Battlestar Galactica – Das Brettspiel

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Von Markus Widmer, a.k.a. paradroid

Als Fan der neuen Fernsehserie (Androiden und Paranoia, was will man mehr?) war "Battlestar Galactica – Das Brettspiel“ für mich Pflicht. Zudem eilte dem Spiel der Ruf voraus, eines der besten semi-kooperativen Spiele auf dem Markt zu sein. Ich hatte also doppelt hohe Erwartungen: Einmal als Fan, der mit seiner Viper Zylonenjäger abschießen und Komplotts aufdecken möchte. Und einmal als Liebhaber anspruchsvoller Spiele. Um das Fazit vorwegzunehmen: Weder der Fan noch der Spieler in mir wurden enttäuscht.

Die Kombination Fantasy Flight Games plus Heidelberger Spieleverlag bürgt für tolles Spielmaterial, und auch hier erfüllten sich meine Erwartungen: Ein dickes, stabiles Spielbrett mit drehbaren Ressourcenmarkern, schön gestaltete Kartonteile sowie als Highlight feine Plastikminiaturen von den wichtigsten Raumschifftypen der Serie. Der einzige Kritikpunkt betrifft das Design der Karten. Die Kartenrückseiten sind zwar stimmungsvoll, könnten aber aussagekräftiger sein, damit man die Karten besser unterscheiden kann. Beim Design der wichtigen kleinen Icons in den unteren Ecken der Krisenkarten ist man ganz übers Ziel hinausgeschossen. Ein paar Photoshop-Effekte weniger, dafür klares Icon-Design hätten für eine bessere Unterscheidbarkeit gesorgt.

 

Das Regelheft könnte mit seinen 32 Seiten abschrecken; in Tat und Wahrheit illustriert es mit vielen Beispielen und Grafiken das Spiel auf eine Weise, die den Einstieg sehr leicht macht. Überhaupt waren die Regeln für mich die größte positive Überraschung. Von Fantasy Flight ist man ja einen hohen Komplexitätsgrad und einen ziemlichen Wust von Regeln und Ausnahmen gewohnt. Battlestar Galactica (BSG) bietet eine ebenso große Vielfalt an Möglichkeiten und Abwechslung, besteht aber im Kern nur aus wenigen, einfach verständlichen Spielprinzipien.

Das semi-kooperative Spiel ist ja bereits aus "Schatten über Camelot“ bekannt: Man spielt grundsätzlich gemeinsam gegen das Spiel, es versteckt sich aber ein Verräter in den eigenen Reihen. Bei BSG können das je nach Spieleranzahl (drei bis sechs) auch mehrere Verräter sein – selbstverständlich die Zylonen. Am Anfang des Spiels entscheiden sich die Spieler jeweils für einen Charakter aus der Serie. Diese Charakterkarten bringen positive Sonderregeln und eine Sonderaktion mit sich, die nur ein Mal pro Spiel benutzt werden darf, aber auch einen Nachteil. Gleichzeitig wird auf diesen Charakterkarten festgelegt, welche Fertigkeitskarten der Spieler bei seinem Zug nachziehen darf. Diese Fertigkeitskarten kommen in fünf Farben und sind für das Spiel entscheidend.

Auf dem Spielbrett selbst sind zwei große Schiffe zu sehen, die Galactica selbst und Colonial One. Auf diesen Schiffen befinden sich verschiedene Orte, an denen die Charaktere verschiedene Dinge tun können: in der Waffensteuerung kann man feindliche Schiffe beschießen, in der FTL-Kontrolle einen Sprung durchführen, im Hangardeck eine Viper besteigen und so weiter. Neben dem Spielbrett liegt eine Reihe von Karten. Die wichtigsten sind die Krisenkarten. Bei jedem Zug wird eine von diesen aufgedeckt; sie präsentiert eine Herausforderung für die Spieler und treibt damit das Spiel voran. Es gibt im Wesentlichen drei Sorten von Krisen: Zylonenangriffe, harte Entscheidungen zwischen dem Schrecklichen und dem Furchtbaren sowie Fertigkeits-Checks. Diese Checks sind sicher der spannendste Mechanismus im Spiel: Alle Spieler legen verdeckt so viele Fertigkeitskarten ab, wie sie wollen. Dazu kommen zwei zufällige Karten. Die Punkte der abgelegten Fertigkeitskarten werden dann addiert und mit dem Zielwert auf der Krisenkarte verglichen. Allerdings nur jene Karten mit den von der Krisenkarte geforderten Farben – alle anderen zählen negativ.

Hier kommt also die Paranoia ins Spiel: Wer hat die schlechten Karten ins Spiel geworfen? Waren es die Zufallskarten? Oder war es der Zylone … die Zylonen? Dieses gegenseitige Misstrauen macht einen großen Teil der Faszination von BSG aus – der Serie wie des Spiels. Jeder könnte ein Zylone sein. Sogar man selbst, denn in der Mitte des Spiels, in der so genannten Schläferphase, kann man unter Umständen die Seiten wechseln. Ein schönes Beispiel dafür, wie der Autor des Spiels, Corey Konieczka, wesentliche Plotmechanismen der Serie genommen und daraus spannende Spielmechanismen gemacht hat.

Die Suche nach den Zylonen ist aber nur ein Element von BSG. Tatsächlich können (und in den meisten Fällen: werden) die Zylonenspieler sich selbst enttarnen und damit die finale Phase des Spiels einleiten. Sie nehmen sich damit zwar aus dem Verschwörungsspiel, gewinnen aber deutlich an Schusskraft. Mindestens so anspruchsvoll wie die Identifikation der Zylonen, die bei geschickten Zylonenspielern sehr schwer zu bewerkstelligen ist, kann das nackte Überleben sein, also die Bewältigung der Krisen, die einem das Spiel so hinwirft. Zur Paranoia kommt also auch ein hoher Stress- und damit Spannungsfaktor. In unserer Testrunde fühlten sich die rund zweieinhalb Stunden Spielzeit jedenfalls eher wie 45 Minuten an. Dazu trägt natürlich auch bei, dass man, wie in allen kooperativen Spielen, auch während der Züge der Mitspieler ständig involviert ist und herausgefordert wird.

Ziel des Spiels ist es im übrigen, mit der Galactica heil bis nach Kobol zu springen, ohne inzwischen eine der vier überlebenswichtigen Ressourcen Treibstoff, Nahrung, Moral und Bevölkerung auf Null sinken zu lassen. Zumindest dann, wenn man ein Mensch ist. Die Zylonen setzen natürlich alles daran, die Galactica zu zerstören, zu entern oder die Ressourcen zu sabotieren.

Intrige, Paranoia, Selbstzweifel, Sabotage, FTL-Sprünge, Politik, Diplomatie und Schießereien im Weltraum: Battlestar Galactica – Das Brettspiel schafft es, die Faszination der Serie auf den Spieltisch zu bringen. Und das mit eleganten Spielmechanismen und erstaunlich einfachen Regeln. Damit ist BSG meines Erachtens eine der gelungensten Spieladaptionen einer narrativen Vorlage überhaupt. Mit dem Element des Misstrauens umgeht das Spiel zudem eines der Probleme von rein kooperativen Spielen wie "Pandemie“ oder "Der Herr der Ringe“: Diese werden manchmal von allzu enthusiastischen Spielern mehr oder weniger im Alleingang gespielt. Wenn aber jeder Spieler dem anderen misstraut, kann man die "guten Tipps“ vom Herrn zur Linken nicht einfach so übernehmen. Er könnte ja einer dieser üblen Zylonen-Schläferagenten sein.

Battlestar Galactica – Das Brettspiel wurde beim österreichischen Spielepreis "Spiel der Spiele“ mit der Auszeichnung "Spiele-Hit für Experten“ prämiert.

Hersteller Fantasy Flight Games und Heidelberger Spieleverlag
Autor Corey Konietzka, Eric M. Lang
Spieler 3-6 (empf. ab 4)
Denken 9
Glück 5
Geschicklichkeit n/a
Preis € 39,95

 

Ein Kommentar

  1. […] dass mehr als ein Verräter dabei ist. Typische Beispiele für diese semi-kooperativen Spiele sind Battlestar Galactica (mit einem oder auch zwei Zylonen als Verräter), oder auch Room 25 (das in seiner Story an The […]

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