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Expedition Sumatra

Auf Großwildjagd im Dschungel – ein Erlebnis, das nicht nur wegen des damit verbundenen Preisschildes für die meisten wohl ein Wunschtraum bleiben dürfte, wenn es denn überhaupt ein Traum ist. Neben den Kosten gibt es ja auch noch jede Menge Regeln und Gesetze zu beachten, will man nicht in Gegenden im Gefängnis landen, wo das ein noch unangenehmeres Erlebnis ist als hierzulande.

Aber es geht ja auch anders: mit dem Brettspiel Expedition Sumatra kann man auf Großwildjagd gehen, ohne dass Gesetzeshüter, Moskitos und Treibsand einen bedrohen. Und es ist nicht einmal wahrscheinlich, dass man sich heillos im Urwald verirrt.


Das Spiel ist, wie auch der Verlagsname, eine internationale Zusammenarbeit. Igramoon ist eine Russisch/Englische Kombination (Spiel – Mond), die Autoren sind Deutsche, die Grafiker kommen aus Polen. Wem der Name Igramoon noch nichts sagt: der Verlag ist neu, voriges Jahr wurde mit Wolf Fang zusammen Kazaam Dice produziert, Expedition Sumatra ist das erste komplett selbstverlegte Produkt.

Dennoch wirkt das Spiel sehr professionell. Die Schachtel hat das heutzutage beliebte quadratische Format und beachtlich schwer. Das liegt am Inhalt, der sich wie folgt darstellt:

  • 1 Spielplan
  • 50 doppelseitige Wege-Plättchen
  • 38 Tiermarker
  • 18 Schiffsteile mit Laderäumen (je 6 Bug, Mitte, Heck)
  • 4 Schiffsplättchen
  • 8 LKWs (je Holzplättchen + Aufkleber)
  • 4 Aktionsmarker
  • Quickfinder-Spielregel in Deutsch und Englisch

Quickfinder bezeichnet eine Art Leporello-Faltung, bei der die herausstehenden Ränder mit Inhalts-Lesezeichen verseen sind, so dass man die gesuchte Stelle schnell finden kann. Ein ungewöhnliches Design, das aber praktisch ist.

Die LKWs müssen mit den Aufklebern versehen werden, das ist die einzige Schwierigkeit vor dem ersten Start. Die Wege-, Schiffs- und anderen Plättchen lassen sich leicht aus den Stanzbögen lösen, und zerlegen sich dabei auch nicht selbst. Die Tiermarker sind Holzwürfel und -quader, wobei die größeren Tiere (Elefanten und Nashörner) doppelt so groß sind wie die würfelförmigen Marker für die kleineren Tiere (Orang-Utan, Tiger, Muntjak). (Anm.: Die Spielemacher erklärten, dass es sich hierbei um den Sumatra-Muntjak handele, der nach Sichtungen in 1930 erst 2008 auf Foto’s von 2002 wieder gesehen wurde und auf der sogenannten roten Liste steht. Mehr zum Muntjak auf Wikipedia, über den Link oben.)

Die Plättchen – vor allem der Urwald – sind richtig schön, die Grafiker haben eine Menge Mühe hineingestect, und es hat sich gelohnt. Schon rein optisch macht das Material Lust aufs Spiel.

Auf dem Spielfeld wird ein Teil der Wegeplättchen ausgelegt, wobei die Felder rund um die ausgelegten Plättchen jeweils frei bleiben. Jeder Spieler erhält ein Schiffsplättchen, ein Schiff, bestehend aus Bug, Mittelteil und Heck, und zwei LKW – einen mit großer, einen mit geteilter Ladefläche.

Jedes Schiffsteil kennzeichnet Tiere, die es zu fangen gilt – Bug und Heck sind 'offizielle' Aufträge von Zoos u.ä., das Mittelteil bietet Platz für Tiere, die in den Schwarzmarkt gehen. Die Schiffsteile zeigen auch an, welche Tiere gefangen werden sollen. Zu Spielbeginn erhät man einen Satz zugelost, und kann maximal ein Teil austauschen.

Auf den (zu Spielbeginn verdeckten) Rückseiten der Wegeplättchen sind teilweise Tiere abgebildet, teilweise auch einfache Wegstücke. Außerdem gibt es Spezialplättchen mit Fallen, Eingeborenen, Ferngläserun und Sturm-Plättchen.

Wer am Zug ist, kann vier Aktionen aus einem Satz von fünfen ausführen, wobei die Reihenfolge beliebig ist: Plättchen klappen/drehen, LKW ziehen, Tier fangen, Tier stehlen, Schiff ziehen.

Durch das Klappen (nur möglich bei Plättchen, auf denen kein LKW steht) werden die Rückseiten der Plättchen sichtbar. Wenn es ein Tierplättchen ist, wird ein entsprechender Spielstein abgelegt, wir ein Tierplättchen wieder geklappt, verschwindet das Tier wieder. Auf eine Falle stellt der Spieler ein beliebiges Tier (außer dem Muntjak). Das Fernglas erlaubt einem, zwei verdeckte Plättchen anzusehen, die Sturmplättchen verschieben die Plättchen in der Auslage und lasen die Schiffe sich bewegen. Eingeborene sind eine Art Tierschutzwächter – jeder Spieler (auch der, der das Plättchen aufgedeckt hat) muss ein Spiel aus dem Mittelteil des Schiffes ablegen. Wenn ein Bug- oder Heckauftrag erfüllt ist, muss dieser Spieler (außer dem Spieler am Zug) ein weiteres Tier ablegen. Drehen darf man die Plättchen beliebig weit – da sie meist nur ein bis drei Ausgänge haben, kommt man ansonsten womöglich nicht an sein Ziel.

Sonderplättchen verschwinden sofort nach ihrem Effekt, Tierplättchen bleiben auf dem Spielfeld, bis das Tier gefangen wurde, und werden dann entfernt. Für jeder entfernte Plättchen wird sofort eines aus dem Nachziehstapel verdeckt auf das freigewordene Feld gelegt. Ausnahme: Eingeborene werden unter die nächsten fünf Plättchen gemischt, so dass sie schnell wieder auftauchen können.

Ein LKW-Zug geht, wie beim verrückten Labyrinth so weit wie man will, aber nur über Wege.

Ein 'freies Tier' kann eingeladen werden, wenn ein LKW seinen Zug dort beendet hat und entsprechend Platz auf der Ladefläche hat – wobei große Tiere nur auf die große Ladefläche passen, oder ersatzweise zwei gleiche Tiere.

Stehlen 'kostet' zwei Aktionen – hierbei wird ein Tier von einem gegnerischen LKW auf den eigenen umgeladen, wogegen der Gegner sich nicht wehren kann.

Ein Schiff darf am Rand der Insel ein Feld vor oder zurück gezogen werden.

Es kostet keine Aktion, ein Tier auf das Schiff umzuladen – allerdings muss man sofort entscheiden, in welchen Käfig das Tier gebracht wird, und darf es dann auch nicht mehr umlegen.

Am Ende des Zuges zieht außerdem das Schiff so viele Felder vor, wie Wege von dem Feld abgehen, wo der LKW mit der großen Ladefläche steht.

Das Spiel endet wenn alle Wegeplättchen verbraucht sind, ein Schiff einmal komplett u die Insel gezogen ist oder ein Spieler sämtliche Laderäume seines Schiffes gefüllt hat. Dann gibt es Punkt für die Tiere, sowie für komplett erfüllt Aufgaben. Muntjaks können hierbei (im Mittelteil) viele Punkte bringen, sie können allerdings auch in Aufträgen als Joker andere Tiere ersetzen, was im Endeffekt durch Boni für komplette Aufträge mehr Punkte bringen kann, Außerdem gibt es noch Boni für das schnellste Schiff (wer die Insel komplett umrundet hat).

Es ist natürlich Zufall, welche Tiere wo im Dschungel auftauchen. Ansonsten gilt es, die kürzesten Wege zu finden oder durch Klappen/Drehen der Wegstücke zu schaffen, und die Tiere richtig einzusammeln. Hierbei kann man sich leicht verspekulieren, weil man den Auftrag X denn doch nicht mehr rechtzeitig erfüllen kann – oder man ärgert sich eben, weil man den höherwertigen Auftrag hätte erfüllen können, aber die Tiere falsch im Schiff untergebracht hat. Auch muss man ständig die lieben Mitspieler im Auge behalten, denn das Stehlen bereits gefangener Tiere kostet zwar eine zusätzliche Aktion, aber man hat eben nicht erst das Plättchen umdrehen müssen, was die Extra-Aktion wieder ausgleicht. Übel ist es auch, wenn das Schiff einfach weitergefahren ist und nicht mehr direkt mit dem LKW erreichbar ist. Alles in allem ist also eine Menge Taktik, die man in dem Spiel anwenden muss.

Ein wenig ärgerlich kann der Eingeborene sein, der in der Standardversion manchmal gar nicht (weil irgendwo in der Mitte, wo er nie aufgedeckt wird, liegend), manchmal extrem häufig aufgedeckt wird. Hierzu gibt es auf der Webseite von Igramoon eine Variante, die den Eingeborenen auf maximal 3 Erscheinen pro Spiel begrenzt. Auf der Webseite gibt es außerdem noch andere Erweiterungen und Varianten, die das Spiel für Vielspieler interessanter, weil taktischer, machen.

Weniger gefallen hat mir das Thema – es ist effektiv Wilderei, was da betrieben wird, und die Tiere findet man alle auf den einschlägigen Listen wieder… Allerdings ist das Spiel wohl wirklichkeitsfern genug, dass niemand auf die Idee kommen wird, selber 'mal eben auf Tierjagd zu gehen.

Mit 30 – 45 Minuten Spielzeit ist das Spiel ein gutes Familienspiel, das auch und gerade den Gelegenheitsspieler anspricht.

Hersteller Igramoon
Autor Britta Stöckmann, Jens Jahnke
Spieler 2-4
Denken 7
Glück 6
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 29 €

Ein Kommentar

  1. „das Thema – es ist effektiv Wilderei, was da betrieben wird, und die Tiere findet man alle auf den einschlägigen Listen wieder…“

    Eine Anmerkung von Autorenseite: Nein, das erklärte Thema unseres Spiels ist nicht Wilderei, und dass die Tiere, die im Spiel vorkommen, auf den einschlägigen Listen zu finden sind, ist so beabsichtigt. Wir möchten im Gegenteil – neben dem Spielspaß – auch auf das Schicksal dieser bedrohten Arten aufmerksam machen und einen Teil der Fauna der Insel vorstellen, wobei es prinzipiell darum geht, das Überleben der Arten sicherzustellen – das alles natürlich auf spielerische Weise. Der Lebensraum dieser Tiere ist z.B. eben leider nicht mehr so ein unberührter Urwald, wie ihn unser idealisierter Spielplan andeutet. Wer sich dafür interessiert, welche Absicht wir mit der Themen- und Tierwahl verfolgt haben, findet hier eine etwas ausführlichere Erläuterung: http://www.igramoon.de/Igramoon_Spieleverlag/FragenzumSpielthema.html

    Ansonsten bedanken wir uns für die Rezension.
    MfG, Britta & Jens

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