Kneteverteidiger

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Defenders of Clay Art / Die Retter der Knetkunst

Japan ist in der Spielwelt bekannt dafür, dass die Spiele, die dort entstehen, ein wenig anders sind. Nicht nur Cat & Chocolate (von dem wir zu gerne ein Rezensionsexemplar ins Haus bekommen würden) fällt deutlich aus dem 'westlichen' Rahmen. Ein anderes Beispiel dafür, wie man dort spielt, bietet Defenders of Clay Art.

Der Herausgeber, B2FGames, sitzt in der Präfektur Tokio, in der Stadt Tachikawa, in der Nachbarschaft Shibazaki (benannt nach einem Adiral der Japanischen Flotte). Für internationale Zwecke hat sich auch dieser Verlag der Gemeinschaft Japon Brand angeschlossen, und deshalb ist er auch auf der SPIEL in Essen zu finden.


In der Spieleschachtel findet man die folgenden Bestandteile:

  • 5 Spielfiguren für bis zu 5 Spieler (einfache Halmapöppel ni verschiedenen Farben)
  • einen Rundenmarker (weißer Halmapöppel)
  • ein Punktbrett (von -5 bis 15 Punkte)
  • 5 Knetbretter (farbige einlaminierte Plastikblätter)
  • eine Sanduhr (offiziell 60 Sekunden)
  • 5 Anschuldigungskarten in den Spielerfarben
  • 20 Kritikerkarten (jeweils Gold, Silber, Bronze, Mist in den Spielerfarben)
  • 5 Referenzkarten
  • Knete (schwarz, jeweils ein Set von drei kleinen Stangen pro Spieler, die allerdings nach der ersten Spielrunde nicht mehr als solche zu erkennen sein werden.)
  • die Spielregel in Englisch (4 DIN-A4-Seiten) und Deutsch (3 Seiten)

Nette Dreingabe: Für das Kleinmaterial sind Ziplock-Tüten dabei (nachdem man die Halmakegel aus der Einwegtüte geholt hat, will man sie ja nicht in der Knete verlieren) sowie Pappschachteln, um die Karten von der Knete getrennt zu halten. Schlau, einfach und effektiv.

Das wichtigste an der Spielregel dürfte allerdings der 'Untertitel' sein: statt 'A silly game of working clay, criticizing art and amazing prestige‘, wie auf der Schachtel, findet man hier den (für mich) beruhigenden Zusatz 'Kein Talent nötig!' bzw. 'NO TALENT NECESSARY!'.

Alle Spieler beginnen mit null Punkten (Überraschung!), und das Ziel ist es, 15 Punkte zu erreichen – oder zumindest in sechs Runden so viele Punkte wie möglich.

Ein Spieler (die Ehre sollte reihum wechseln) betimmt als Thema der Runde ein Wort (ein Adjektiv), dem die Spieler dann versuchen Form zu geben. Eine Liste mit Adjektiven steht am Ende der Spielregel, aber es kann auch ganz witzig sein seine eigenen Adjektive zu verwenden. OK, bei schwarzer Knete könnte 'gelb' ein schwieriges Thema sein, aber auch so etwas wäre in Prinzip möglich (Zitrone, Postauto…)

Anschließend haben alle Spieler 60 Sekunden Zeit, eine Knetskulptur zu machen, die das Thema verwirklicht. Hektik ist vorprogrammiert.

Nun dürfen alle Spieler ihre Machwerke und die der anderen kritisieren, die sich natürlich auch verteidigen dürfen. Alle Diskussionen müssen hierbei öffentlich gemacht werden, geheime Absprachen sind tabu. Es gibt kein Zeitlimit, allerdings wird in der Spielregel bereits darauf hingewiesen, dass diese Diskussion nicht ernst oder gar persönlich genommen werden sollte. Diese Diskussion dient den Spielern dann anschließend für die Beurteilung der Werke.

Hierfür legt jeder Spieler zu jedem der Werke (bei vier Spielern: auch zu seinem eigenen, bei fünf: nicht zum eigenen) eine der Urteilskarten Gold, Silber, Bronze oder Trash. Diese Zuweisung erfolgt geheim.

Bevor die Urteile jetzt aufgedeckt werden, darf jeder Spieler noch eine 'Anschuldigung' aussprechen: er verdächtigt die Mitspieler, sich 'offensichtlich in der Beurteilung einer Skulptur abgesprochen zu haben' – sprich: er vermutet, dass diese Skulptur drei oder mehr gleiche Platzierungen erhalten hat.

Danach werden die Platzierungen umgedreht. Wie viele Punkte man erhält, höngt zunächst einmal davon ab, ob eine Skulptur unter Verdacht geraten ist. Bei diesen Skulpturen gibt es keine Punkte für das Urteil, sondern nur Üunkte für die Anschuldigung: war sie zu Recht, erhält der beschuldigende Spieler einen Punkt von jedem 'Verschwörer‘, wenn nicht, erhalten alle anderen Spieler einen Punkt vom Kläger. Daher auch die Minuspunkte auf dem Zählbrett, allerdings kann man nicht unter -5 fallen. Allerdsings bleiben die Wertungskarten noch liegen.

Kunstwerke, die nicht beschuldigt wurden, können den Kritikern Punkte geben, aber nur, wenn nicht alle 4 Spieler dieselbe Bewertungskarte gelegt haben (bei 5 Spielern legt man ja keine zum eigenen Kunstwerk). Bei Meinungsverschiedenheiten verdienen die Spieler, die die Mehrheit haben, Punkte (2 bzw. 3 Punkte, wenn 2 bzw. 3 Spieler derselben Meinung waren und die Mehrheit haben), die Mindermeinungen verlieren Punkte abhängig von der gespielten Wertungskarte. Bei einem 2:2-Unentschieden gibt es keine Punkte.

Zuguterletzt gibt es noch Bonuspunkte für das Kunstwerk mit den meisten Gold-Stimmen (+2) und Maluspunkte für die meisten Trash-Karten (-1), wobei hier bei Gleichstand zwischen zwei Kunstwerken beide die punkte erhalten. Und ja, es ist möglich, dass ein Kunstwerk sowohl den Gold- als auch den Trash-Preis einheimst.

Wer in der Runde die beste Skulptur geschaffen hat, wird neuer Startspieler, und die nächste Runde beginnt.

Das Spiel ist nett, hat aber ein paar kleine Probleme.

Zum einen dauert es einige Zeit, bis man das Punktesystem verstanden hat. Dann erkennt man allerdings schnell, dass es gar nicht so sehr darum geht, wer die besseren Skulpturen ach, sondern darum, wer die MItspieler am besten einschätzt, und mit Anschuldigungen oder durch die eigenen Mehrheitsmeinungen sich selber Punkte verschafft und den Mitspielern vereitelt.

Weniger schön ist, dass eine Minute zur Erstellung des Kunstwerks für 'westliche Hände' eine arg kurze Zeit ist. Ich habe in Essen gesehen, wie schnell und schön die Japaner die Knete bearbeiteten, und muss sagen: für diese Spieler war eine Minute fast schon zu lange (auch wenn es schwer zu glauben ist). Man sollte sich also ggfs. darauf einigen, die Sanduhr einmal umzudrehen (das macht dann der Startspieler, der letzte Runde ja schon Bonuspunkte erhalten haben sollte, was durch den Zeitverlust vielleicht ein wenig kompensiert wird).

Schließlich lebt und stirbt das Spiel von den Mitspielern, genauer: der Diskussionsrunde. Wenn die Mitspieler lebhaft diskutieren und entsprechende Kommentare zu den Stücken abliefern („Ich wusste gar nicht, dass Du Grottenolme kuschelig findest“ – "Idiot, das ist doch deutlich eine Perserkatze“ – "Seit wann haben die krumme Beine?“ und so weiter), kann das Spiel richtig Spaß machen. Wenn die Mitspieler in der Diskussionsrunde aber nur herumdrucksen und keine Diskussion in Gang kommt, wird es richtig zäh. Dann hat man das Gefühl, dass das Spiel nicht 30-45 Minuten sondern Stunden dauert – auch wenn der Stundenzeiger der Uhr hinterher dennoch keine 30 Grad weitergewandert ist.

Ist das Spiel eine Kaufempfehlung? Da kann ich nur ein eindeutiges 'Je nachdem' sagen. Wer erwartet, ein Krativspiel wie beim Nilpferd in der Achterbahn, bei Cranium oder bei Barbarossa zu erhalten, wird eher enttäuscht sein. Wer aber eine Spielrunde hat, die die Diskussionsrunden mit Leben füllen kann, wird das Spiel lieben.

Hersteller B2FGames
Autor Taiju Sawada
Spieler 3-5 (am besten mit 5)
Denken 7
Glück 3
Geschicklichkeit 6
Preis ca. € 38 (umgerechnet vom japanischen Preis, ohne Versand, evtl. erhältlich in Essen – 2008 wurde es für 30 € verkauft)

Übrigens: in der Schachtel fanden wir auch eine kleine Zugabe: das Spiel Go Stop, ein nettes Zwischendurchspiel, das ich irgendwann auch noch rezensieren werde…

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