Nicht nur Märchenprinzen

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The Club / DJ Set

Es ist Samstagabend und die Dinge stehen schlecht
ich bin auf der Suche nach dem weiblichen Geschlecht

(EAV, Märchenprinz)

Wo geht man heutzutage hin, wenn man jung ist und das Wochenende da? Heissen die Dinger immer noch Diskothek? Die angesagteste Gelegenheit in Nimwegen, die Matrixx, nennt sich einfach ein 'Club' – genau wie das Spiel von Tuonela. Zusätzlich erschien letztes Jahr ein 'Erweiterungsset' mit dem Namen DJ Set.

Tuonela ist ein finnischer Spieleverlag, der auf der SPIEL für viele ein Pflichtstop ist – und mit Recht. Auch The Club beweist wieder einmal, dass der immer noch in den USA hin und wieder gebrauchte Begriff 'German Game' inzwischen sinnvollerweise durch den Begriff 'Eurogame' zu ersetzen ist.


Die Spieleschachtel enthält die folgenden Teile:

  • ein Spielbrett
  • vier Scorekarten in Flaschenform
  • Spielregeln in Englisch, Deutsch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch und Dänisch
  • 120 Spielplättchen (108 Tänzer, 6 Wachen, 4 Rockstars, 2 Unruhestifter)
  • 4 Markiersteine
  • ein schwarzer Beutel

Außerdem wurde für die große Version ein Zusatzpaket aufgeklebt, in dem 108 Aufkleber für die Spielsteine sind, sowie ein Satz Karten und eine Zusatzregel in Englisch, für ein eigenes Spiel.

Die Spielplättchen lassen sich leicht und gut aus den Stanzbögen entfernen, die Markierungssteine sind aus Holz, das Material ist durchgängig stabil und gut. Leider kann ich dasselbe nicht über die deutsche Spielregel sagen: diese strotzt vor Übersetzungs- und Satzproblemen. Der Mechanismus, wer wann von welcher Seite des Spielbrettes spielen darf, wird in der deutschen Version unbegreiflich (und falsch) widergegeben, mehrere Male fehlen halbe Sätze (werden Zeilen abgeschnitten, zum Beispiel ganz am Ende) etc. Zum Spielen sollte man daher eher die Englische Spielregel verwenden – auch wenn auch in dieser ein paar Differenzen zur FAQ bestehen. Diese werde ich an gegebener Stelle kurz ansprechen.

Die Spielsteine zeigen auf der einen Seite einen Pertygänger – es gibt große, mittelgroße und kleine Partygänger, betrunkene, gelangweilte und solche in Partystimmung (erkennbar an der Haltung: Betrunkene haben ein Glas, Partystimmungs-Leute machen eine entsprechende Handbewegung, gelangweilte blicken auch genauso drein), Metaller, Hiphopper und Discotänzer (erkennbar an der Kleidung) sowie männliche und weibliche (erkennbar an … aber das brauche ich wohl nicht zu erklären).

Nachdem ein Teil der Tänzer zufällig aussortiert wurde – abhängig von der Spieleranzahl -, wird ein Teil des Clubs (das Spielfeld mit 7×7 Feldern) mit Tänzern bevölkert. Erst danach werden Wachmänner, Rckstars und Unruhestifter zu den Tänzern in den Beutel gegeben, wo sie wie beim Scrabble gezogen werden.

Wer am Zug ist, zieht drei Spielsteine und schiebt diese von seiner Spielbrettseite aus auf das Spielfeld, wobei er ggfs. andere Tänzer vorwärts schiebt. Welche Seite die eigene ist, ist zum Teil abhängig davon, wo man sitzt – und welche Spielregel man anwendet.

Bei zwei Spielern, steht in meiner gedruckten deutschen Regel, benutzt jeder Spieler zwei einander gegenüberliegende Seiten des Spielplans, welche Seite benutzt wird, ist offen. In der englischen gedruckten Regel muss der Spieler abwechseln, von welcher seiner beiden Seiten aus er die Spielsteine einschiebt, dafür wird hier nicht gesagt, ob man die gegenüberliegenden oder zwei nebeneinanderliegende Seiten benutzen soll. In der englischen Download-Regel steht nichts mehr von abwechselnder Benutzung, aber dass man zwei benachbarte Seiten nutzt (eine 'Ecke‘). Dasselbe steht auch in der englischen FAQ.

Noch seltsamer wirkt die Regel des Seitengebrauchs für drei Spieler. Hier steht in der deutschen Version "Bei 3 Spielern nutzt der mittlere Spieler die 4. Seite in jeder 3. Runde“. In der englischen gedruckten Regel findet sich "with three players, the players alternate using the fourth side of the board every third turn“ – aso nicht der mittlere sondern alle Spieler nehmen reihum eine Runde von der anderen Seite anstelle ihrer normalen Runde. Laut der Downloadregel allerdings darf man diese Seite in einem Extrazug mit voller zusätzlicher Punktwertung durchführen: "With three players, players get an extra turn every third round which is played from the fourth side. The points gotten from the extra turn are added to the players own score chart.“ Die FAQ stimmt hier der Download-Regel zu, macht es aber noch etwas deutlicher: "Playing with three players you can use the same positions as in four-player-game, but there is an extra turn whose owner varies. When the 'extra players' turn comes, one of the players take his turn normally and can match a pair and add their score to his/herself. The ownership of that turn move clockwise.“

Auf jeden Fall darf man die Spielsteine nicht einfach so umdrehen um nachzusehen, was auf der Rückseite steht. Die neu gezogenen Spielsteine darf man sich ansehen (auch wenn das nicht explizit in der Regel steht, scheint das sinnvoll, denn man darf die Steine am eigenen Spielfeldrand, sowie die ersten Steine an den Seitenrändern hinter dem eigenen Rand ansehen. Weiter innen oder am Rand der Mitspieler liegende Steine darf man sich nicht ansehen.

Im Laufe der Zeit wird der Club voller werden, und es kann geschehen, dass ein Spielstein wieder vom Spielbrett herunter geschoben wird. Der Spielstein verlässt dann das Spiel. Ansonsten können Spielsteine noch den Club verlassen, wenn sie jemanden für die Nacht gefunden haben.

Man darf ein Paar vom Spielfeld entfernen, wenn sie auf den innersten 9 Feldern des Spielfeldes direkt nebeneinander (nicht diagonal) liegen und in mindestens 2 offensichtlichen Eigenschaften kompatibel sind (Stimmung, Musikgeschmack, Größe und Geschlecht – beim Geschlecht gelten m/w als kompatibel, m/m und w/w wären inkompatibele Eigenschaften, die aber bei entsprechend vielen anderen Übereinstimmungen genauso ignoriert werden können wie Musikgeschmack, Größe und/oder Stimmung). Für diese Tänzer gibt es Punkte.

Zunächst einmal gibt es Basispunkte für das Paar: bei zwei kompatibelen Eigenschaften einen (ein One Night Stand), bei drei kompatibelen Eigenschaften drei (‚fängt an sich zu treffen‘), wenn alle vier Eigenschaften kompatibel sind (wahre Liebe), gibt es sogar fünf Punkte. Diese Punkte werden dann aber noch über die verdeckten Eigenschaften auf der Rückseite der Plättchen modifiziert (gut, dass man sich die Plättchen vor dem Einlegen bzw. am Spielfeldrand noch ansehen durfte, nicht? So kann man versuchen, noch besser zusammenpassende Pärchen zu bilden).

Diese Eigenschaften können Bonus- und Maluspunkte geben. Die 'Dicke Brieftasche' beispielsweise gibt einen Extrapunkt, ein Mann mit einer 'starken, ähem, Persönlichkeit' gibt zwei Extrapunkte, wenn keiner der beiden Spieler betrunken ist (wieso, dazu befrage man den Torwächter bei MacBeth – hier etwa auf halber Höhe zu finden, wenn man es sich nicht schon denken kann). Punkte und Punktabzüge gibt es für eine ganze Reihe Eigenschaften, die teilweise auch von den Eigenschaften des anderen abhängen – wenn ein gottesfürchtiger Tänzer einen schon vergebenen trifft, bringt das satte vier Minuspunkte, sind aber beide gottesfürchtig bringt dieses Wunder ebenso satte drei Pluspunkte.

Insgesamt gibt es 12 Eigenschaften, welche Eigenschaften welche Effekte bewirken, steht auf der Rückseite der Regel (die man evtl. kopieren sollte), sowie in schwer verständlicher Form auf den Zählbrettern. Leider sind auch diese Erklärungen in der Deutschen Version vom Setzteufel verunstaltet worden. Die Beschreibungen stehen teilweise nicht neben den entsprechenden Symbolen, und die letzte Erklärung wurde kastriert: "Bei einem Pärchen mit der Eigenschaft 'Bisexuell' passen die sexuellen Neigungen immer zusammen. Dies ergibt eine zusätzliche,“ Hier endet der Text. Dieser Interruptus war doch ziemlich störend, laut der Englischen Regel heisst das ganz einfach, dass auch m/m und w/w als kompatibel betrachtet werden, sobald mindestens einer der beiden das Zeichen (einen Regenbogen) trägt.

Des weiteren gibt es ja noch die Extrasteine mit den Sicherheitsdiensten, den Unruhestiftern und den Stars. Wenn ein Star (im innersten Neunerquadrat) komplett von acht Tänzern umgeben ist (Groupies), darf er die vier, die mit einer Seite an ihn angrenzen und sich selbst aus dem Club entfernen, aus den Tänzern darf man zwei Pärchen bilden. Der Wächter darf, wenn er gezogen wird, ein beliebiges Plättchen vom Spielfeld entfernen. Der Unruhestifter stiftet genau das – genug, dass sich in seiner unmittelbaren Umgebung keine Pärchen bilden können.

Das ganze Spiel ist sehr intensiv, da man ständig sich zu erinnern versucht, welche Tänzer welche Boni geben – und das dann oft doch wieder vergessen hatm, wenn die Tänzer die Mitte erreichen. Dadurch ist das Glück ein größerer Faktor als man nnehmen würde. Alles in allem ist es aber ein nettes Spiel, das mit einer guten Stunde Spielzeit auch genau die richtige Länge hat. Man sollte es am besten zu zweit spielen, je menr Spieler, desto mehr wird das Spiel glücksabhängig, weil man die eigenen bekannten Figuren meist gar nicht lange genug im Club hat um hiermit Pärchen zu bilden. Und das Dreierspiel gibt einem noch das zusätzliche Problem, dass die Steine, die man kennt, noch wilder durch den Club gemischt werden.

In der Erweiterung befinden sich wie gesagt Aufkleber, die die Abrechnung der Bonuspunkte einfacher machen sollen. Sie sind allerdings selber recht undeutlich, und helfen eher als Erinnerungsstütze. Die Karten, die mitgeliefert werden, verändern die laufenden Regeln für eine ganze Runde, was das Spiel noch schwerer berechenbar macht.

Außerdem werden die Regeln für ein anderes Brettspiel vorgestellt, bei dem jeder Spieler einige Figuren wie bei Schach spielen kann. (Große) Männer ziehen wie Türme, Frauen wie Läufer und kleine Figuren wie Springer. Ziel ist es, jeweils den Rockstar des Gegners zu schlagen.

Erschwert wird die Rechnung dadurch, dass Stratego-artig die Charaktere aghängig vcon ihrer Laune in einem Ppier-Stein-Schere-Verhältnis zueinander stehen was die Möglichkeit zum Schlagen angeht. Jeder Spieler hat zudem die Gelegenheit, die allgemeinen Zug- und Schlagregeln für eine ganze Runde aufzuheben – er kann dann auch gegen das Papier-Stein-Schere-Prinzip einen Charakter schlagen, aber dann auch ebenfalls in dieser Methode geschlagen werden.

Auch hier werden die Spielfiguren zufällig aus dem Vorrat gezogen, aber hier ist der Glücksfaktor deutlich niedriger. Das Spiel erinnert mich mehr an das uralte Bosworth von Out of the Box Games, das ebenfalls einen überraschend geringen Glücksfaktor hatte. Das Spiel ist die vier Euro extra allemale wert.

Hersteller Tuonela Productions
Autor Jussi Autio
Spieler 2-4 (am besten mit 2)
Denken 6
Glück 3-7
Geschicklichkeit 0
Preis € 19,90 (erste Ed., nur englische, schwedische und finnische Regeln), € 25 (zweite Edition), € 29 (einsch. Erweiterung DJ Mix)

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