Gekreuzte Klingen

Ordalie

2010 hatte Pavillon Noir neben O’penzedoR auch noch Ordalie herausgebracht (dieses Jahr glänzte der Verlag durch Abwesenheit auf der SPIEL). Das Schachtelformat ist so ziemlich das einzige, was die beiden Spiele miteinander gemeinsam haben, denn wo O’penzedoR einen Haufen Zauberschüler vor Probleme stellt, sind es bei Ordalie zwei ganz und gar mundäne Ritter, die es miteinander zu tun bekommen.

Ordalie simuliert einen ganz klassischen Waffengang – bis zu drei Runden mit jeweils bis zu 10 Schlagabtauschen, dann gibt es entweder einen Punktesieger, oder einer der Kontrahenten geht vorher KO. Dazu gibt es jeweils 12 Angriffskarten, sowie insgesamt je 5 Trefferzonenkarten, und Tableaus, auf denen markiert werden kann, wie stark welche Trefferzone schon in Mitleidenschaft gezogen wurde.


Von den 12 möglichen Karten werden am Anfang jeder Runde jeweils 2 zufällig entfernt, die restlichen 10 sind mögliche Attacken im Kampf. Diese werden einfach gegeneinander gespielt – gleichzeitig aufgedeckt, und die höhere Zahl schafft den Angriff, allerdings haben die niedrigeren Zahlen höhere Schadenswerte, und die allerniedrigsten (also 1 und 2) sind Finten, die die Überkopfschläge (11 und 12) übertrumpfen können.

Wieviel Schaden dann nun letztendlich verursacht wird hängt von der Wahl der Trefferzone ab – man wählt verdeckt jeweils 2 Karten (einmal links oder rechts, einmal Beine/Körper/Kopf), und vergleicht mit dem Gegner. Bei Übereinstimmung kommt kein Schaden durch (wegen passender Verteidigung), bei einer Übereinstimmung der halbe Schaden, nur wenn der Gegner völlig falsch verteidigt, macht man vollen Schaden. Dieser wird dann auf dem jeweiligen Tableau mit einem Marker angezeigt – erreicht ein solcher Marker in einer Trefferzone das Ende, ist der Waffengang vorzeitig durch KO beendet. Das kann unter Umständen ganz schön schnell gehen (es sind durchaus KOs in der ersten Runde möglich), kann sich aber auch ziehen wie ein Kaugummi, wenn die Spieler sich gegenseitig gut berechnen können und oft passend verteidigen.

Insgesamt ist Ordalie weniger ein Spiel als eigentlich eine recht brauchbare Duellsimulation – eben zwei ebenbürtige Ritter mit Schwert, die sich – würfelfrei – taktisch duellieren können. Irgendwie kommen einem die Fantasy Combat Books von Alfred Leonardi (z.B. Lost Worlds, derzeit bei Flying Buffalo) in den Sinn, allerdings sind die Manöver hier sowohl weniger als auch komplexer gestaffelt (von wegen was gegen was gewinnt).

Insgesamt kann man sagen, daß Ordalie sicher "funktioniert“, nur will man es als Spiel, als Simulation oder als was sonst betrachten? Das Material ist okay, aber der Preis ist meiner Meinung nach zu hoch – insofern, muß jeder für sich selbst entscheiden, was er sich davon mitnimmt.

Hersteller Pavillon Noir
Autoren Cedric Joint
Spieler 2
Denken 7
Glück 1
Geschicklichkeit 0
Preis € 22

Update 2.8.2013: Pavillon Noir scheint nicht mehr zu existieren, die Webseite funktioniert nicht mehr und Boardgamegeek hat auch keine informationen über den herausgeber)

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