Würfelsammler

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Take it or leave it

Schmidt Spiele – die gibt es noch? war vor einigen Jahren die erstaunte Reaktion vieler Spieler, die Im April 1997 die überraschende Meldung gehört hatten, dass der Traditionsverlag in Konkurs gegangen war. Vor allem Rollenspieler zeigten sich überrascht, da Das schwarze Auge inzwischen von FanPro übernommen worden war. Nur wenig Beachtung hatte gefunden, dass die Karl Blatz Spiele GmbH die Marke und viele Rechte gekauft hatte.

Dennoch gibt der Verlag immer noch Spiele heraus, obwohl das Sortiment zu Beginn ziemlich verschlankt wurde. Aber auch heutzutage haben Schmidt Spiele immer einen der größten Stände auf der Spiel, immer an der gleichen Stelle in Halle 11, wie auch die anderen großen Herausgeber von Familienspielen bevorzugt an festen Plätzen in den Hallen 10-12 stehen. Auch dieses Jahr hatte Schmidt wieder eine Reihe von Neuheiten.


Eine dieser Neuheiten war dieses Jahr Take it of leave it, ein Spiel mit Karten und Würfeln. Das es dennoch kein reines Glücksspiel ist, kommt durch den intelligenten Spielmechanismus, der der Berechnung und dem Bluff ebensoviel Raum läßt wie dem Karten- und Würfelglück.

In der Schachtel finden sich die folgenden Bestandteile:

  • 9 weiße Würfel
  • 9 schwarze Würfel
  • 2 rote (‚Joker‘-)Würfel
  • ein Würfelteller
  • 76 Auftragskarten
  • 34 Aktionskarten
  • 30 Minus-chips
  • eine Spielregel

Das Material reicht von gut bis hervorragend: die Karten haben 'Normalqualität‘, aber schon der Würfelteller ist aus schwerem Plastik, mit einem Filzboden. Die Würfel schimmern perlmuttartig, genauso die schweren aber kleinen Minus-Chips in Rot. Die Spielregel ist gleich in sechs Spachen ausgefertigt: Neben Deutsch kann man sie sich auch in Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch und Niederländisch zu Gemüte führen. Eien nette Dreingabe waren die Ziplocktüten, von denen drei in der Dose steckten: in einer steckten die Würfel, die beiden anderen sind wohl für die Karten gedacht, wenn man sich das Format ansieht.

Allerdings hat die Verpackungsmaschine ein kleines Zählproblem gehabt. Als wir das Spiel in der Testrunde gestern auspackten, stellten wir fest, dass einer der beiden roten Würfel nicht dabei war. Aber wozu ist man Spielefreak: der Gastgeber des Abends hatte einen genau passenden Würfel in einem anderen Spiel, den er leihweise zum Spiel hinzugab. Rein optisch sehen die Würfel genauso aus wie die Pearl-Dice von Chessex, als W6 mit Punkten. Wer der Hersteller ist, entzieht sich leider meiner Kennnis, aber sie waren eine nette angenehme Überraschung, als das Spiel ausgepackt wurde. Meist sieht man ja in Familienspielen billiger wirkende Würfel, schon von daher eine gute Wahl.*

Die Auftragskarten zeigen Aufträge an, die es im Spiel zu sammeln gilt, sowie Punktzahlen von 1 bis 5, die man erhält, wenn man den Auftrag erfüllt. Die Aktionskarten geben einem die Möglichkeit, während des Spiels Würfel auszutauschen, neu zu würfeln, Würfelzahlen zu verändern, zusätzliche Würfel wegzunehmen etc.

Jeder Spieler erhält 4 Auftrags- und eine Aktionskarte.

Gespielt wird, indem man (Spieleranzahl plus 4) weiße und genauso viele schwarze sowie die beiden roten Würfel (beim Spiel zu zweit nur einen roten) in den Würfelteller wirft, und dann reihum einen Würfel an sich nimmt. Hierbei dürfen, außer durch Aktionskarten, die einmal geworfenen Würfel nicht nochmal geworfen oder gedreht werden. Wer an der Reihe ist und meint, keinen Würfel sinvoll nehmen zu können, kann auch passen, darf dann aber auch später nicht mehr eingreifen. Wenn alle Würfel weggenommen sind odr alle Spieler gepasst haben, wird gewertet.

Hierbei darf natürlich jeder Würfel nur für eine Karte verwendet werden, und es werden nur vollständig erfüllte Aufträge gewertet. Jokerwürfel drfen hierbei sowohl als rote als auch als schwarze Würfel gezählt werden. Erfüllte Aufgaben werden verdeckt als Punktestapel vor dem Spieler abgelegt, für jeden nicht verwendeten Würfel gibt es einen Minuspunktechip, jeder Jokerwürfel, den ein Spieler besitzt, gibt einen zusätzlichen Minuspunkt (also einen, wenn er verwendet wird, insgesamt zwei, wenn nicht).

Anschließend darf jeder Spieler noch eine Auftragskarte abwerfen, und füllt dann seine Hand wieder auf vier Auftragskarten und eine Aktionskarte auf. Der Startspieler der nächsten Runde ist der Spieler links vom vorherigen Startspieler.

Das Spiel endet, nachdem jeder Spieler eine bestimmte Anzahl Male Startspieler war (dreimal bei 2 oder 3 Spielern, zweimal bei 4 Spielern, einmal bei 5). Wer dann die meisten Punkte (Auftragskarten minus Chips) hat, hat gewonnen.

Nett war, dass die Spielregel sich aller Humorallüren enthielt: keine künstlich witzigen Bemerkingen, keine 'witzige' Bestimmung des Startspielers etc. Nachdem ich letzteres in den letzten Rezensionen immer wieder einmal beklagen musste, war diese Spielregel, auch in iorer Deutlichkeit, eine angenehme Überraschung.

Das Spiel ist zwar glücksabhängig, aber viel wichtiger als Karten- und Würfelglück ist das richtige Planen. Welche Würfel man nimmt, ob man versucht noch einen Auftrag zu erfüllen (und dann mit Minuspunkte sitzen bleibt, weil jemand anders die notwendigen Würfel weggenommen hat), ob man eine Karte zwischen den Runden abwirft um sie zu ersetzen, all diese Entscheidungen sind genauso wichtig wie der Zufall, dass man mit den Würfeln überhaupt etwas anfangen kann.

Das Spiel hat richtig viel Spaß gemacht, und wird sicher noch öfter herausgeholt werden. Mit einer Spieldauer von knapp einer halben Stunde ist es auch familientauglich. Gerade für die bevorstehen Feiertage sollte man es als Option im Auge behalten.

Hersteller Schmidt Spiele
Autor Arno Steinwender, Christoph Puhl
Spieler 2-5
Denken 7
Glück 5
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 17,95 €

* Nachtrag: der fehlende Würfel wurde völlig unbürokratisch nachgeschickt. Ein Extra-Lob dem Kundendienst.

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