DSA – Großreinemachen

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Zur Zeit überschlagen sich wieder einmal die Meldungen zur Redaktion des Rollenspiels DSA.

Nachdem vor wenigen Tagen bekanntgegeben wurde, dass Uli Lindner und Patric Götz nicht mehr zur DSA-Redaktion gehören, wurde im Laufe des letzten Wochenendes auch der Auszug Thomas Römers aus der Kernredaktion bekanntgegeben. Außerdem wurde bekannt gegeben, dass Alex 'Disaster' Spohr neu zur Redaktion stößt, sowie dass die WunderWerk Online – ein Online-Newsletter zum Schwarzen Auge – eingestellt werde zugunsten der Veröffentlichungen von Einzelartikeln.

Ein ein wenig merkwürdiges Gefühl beschleicht einen schon, wenn man all das hört. Gerade Uli, Patric und (vor allem) Thomas gehören ja für den (halbwegs) Eingeweihten zum festen Inventar von DSA, so dass man sich unwillkürlich fragt, ob das denn gut gehen kann. Da kann auch die Berufung von Alex die Bedenken nur teilweise zerstreuen.

Für DSA scheint seit einiger Zeit der alte chinesische Fluch von den 'interessanten Zeiten' eingetreten zu sein, und man darf wohl gespannt sein, wie das weitergehen wird. Ich persönlich finde den Verlust der drei sehr schade (der Gewinn von Alex hingegen ist sicherlich ein Pluspunkt), und werde gespannt die weitere Entwicklung verfolgen. 'mal sehen, vielleicht ergibt sich ja irgendwann einmal eine Gelegenheit, mit dem einen oder anderen der Gegangenen und gegangen Gewordenen am Rande einer Con oder Börse ein kleines Interview zu führen, und davon an dieser Stelle zu berichten. Mich würde es jedenfalls freuen.

Persönlich wundert mich die Entscheidung doch ein wenig, denn die drei, die jetzt gehen, gehören zu den wenigen DSA-Machern, die auch dem weniger internet-affinen Spieler des Systems ein Begriff sind. Gerade Thomas Römer hat in der Rezeption der heutigen Spieler (wenn ich die Eindrücke auswerte, die ich auf verschiedenen Cons und bei gelegentlichen Besuchen in Deutschen Rollenspielläden erhalte) den Urvater des Schwarzen Auges, Ulrich Kiesow, längst überholt. Und die Liste der in den letzten 12 Monaten ausgeschiedenen liest sich beinahe wie ein Who’s Who der Deutschen Rollenspielszene. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass man jetzt versuchen will, durch 'unbekanntere' Autoren den Eindruck zu erwecken, man sei der Indie-Szene zuzurechnen. Das ist dann doch eine etwas andere Welt…

Ich werde jedenfalls gespannt beobachten, wie es dem zweitältesten deutchen großen Rollenspielsystem in Zukunft ergehen wird.

4 comments

  1. Henry Armitage sagt:

    Hm, für mich ist das ein weiteres Zeichen, daß DSA langsam aber sicher vor die Khoramsbestien geht.

    Mit Ausnahme des meiner Meinung anch durchaus gelungenen DSA-4-Regelwerkes, das ja mittlerweile auch schon so seine 10 Jährchen auf dem Buckel hat, gab es von zwei guten Computerspielen und dem ein oder anderen gelungenen Abenteuer oder der ein oder anderen gelungenen Mini-Kampagne meiner Ansicht nach nicht weltbewegen Gutes mehr aus Aventurien.

    Das Jahr des Feuers ist grausam. Ich habe den Eindruck, daß die Redaktion sich seit G7 ständig selbst zu übertreffen versucht. Jedoch leider weniger was Atmosphäre und wahren Tiefgang angeht – vordergründige Intrigen, billige Dramatik, Effekthascherei usw. halten immer mehr Einzug. Jede weitere Groß-Kampagne übertrifft an Epizismus die Vorhergehende.
    Das führt nur zu Abstumpfung.

    Vielleicht sollte man eine Weile lang dazu übergehen, sich darauf zu konzentrieren die alten Klassiker aus der goldenen Ära ins aktuelle System zu konvertieren und etwas aufzupolieren, anstatt neue Abenteuer zu machen? Sich wieder auf das konzentrieren, was DSA einst ausgemacht hat.
    Was das genau ist, muß wohl jeder für sich selbst entscheiden.
    Aber ich bin mir sicher, die
    meisten wissen, was ich meine.
    DSA war früher einfach interessanter!

  2. Purgatory sagt:

    Tja… Ob da langsam der Megalomanie-Virus um sich greift? Ist der mittlerweile bei DSA angekommen? Hat vielleicht die Kröte, die Ulysses geschluckt hat, das T-Chromosom mitgebracht, das sich dann durchs Immunsystem durchgemogelt hat und sich nun wie ein dickes Krebsgeschwür im Verlag breitmacht? Ursachenforschung ist was feines…

    Allerdings hat das "Ruinieren“ eines System Methode, das haben ja sogar schon Ami-Vollprofis geschafft, sei es White Wolf die die WoD zersägt haben, sei es die Rohrkepiererversion von D&D (wer hat die eigentlich mittlerweile) – Verlage scheinen manchmal einfach nicht zu kapieren, daß man an einem "laufenden System“ nicht übermäßig rumschrauben sollte.

    Was Henry schreibt stimmt – wobei auch früher vieles an DSA-Publikationen nicht das gelbe vom Ei war, so ging spätestens mit dem Unsinn von wegen Borbos Rückkehr alles den Bach runter. Die neue Edition an sich ist prima, was die Regeln angeht, aber die Hintergrundvergewaltigung und der völlig überzogene Metaplot vergrault die alteingesessenen Spieler, und Neue bekommt man so auch nicht gerade.

    Der Hauptgrund scheint die unangemessene Gier zu sein, vermutlich ein Symptom des o.g. Krebsgeschwürs. Folgender guter Rat: Spieler haben immer noch tendentiell eher wenig Geld für ein eher teures Hobby. Also werden sie etwas, was besonders toll glänzt und aus extra vielen Büchern besteht eher stehen lassen und lieber Systeme kaufen, wo sie mit ein oder zwei Büchern spielen können und nicht einen halben Aktenschrank brauchen. Ich glaube, hier geht manchen echt der Sinn für die Realität verloren.

  3. Cyric sagt:

    Ich verfolge die Diskussion ja nur als Randperson, sehe aber in allen Blogs die gleichen Posts (vom Inhalt her): "Wie schlimm, dass all die schlauen Köpfe gehen müssen“, parallel zu "Seit Jahren kommt für DSA nur Stuss raus – wie schlimm wirds jetzt wohl erst“.

    Meiner Meinung nach versucht Ulisses grade das Steuer rumzureissen – vermutlich ist man sich des Unmuts der Fans über die DSA Entwicklungen der letzten Jahre sehr bewusst und trennt sich nun von Leuten, denen Meta-Plots und Kanon wichtiger ist, als Spielspass und offene Weltgestaltung. Nach allem, was ich bisher von Ulisses mitbekommen habe, hätte ich als DSA Spieler keine Angst, sondern würde vielmehr interessierte Vorfreude verspüren.

  4. Athair sagt:

    Euer Lob auf die Regeln war HOFFENTLICH Ironie.

    DSA am Scheideweg? Vielleicht.
    Mit Chris Gosse bleibt glücklicherweise einer in der Redaktion, der gezeigt hat, dass DSA-Abenteuer nicht länger auf Eisenbahnschienen ablaufen müssen.

    Das als Startpunkt nehmend, halte ich noch manch andere Veränderung zum Besseren für möglich.
    Ich weiß nur nicht, ob die DSA-Fans
    – ein in sich stimmiges Regelsystem,
    – einen nur noch optionalen Metaplot,
    – ergebnissoffene Abenteuer und
    – ein Aventurien mit genügend Platz für viele eigene Ideen,
    überhaupt gutheißen würden.

    Wenn’s nach mir ginge:
    Genadenloser Retcon & Rückkehr zum Zauber von DSA 1.
    Alles, was dem und dem oben Geschriebenen nicht zuwiederläuft kann bleiben.
    Der Weg allen Irdischen für das andere.

    >> Allerdings hat das "Ruinieren“ eines System Methode, das haben ja sogar schon Ami-Vollprofis geschafft, sei es White Wolf die die WoD zersägt haben […] < <
    Die Wölfe haben einfach nur sehr schlechtes Marketing betrieben und mit der nWoD letztlich Perlen vor die Säue geworfen.
    Die wurden – wie zu erwarten war – zertrampelt.

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