Wundertüte mit Solarantrieb

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Caterpillar – Age of Tank

„Gestolpert“ waren wir über diese eierlegende Wollmilchsau ja schon 2009 im Korea-Pavillon der SPIEL, nur gab es da leider kein Exemplar… auf der 2010er Spiel hatten wir dann extra noch einmal nachgefragt, und mit mehr Glück und Zufällen, als wir eigentlich gedacht hatten, war es dann da – Caterpillar – Age of Tank, ein Spiel, das – zumindest im übertragenen Sinne – in keine Schublade paßt.

In einen recht handlichen Pappkarton paßt es allerdings sehr wohl, und auch recht gut – obwohl es eine ganze Menge Inhalt hat, aber die Marker sind alle recht klein und auch schlicht gehalten, aber aus Holz, und die Farben sind auch gut zu unterscheiden. Dazu kommen noch Würfel, die gewissermaßen die "Akkus“ darstellen, Auftrags-, Wetter- und Panzerkarten (scheinen laminiert zu sein, sind auf jeden Fall qualitativ sehr gut), und ein – recht schlicht gehaltener – Spielplan.


Worum also geht es? Nun, der Hintergrund ist dezent postapokalyptisch – 2030 oder so regnet es Asteroiden, vieles wird zerstört, und die wenigen Überlebenden haben vor allem ein Energieproblem, weil die fossilen Brennstoffe nicht mehr da sind. Von daher ist die Sonne nun Energielieferant Nummer eins, und treibt auch die Vehikel der Spieler an. Jeder Spieler hat also ein Kettenfahrzeug, das von allem etwas kann und auch dazu benutzt werden sollte – vornehmlich kann es fahren, hat einen Laderaum, um Fracht zu transportieren, ein Geschütz, um sich der Feinde zu erwehren (oder auch den "netten“ Beruf des Freibeuters wieder aufleben zu lassen), Bulldozer/Kran/sonstwaseqipment, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen ein Solarladegerät für die Akkus, um das ganze anzutreiben – kurzum, wäre ein Schweizer Messer ein Fahrzeug, vielleicht wäre es so etwas.

Was macht man nun mit diesen technischen Wunderwerken? Man erfüllt vornehmlich Transportaufträge, weil verschiedene Güter von A nach B oder auch C wollen (bei 4 Spielern gibt’s auch noch D); Hindernisse gibt’s in Form von widrigem Gelände, unter Umständen noch besondere (von den Spielern platzierte) Hindernisse – wer sie entfernt bekommt Siegpunkte dafür – und natürlich die Gegenspieler, die ja alle ihre eigenen Ziele haben, und da die Rohstoffe, die geliefert werden sollen, eher knapp sind, versucht man unter Umständen, diese einem Konkurrenten abzujagen.

Klingt kompliziert? Ist es eigentlich nicht, die Grundregeln sind sogar relativ einfach, aber es ergeben sich immer neue Situationen – ein "Tank“ hat insgesamt 10 Funktionen, von denen immer 5 gerade "Aufgedeckt“ sind (sprich: Vorder- und Rückseite von 5 Karten), von denen in jedem Zug zwei ausgeführt werden dürfen, nur nie zweimal dieselbe (Karte) hintereinander (auch in der nächsten Runde darf nicht direkt dieselbe Karte benutzt werden wie zuletzt). Um die "Rückseite“ zu verwenden, muß ggf eine kleine Gebühr gezahlt werden (manche Karten kann man auch kostenlos drehen). Und, damit es etwas mehr Variation gibt, können die einzelnen Funktionen auch noch entwickelt werden – so kann man zB den Laderaum vergrößern, die Aufladerate effizienter machen oder den Tank schlicht und einfach schneller machen. Daß auch diese eine "Aktion“ ist (namentlich die eine Seite von Karte A) sollte klar sein. Und schön wäre es dann natürlich noch, wenn das Wetter mitspielt…

Ja, das Wetter. Die meisten Aktionen (Fahren, Bulldozen…) verbrauchen eben Energie, die durch Würfel dargestellt wird – diese werden nicht geworfen, sondern nur auf die jeweilige "Ladung“ gedreht, je nach Verbrauch, oder auch je nach "Recharge“ – klar bekommen die Akkus bei strahlender Sonne mehr "Saft“ als bei Wolken, und wenn es regnet oder schneit, ist es erst recht Essig mit "Tanken“ – welches Wetter kommt kann man allerdings vorausberechnen, da hierfür Wetterkarten gezogen werden. Jede dieser Karten zeigt 6 Züge an, drei Karten werden gespielt – heißt, nach 18 Zügen ist die Partie so oder so vorbei. Allerdings werden dann normalerweise sowieso schon die Rohstoffe äußerst knapp bzw sind gar nicht mehr vorhanden.

Am Ende werden Siegpunkte gezählt – die bekommt man für alles mögliche, von gelieferter Fracht über entfernte Hindernisse bis zu erfolgreiche Angriffen oder durchgeführten Entwicklungen. Insofern führt am ehesten eine gesunde Mischung aus all dem zum "Erfolg“ – wer sich nur auf einen Bereich konzentrieren will, wird bei Caterpillar eher mit Sand im Getriebe enden. Es ist wohl irgendwo ein Spiel für Opportunisten – wem es gelingt, aus einer gegeben Situation das jeweils beste für sich herauszuholen, und das richtige zur richtigen zeit tut, gelangt auf die Siegerstraße.

Insgesamt ist Caterpillar – Age of Tank ein Spiel für… nun, Leute die mal etwas anderes wollen. Es kommt zwar eher unscheinbar daher, aber macht umso mehr Spaß, eben weil es viele verschiedene Spielelemente unter einen Hut bringt. Der Glücksfaktor ist angenehm niedrig (gewürfelt wird nur, wenn man auf einen anderen Tank schießt, ob man richtig trifft, und es ist vielleicht etwas Glück dabei, welche Frachtaufträge man bekommt – aber der Rest ist zumindest "kalkulierbar“ (vor allem wenn man die anderen Spieler einzuschätzen weiß).

Für mich ist Caterpillar – Age of Tank ein echtes "Juwelchen“ – gut geeignet, um Spieleveteranen mal zu überraschen. Die Spielzeit von ca 60min halte ich aber vor allem für "Erstspieler“ für etwas gering eingeschätzt. Wenn man aber einmal "drin“ ist im Spiel gehen die Züge dann auch zügiger vonstatten. Spaß macht es auf jeden Fall, und ich habe es gerne in meiner Spielesammlung.

Das größt Problem fdürfte allerdings darin liegen, es zu erhalten – die Webseite des Verlages scheint ausschließlich auf Koreanisch erhältlich zu sein, und Angebote haben wir auch nicht finden können – wir gehen aber davon aus, dass man mit etwas Glück auf der SPIEL wieder zuschlagen kann.

Hersteller Visionarygames
Autor Dong-hoon Lee
Spieler 2-4
Denken 9
Glück 1
Geschicklichkeit 0
Preis unbek.

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