In Nomine Domini

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Inquisitio

Aus Finnland kommt ein Verlag, der vom eigenen Namen her sozusagen 'höllisch gute' Spiele herstellen will: Tuonela ist der Name der Unterwelt in der Finnischen Sage. Unter dem Logo des in der Finischen Mythologie hiermit verbundenen Schwans (und unter einer feuer(!)roten Frisur) produziert man Spiele mit, zum Teil, religiös-historischen Hintergründen. Eines dieser Spiele ist Inquisitio.

Direkt nach dem Öffnen der nicht allzu großen Verpackung merkt man, dass es ein Spiel aus einem Land ist, aus dem eher selten Spiele den Weg nach Deutschland finden. Die Spielregeln sind in Finnisch, Schwedisch und Englisch anzutreffen – zur Zeit wird in Finnland gerade diskutiert, ob die verpflichtende Fremdsprache Schwedisch an der Schule abgeschafft werden soll… Das Spiel ist noch ziemlich neu – auf der Webseite des Herausgebers war es erst einige Zeit nach der Messe zu finden.

Thema des Spiels ist, wie der Name schon vermuten lässt, die Inquisition mit den angeschlossenen Hexenprozessen. Jeder der bis zu fünf Spieler stellt eine(n) der Hexerei Verdächtigte(n) dar, der das untergeht, was leicht beschönigend als hochnotpeinliche Befragung bezeichnet wurde. Hierbei hilft es dem Betroffenen sicher nicht, dass er irgendwelche Male hat, die als Anzeichen von Hexerei angesehen wurden – sei es eine Warze, sei es eine verdächtige Wunde oder Narbe, oder was sonst immer das Kartenglück hergibt.

Ja, das Spiel besteht außer aus den Regeln in erster Linie aus einem Kartenspiel. Insgesamt findet man in der Schachtel:

  • Die Spielregel in Englisch, Finnisch und Schwedisch
  • 10 Holzmarker in rot und weiß, mit denen man en derzeitigen Zustand anzeigen kann
  • 138 Karten, aufgeteilt in
    • 42 Münzenkarten
    • 5 Charakterkarten, die nur zwei Zählbalken zeigen
    • 18 Inquisitorenkarten
    • 18 Folterkarten
    • 18 Geständniskarten
    • 27 Mal-Karten (nicht malen, sondern Hexenmale)
    • 10 Hilfe-Karten (je 5 in zwei Arten).

Für den, der zusätzliche Regelwerke braucht, gibt es auch die Möglichkeit, sie bei BoardGameGeek zu downloaden (Englische PDF).

Zu Spielbeginn werden Karten getrennt, die Inquisitoren, Male und Foltern werden gemischt. Jeder Spieler hat gleich zu Spielbeginn zwei Hexenmale, und Münzenkarten im Werte von 10 Münzen. Auf der Charakterkarte kann man mit den Holzmarkern seine körperliche und geistige Gesundheit abtragen – es ist beiden nicht sonderlich zuträglich, wenn sich ein Inquisitor um einen kümmert…

Die Inquisitoren kommen in zufälliger Reihenfolgem, mit jeweils einer zufällig gewählten Folter, und nehmen sich die Spieler reihum vor. Wer "an der Reihe“ ist, hat die Wahl: man kann den Inquisitor bestechen, damit er sich den nächsten vornimmt, oder sich der Folter unterwerfen. Bei einer Bestechung (Mindestbetrag zwei Goldmünzen) wird der Inquisitor immer gieriger – der zweite muss bereits drei Münzen zahlen, der dritte vier und so weiter. Irgendwann wiord es ganz einfach zu teuer. Ersatzweise kann man (gegen Zahlung von zwei weiteren Münzen) auch den Inquisitor ganz vertreiben – aber dann kommt auch nur der nächste.

Wer die Folter untergeht, muss Male, die er hat, und die auch auf der Inquisitorenkarte abgebildet sind, auslegen – der Inquisitor sucht nach bestimmten Anzeichen, dass jemand schuldig ist, wie Warzen, Narben und so weiter. Dafür erhält der Spieler dan aber so viele Münzen hinzu wie auf der Karte angegeben wird (den Verwandten sei Dank). Man kann auch (optional) gestehen, dann vermindern sich die negativen Auswirkungen der Folter um 2 Punkte. Es kann auch sein, dass dein Geständnis gemacht werden muss, weil man die Folter ansonsten nicht überleben würde.

Die Folter kostet je nach Foltermethode körperliche und geistige Gesundheit – und davon hat jeder Spieler nur sehr wenig. Außerdem ist es möglich, dass man durch die Folter neue Male erwirbt, die später von anderen Inquisitoren als Hinweis auf Häresie gedeutet werden (Verstümmelungen, Wunden und Narben sind wohl die klassischen Beispiele hierfür).

Anschließend wird die Folter auf jeden Fall abgelegt, der Inquisitor geht auch: wenn er kein Geständnis erhalten hat, wird er entlassen, wenn er einen Erfolg hat, kommt er in eine 'Beweis‘-Reihe, wobei die Male, nach denen er gesucht hat, stets zu sehen sein sollten.

Wenn der letzte Inquisitor abgehandelt wurde, kommt die Endabrechnung: jeder Spieler, dessen Charakter noch lebt und geistig nicht total zerrüttet ist, erhält 'Schuldpunkte‘: für Geständnisse, aber auch für Male, die einem Inquisitor durch Geständnisse als Beweise deutlich gemacht wurden. Wer die meisten Schuldpunkte hat, wird auf jeden Fall auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die anderen berechnen jetzt Siegpunkte: von geistiger und körperlicher Gesundheit werden die Schuldpunkte abgezogen, der Spieler mit dem besten Ergebnis hat gewonnen.

Es kommt beim Spiel also darauf an, dafür zu sorgen, dass die Inquisitoren, die sich für Male interessieren, die man selber hat, abgelegt werden, und die, die sich für die Male der Mitspieler interessieren, in die Beweisreihe kommen. Dennoch ist die option, einen Inquisitor kompleet wegzukaufen, mit Vorsicht zu genoießen, denn auch das Gold ist sehr knapp, genau wie die Gesundheitspunkte. Man sieht sich also ständig vor verschiedenste Zwickmühlen gestellt, die man erst nach wiederholtem Spiel einzuschätzen lernt.

Die 'auf den Scheiterhaufen‘-Zwischenrunde ist allerdings recht nett, denn da man durch ein Geständnis weniger Schaden nimmt, kommt es hin und wieder (wenn auch selten) vor, dass der Spieler mit den meisten Schuldpunkten dennoch das beste Ergebnis hätte. Man muss also auch bei Geständnissen aufpassen, dass man nicht über das Ziel hinausschießt.

Das Spiel erschließt sich einem erst beim wiederholten Spielen. Obwohl die Regeln in wenigen Sätzen zusammengefasst werden können, sind die Effekte, die einem aus den verschiedenen Entscheidungen erwachsen können, für den Anfänger nicht richtig erkennbar. Wenn man aber erst einmal die Mechanismen und Effekte verinnerlicht hat, gibt es ein schönes, schwarzhumoriges Spiel um eine der möglicherweise düstersten Episoden der Menschheitsgeschichte.

Die angegebenen 30-45 Minuten Spieldauer scheinen zu stimmen, wobei das Spiel auch bei Angängern kaum länger dauert – es ist eben nicht die Menge der Entscheidungen, die das Spiel so schwierig machen, sondern die Langzeitauswirkungen derselben.

Sehr schön übrigens: Auf der Webseite des Verlages ist eine gute Übersicht über die Inquisition, die Hexenprozesse und die ganze Thematik zu finden.

Hersteller Tuonela Productions
Autor Jani Rönkkönen

Spieler

2-5

Denken

8

Glück

4

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

19 € (eig. Webshop)

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