiel wird dann zur Lucca Games von der daVinci Edditrice S.r.l. (die in Deutschland aus warenzeichenrechtlichen Gründen nur als dV Games firmiert) herausgegeben.

Der Preisträger 2008 (veröffentlicht 2009) heisst Turandot und ist ein Kartenspiel über die Oper mit demselben Namen.

Das Spiel hat allerdings so gut wie nichts mit dem Libretto der Oper zu tun – die Spieler versuchen, eine möglichst gute Besetzung der wichtigsten Rollen (Turandot, Kalaf, Liu, Ping, Pong und Pang) und einen zu diesen Schauspielern passenden Regisseur zu erhalten. Bonuspunkte gibt es für einen Bühnenbildner bzw. Kostümbildner. An der Nennung von Liu kann man bereits erkennen, dass hier eindeutig die Opernversion von Puccini geht, denn dieser Charakter ist von Puccini hinzugefügt worden.

In der Spieleschachtel findet man in einem handlichen Kartenhalter neben zwei Spielanleitungen (Englisch und Italienisch, eine Deutsche (PDF) kann bei Adlung Spiele heruntergeladen werden) 109 Spielkarten:

  • 36 Sänger, die auf den Karten mit Punktwerten gekennzeichnet werden sowie mit Symbolen (Pro, Amateur, alternativer oder klassischer Sänger, singt besser komisch oder düstere Inszenierungen, Geschlecht, bevorzugte Rolle)
  • 1 Karte Kostümbildner
  • 1 Karte Bühnenbildner
  • 9 Regisseurskarten
  • 6 Karten, die die Rollen wiedergeben
  • eine Karte mit Giacomo Piccini
  • 55 Spielerkarten in insgesamt 5 Farben, eine pro Spieler (sechs Zahlenkarten 1-6, 3 Geldkarten, 1 Bluffkarte, 1 Übersichtskarte)

Die Karten sind von guter Qualität, die Illustrationen sind sehr schön. Man sieht den Sängern auch ohne die Symbole ein wenig an, in welche Gruppe sie fallen – die Amateur sehen beispielsweise typisch amateurhaft aus, die 'düsteren' Sänger fallen unter 'Emo-Goth‘, die 'komischen' tragen Masken der Italienischen Komödie / Opera Buffo und so weiter. Es gibt auch ein paar nette Abweichungen: einer der Amateursänger fällt unter die Typbezeichnung Felix Felix (isdt also eine Katze), bei den 'modernen' Sängern ist auch ein Roboter zu finden, und ähnliches. Die Karten sind bis in die Details sehr ansprechend und sehen nett aus.

Von den Zahlenkarten werden je nach Spieleranzahl nur die karten eins bis (anzahl der Spieler + 1) verwendet. Die Sänger werden gemischt, die Regisseure bilden einen eigenen Stapel. Bühnen- und Kostümbildner werden getrennt ausgelegt, jeder Spieler erhält einen Kartensatz. Die Rollenkarten werden in Zahlenreihenfolge ausgelegt, die dienen über ihre Nummern der Identifizierung der angebotenen Sänger. Zuguterletzt erhält ein Spieler die Puccini-Karte.

In sieben Runden werden Sänger und Regisseure verteilt: erst drei Runden Sänger, dann eine Runde Regisseure, dann noch einmal drei Runden Sänger.

Jede Runde beginnt damit, dass der Spieler, der die Puccini-Karte hat, (Anzahl der Spieler + 1) Sänger (in der vierten Runde: Regisseure) aufdeckt. Diese werden unter die Rollenkarten gelegt, wobei bei weniger als 5 Spielern die höchsten Zahlen frei bleiben. Jetzt kann jeder Spieler verdeckt ein Gebot für einen der Sänger abgeben, wobei der Spieler eine oder mehrere Karten verdeckt auslegt: eine Zahlenkarte und/oder eine oder mehrere Geldkarten. Die Bluffkarte kann verwendet werden um die Anzahl der ausgespielten Karten zu verschleiern. Wenn alle Spieler ihre Gebote ausgelegt haben, werden diese aufgedeckt.

Wenn ein einziger Spieler eine bestimmte Zahlenkarte ausgespielt hat (alle andere Spieler haben eine andere oder gar keine Zahlenkarte ausgespielt), erhält er automatisch den Sänger der auf derselben Nummer liegt. Eventuell gebotenes Geld wird wieder auf die Hand genommen. Wenn mehrere Spieler auf denselben Sänger geboten haben, gewinnt der, der das meiste Geld geboten hat, bei Gleichheit der Höchstgebote gewinnt keiner. In ersterem Fall wird das Geld abgegeben, in letzterem nehmen die Spieler ihr Geld wieder auf die Hand.

Ein Spieler, der nur Geld ausgelegt hat, möchte in dieser Runde den Bühnen- oder Kostümbildner anheuern – wenn mehrere Spieler dies gleichzeitig versuchen, erhälen die Spieler, die auf den Spieler mit der Puccini-Karte als erste folgen, diese beiden Karten. Wer keine der beiden Karten erhält, darf dafür die Geldkarte wieder auf die Hand nehmen, wer eine der beiden karten erhält, dreht die Geldkarte um als zusätzlichen Siegpunkt („Teil der Szenerie“). Achja: der Spieler mit der Puccini-Karte darf nicht auf Bühnen- bzw. Kostümbildner bieten.

Nachdem all das geschehen ist, sind meist noch Spieler übrig, die in dieser Runde keinen Sänger erhalten haben. Diese erhalten jetzt eine der übrig gebliebenen Sängerkarten, die der Spieler mit der Puccini-Karte zuweist. Die Runde wird (in Runden 1-3) beendet, indem ein Spieler, den der Puccini-Spieler bestimmt, von den noch vorhandenen Regisseuren einen aussortiert und ablegt. Zuguterletzt wird die Puccini-Karte eine Position nach links weitergegeben, wo sie für die nächste Runde bleibt.

Da in der vierten Runde die übrig gebliebenen Regisseure verteilt werden, brauchen natürlich am Ende der Runden 4-7 keine Regisseure mehr aussortiert zu werden. Auch darf man in der 4. Runde nicht auf Bühnen- und Kostümbildner bieten, wenn diese noch verfügbar sind.

Nach sieben Runden hat also jeder Spieler sechs Sänger und einen Regisseur, evtl. noch einen Bühnen- oder Kostümbildner. Die Sänger bringfen zunächst einmal den aufgedruckten Wert an Punkten. Die Regisseure geben abhängig von ihren Vorlieben Boni bzw. Mali für komische/üstere Sänger, für Sänger ungewissen Geschlechts, für Szenerie etc. Außerdem gibt es einen Bonuspunkt für jeden Sänger, der seine Lieblingsrolle singt, während ein Sänger, der eine ROlle des 'falschen' Geschlechts singen muss, für einen Minuspunkt sorgt. Ein paar wenige Sänger sind von 'ungewissem Geschlecht‘: sie geben keine Bonuspunkte, sorgen aber auch nicht für Strafpunkte.

Wer am Ende die meisten Punkte hat, hat gewonnen. Bei Punktegleichstant werden die Punkte der Sänger alleine verglichen ohne Boni oder Strafen. Wenn dann immer noch Gleichstand ist, ist es ein unentschieden.

Die Frage, welchen Sänger man versucht zu erwerben und wie viel man ggfs. dafür bieten will, ist selten leicht zu beantworten, da man damit rechnen muss, bei einem zu populären Sänger genau diesen nicht erhalten zu können. Wichtig ist auch, im Aug zu behalten, welche Regisseure bereits aussortiert worden sind, und damit die eigene Besetzung nicht mehr verstärken können, sowie im Auge zu behalten, welche Sänger ein anderer Spieler möglicherweise benötigt. Die Interaktion ist also nicht auf das reine Bid-n-Bluff beschränkt, sondern man muss ständig alle Mitspieler im Auge behalten. Vor allem der Puccini muss beim Verteilen der übriggebliebenen Sänger aufpassen, welchen Sänger er wem gibt.

Alles in allem ist es ein schnelles Spiel (die auf der Schachtel angegebenen 20-30 Minuten dürften etwas optimistisch sein, 30-45 Minuten dürften es eher treffen), das man gut auch 'mal eben zwischendurch' spielen kann. Der Glücksfaktor ist überraschend gering, man kann recht gut vorausplanen – natürlich besser, wenn man mehr Mitspieler hat, weil dann mehr Sänger angeboten werden. Bei einem empf. VK von unter 9 Euronen kann man hier kaim falsch liegen.

Hersteller daVinci Editrice

Autor

Stefano Castelli

Spieler

2-5

Denken

7

Glück

3

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

€ 9

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