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The Gang

Jedes Jahr findet in Lucca eine große Comic- und Spielebörse statt, bei der unter anderem ein Wettbewerb ausgeschrieben wird, für den zu einem bestimmten Thema ein Spiel gemacht werden soll. In der Regel sehen die Ausschreibungsregeln vor, dass es sich um ein Kartenspiel handeln muss, und eventuell noch weitere Eckdaten, die auch von Jahr zu Jahr verändern können. Der Preisträger erhält dann den Titel Vincitore del Concorso di Lucca Games – Miglior Gioco Inedito (Jahreszahl). Übersetzt also: Sieger des Preisausschreibens der Lucca Games – bestes unveröffentlichtes Spiel.

Der jeweilige Jahressieger hat dann die Ehre, dass im Folgejahr – meist zur Börse in Lucca, die etwa einen Monat vor der Spiel in Essen stattfindet – sein Spiel dann tatsächlich erscheint, als Kleinauflage beim Verlag dV Editrice. Die Spiele sind immer wieder anders, und lohnen in der Regel. 2011 erschien also dann das Siegerspiel des Jahres 2010: The Gang. Gangsterbosse schicken ihre Untergebenen in verschiedene Städte, wo sie versuchen, feindliche Gangster gefangen zu nehmen.


Das Spiel ist, wie bereits gesatgt, ein Kartenspiel, und daher finden sich in der Schachtel folgende Bestandteile:

  • die Spielregel in Englisch, Italienisch und in Arabisch (!)
  • 80 Gangsterkarten, nummeriert von 1 bis 80, wobei die ungeraden Nummern weibliche und die geraden Nummern männliche Gangster darstellen
  • 12 Spezialkarten (4 x Schmiere stehen, 4 x Spion, 4 x Der Boss will Dich sehen)
  • 3 Stadtkarten (New York, Rio, Toky Detroit, Chicago
  • 15 Tickets, die jedes eine Stadt zeigt: zur Unterscheidung von den Stadtkarten sind die Tickets hochkant zu lesen, die Stadtkarten im Querformat
  • ein sehr stabiler Kartenträger als Schachteleinsatz, der bei allen Giochi Inediti zu finden ist

Die Qualität ist gut, wie jedes Jahr. Die Karten sind sehr schön gezeichnet, die Gangster (in Anlehnung an ein Musical könnte man sie als 'Guys and Molls' beschreiben) richtig stimmungsvoll im Stil der Zigarettenreklame der 20er Jahre. Auf jeder Karte stehen neben dem Bild und der Zahl noch ein paar Pistolen abgebildet, die Siegpunkte darstellen.

Jeder Spieler erhält je ein Ticket für jede der drei Städte erhält, eine zufällige Spezialkarte (die man geheim halten sollte) und (ebenso verdeckt) vier zufällige Gangsterkarten. Zu jeder Stadt werden fünf zufällige Gangsterkarten gelegt, die in aufsteigender Reihenfolge sortiert werden.

Das Spiel unterteilt sich in vier Runden zu je vier 'Jobs‘, wobei ein Job das ist, was man normalerweise unter 'Runde' verstehen würde. In jedem Job wählt man von seiner Hand eine Gangsterkarte und entweder ein Ticket oder die Spezialkarte aus und legt sie verdeckt vor sich ab. Wenn alle ihre Karten gelegt haben, werden die Karten umgedreht und die Gangster kommen nach ihren Nummern zum Einsatz – zuerst die niedrigsten Nummern.

Ein Gangster wird in die Stadt gelegt, die das Ticket angibt, und zwar ebenfalls in numerischer Reihenfolge einsortiert. Wenn hierbei eine Gang von Guys eine Gang von Molls umzingelt (oder umgekehrt), wreden die umzingelten Gangster weggenommen und kommen in den Punktestapel des Spielers. Eine Gang besteht hierbei immer aus mindestens zwei Karten: eine einzelne Gangstermolly ist also zunächst einmal sicher, bis die sie umgebenden Kerle weggenommen wurden. Wenn alle Spieler ihre ausgelegten Karten einsortiert haben und evtl. Gangster gefangengenommen haben, werden die Städte wieder auf fünf Gangster aufgefüllt (und ja, auch hierbei wird die Reihenfolge nach Zahlen wieder hergestellt).

Nach vier Jobs hat kein Spieler mehr einen Gangster auf der Hand, und eventuell nicht gespielte Spezialkarten werden abgeworfen. Dann erhält jeder Spieler vier neue Gangster und eine neue Spezialkarte und die nächste Runde beginnt. Wenn im Laufe der die Runden das Deck mit den Spezialkarten leer wird, werden die abgeworfenen Spezialkarten neu gemischt. Wenn das Gangsterdeck leer wird, endet das Spiel – das kann bei vielen Spielern leicht passieren, sollte also nicht vergessen werden.

Am Spielende zählt jeder Spieler die Pistolen, die auf seinen gefangenen Gangsterkarten stehen, zusammen. Wer die meisten hat, hat gewonnen. Bei Gleichstand wird nachgesehen, welcher der geleichstehenden Spieler den gangster mit der höchsten Nummer gefangen hat, der hat gewonnen.

Bis hierhin sieht das Spiel aus wie eine Variation auf das System von Sechs nimmt, die Spezialkarten sorgen allerdings für einige Überraschungen. So spielt man einen Gangster, der Schmiere steht, entweder an den Anfang oder an das Ende einer beliebigen Reihe, wo die Karte dann als Joker einstzbar ist: hier kan eine Moll auch als Kerl fungieren und umgekehrt, wenn es um das Gefangennehmen geht. Nach der Gefangennahme wird die karte dann aber wieder ganz normal.

Den Spion kann man im Zug spielen, und zwar nach Wahl bevor oder nachdem man den eigenen Gangster gespielt hat. Der Spion wird auf einen beliebigen Gangster gelegt, der daraufhin für diesen Job dieses Spielers die Seiten wechselt. So kann ein einzelner Kerl, der eine schöne lange Reihe Molls unterbricht, zur Gefangennahme als eine Moll gewertet werden, oder auch der eigene Spion das Geschlecht 'wechseln' um eine große Gruppe gefangen zu nehmen.

Wenn es heißt der Boss will Dich sehen, legt man eine Karte aus einer anderen Stadt in die aktuelle Stadt, wobei diese dann an den Platz kommt, den sie laut Nummer einnehmen m+üsste. Hierdurch können wieder größere Gefangennahmen möglich werden. Leider ist hier (aus der englishcen Spielregel zumindest) nicht deutlich, ob der umziehende Gangster selber eine Wertung auslöst (somit also eine Doppelwertung möglich wird) oder nicht.

Und was auch nicht ausdrücklich in den regeln steht, aber aus den Beispielen deutlich wird: nur dadurch, dass ein Gangster gelegt wird / die Seiten wechselt, können Gefangene genommen werden, und nur der Spion kann hierbei selber gefangen genommen werden. Es gibt also kleine Kettenreaktionen oder die Wahl 'nehme ich die Gang neben dem dem Gangster oder die mit dem Gangster?'.

Wie bei Sechs nimmt ist auch hier die Planung, was die anderen Spieler eventuell spielen werden (wenn sie denn können) wichtig – aber da man sowieso nur vier Gangster in einer Runde erhält, ist der Glücksfaktor doch deutlich größer. Dennoch ist das Spiel nett, und so schnell (eine Partie dauert etwa eine Viertelstunde), dass man eigentlich sofort eine Revanche will… und noch eine… und…

Das Spiel zu finden ist außerhalb Italiens ein wenig schwierig – aber man kann diese Adresse anmailen – man versteht dort Englisch – und das Spiel bestellen. Ob noch Versandkosten hinzukommen, ist mir nicht bekannt, aber selbst dann ist das Spiel noch ein schönes Spiel zu selber haben, ein nettes Mitbringsel und auch ein schönes Weihnachtsgeschenk für Spieler.

Hersteller dV Giochi
Autor Antonello Lotronto
Spieler 2-5
Denken 6
Glück 7
Geschicklichkeit 0
Preis 9,90 €

Update: Bezugsquelle und Preis hinzugefügt

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