Bergmusik

Erdenstern: At the Mountains of Madness (Soundtrack)

Eigentlich wollte ich diese Rezension schon vor einiger Zeit online stellen, aber… Ein Bekannter meinte 'ich schreibe Dir die Rezension, da brauchst Du Dich nicht drum zu kümmern'. Das ist mittlerweile fast neun Monate her – Zeit genug für manche, um unsere Weltbevölkerung zu vergrößern, aber anscheinend nicht, um die Bevölkerung meines Blogs zu vergrößern. Deshalb schreibe ich jetzt dann doch selbst…

Erdenstern hat ja nicht nur die 'Thema‘-CDs mit Farbmotiven (Into the Red / Green / Dark / Grey / Blue / Gold / White) gemacht, sondern auch mehrere Soundtrack-CDs zu Rollenspielsystemen: eine zu Elyrion, eine zu DSA, und eben eine zum Rollenspielabenteuer Hinter den Bergen des Wahnsinns, die überarbeitete Neuauflage von Pegasus. Die CD soll also für die entsprechende musikalische Untermalung zu einzelnen Szenen der Abenteuerkampagne liefern.


Das kann natürlich nicht ein kompletter Soundtrack zum durchgängigen Bedudeln der Spielrunde sein. Das ergibt sich bereits aus der Spieldauer der CD – man kann eine komplette Kampagne in drei Bänden nicht in knapp 80 Minuten abspulen. Aber als Stimmungsmacher oder auch als Ideenlieferant, nach welcher Art Musik man eventuell suchen will, ist so eine CD sicher nützlich. Auch gibt es einige Spielleiter, die eine Szene zwar mit einem Musikstück als Untermalung beginnen, aber dieses dann nicht weiter fortsetzen, sonder nur als Einstimmung verwenden. Auch für diese Zwecke ist eine derartige Konzept-CD natürlich sehr nützlich. Und man sollte nicht vergessen, dass viele der Stücke geloopt werden können, auch wenn hierdurch deutliche Spannungsbögen schneller 'wiedererkannt' werden und dadurch nicht ganz so geeignet sind wie die Tracks auf den 'Into the…‘-CDs.

Das Cover zeigt dasselbe Motiv wie der 2. Band der Kampagne, aber weder das Pegasus- noch das deutsche Cthulhu-Logo – was an sich nicht überraschen sollte, da es auch für den französischen Markt erstellt wurde, wie man bereits am zweisprachigen Booklet (Deutsch / Französisch) erkennen kann. Ich verwende im folgenden für die (größtenteils instrumentalen) Stücke die deutschen Titel, weil sie verständlicher sind.

Insgesamt finden sich auf der CD 24 Stücke, die die gesamte Kampagne überkuppeln. Das beginnt mit einer Einleitung und einer Ouvertüre – die Einleitung mit dem Titel 1933 klingt wie eine Tonaufnahme aus der Zeit, man fühlt sich nicht nur was die Tonqualität, sondern auch die Melodieführung und Besetzung angeht, unwillkürlich erinnert an Filme wie Frankenstein mit Boris Karloff oder an Fritz Langs Metropolis. Die Ouvertüre dann erinnert an modernere 'klassische' Horrorfilme wie The Fog, passt aber, was die Andeutung eines dräuenden Unheils angeht, gut zur Kampagne.

Die nächsten Stücke überraschen vielleicht den unbedarften Hörer, der sich nicht allzu viel Gedanken gemacht hat, denn Das Abenteuer beginnt und auch Antarctic Moon klingen wie Swingmusic der 20er/30er Jahre. Keine Andeutung eines Horrofilms – aber man braucht ja auch Musik für die einführenden Szenen, die eben in diese Gegenden gehören. Gerade der Antarktische Mond erinnerte mich eher an Lounge-Musik als an alles andere.

Danach wird es dann wieder melancholisch bis düster und bedrohlich, mit den passenden Abstufungen für die verschiedenen Szenen. Intreressant war die Reaktion einiger Leute auf das 8. Stück Sabotage – einige Leute fanden es stark von Mission Imposssible inspiriert, von anderen kam die Reaktion 'Das erinnert mich an den Soundtrack zur Serie Bob Morane'.

Ein wenig verwirrend ist das 10. Stück Äquatortaufe – ich weiss nicht, ob es damals tatsächlich so war, aber die Musik und Melodieführung erinnert mich trotz des Schifferklaviers eher an eine Mischung aus Stammestänzen und dem Soundtrack zum Computerspiel 'Der erste Kaiser'.

In den antarktischen Stücken wird es dann teilweise eher melodielos, aber immer passend. Einige Stücke hätten genauso auch auf der CD Into the White stehen können. Andere Stücke, wie Das verlassene Basislager sind wie gesagt ziemlich melodiebefreit, wirken aber dennoch ganz gut.

Auch die weiteren Stücke fand ich sehr passend und stimmungsfördernd – als besonderen Höhepunkt möchte ich hier noch Die fremdartige Stadt herausheben, die das unwirkliche und geheimnisvolle der Stätte im ewigen Eis hervorragend widerspiegelt.

Alles in allem ist auch diese CD eine Bereicherung für jede Rollenspiel-Musiksammlung, auch wenn man keine arktischen oder Horror-Abenteuer plant. Mit knapp 16 Euro ist der Preis auch mehr als akzeptabel, wenn man bedenkt, wie viel sich aus so einer CD holen lässt.

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