Schachkarten

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Kings Plate: Card Game

Schach mit Karten – das ist keine neue Idee. Ob man die Karten verwendet, um die Regeln abzuändern, wie bei Tempete sur l’Echiquier oder die Karten als Spielfiguren verwendet, wie bei Bosworth, es gibt verschiedene Optionen. Bosworth, das von Out of the Box Games herausgebracht wird (wurde? Auf der Webseite ist es jedenfalls nicht mehr zu finden) war eines der ersten Spiele, die ich damals (noch im vorigen Jahrhundert) für den Nieuwsbrief von Casus Belli rezensiert habe.

Aus Japan kommt Kings Plate, das es als Classic Edition und als Card Game gibt, letzteres bespreche ich hier. Der Autor gibt es im Eigenverlag heraus, in Essen wurde er wie so viele andere japanische Herausgeber durch Japon Brand vertreten.


Ein neues Spiel, bei dem die Spielfiguren durch Karten ersetzt werden, kommt jetzt aus Japan. Unter dem namen Kings Plate kann man insgesamt drei kleine quadratische Päckckhen kaufen, die entsprechend als 'Cardgame Series I‘, 'Cardgame Series II' und 'Cardgame Series III' markiert sind. Die Dosen sind klein und durch ihr schwarz-weißes Äußere auch eher unscheinbar. Mehr noch: die Päckchen sind nur minimal größer als die Karten darinnen, so dass bereits die für den internationalen Vrekauf zugefügte Englische Regel in einer zusätzlichen Plastikhülle außen auf das Päckchen geklebt wird – was bei anderen Spielen von Japon Brand eher Zeitproblemen geschuldet ist, ist hier zusätzlich auch ein Platzproblem.

Die Päckchen sehen auch fast gleich aus, der einzige Unterschied zwischen den Päckchen ist – neben der Aufschrift auf der Seite des Päckchens – das genaue Wappentier, das auf der Verpackung zu sehen ist, was einem aber, wenn man nicht genau hinsieht, auch erst später auffällt: Serie 1 hat einen Löwen, 2 einen Adler und 3 einen Greifen.

Ein gutes hat die Anbringung der Spielregel auf der Außenseite der Verpackung allerdings: statt nur im ersten Päckchen – wie in Japan – erhält man hier die Spielregel mit jedem einzelnen der Päckchen. Ansonsten befinden sich in jedem der Päckchen genau 72 Karten. In Päckchen 1 sind 12 dieser Karten die Anleitung, hinzu kommen 60 quadratische Einheitenkarten. In Päckchen 2 und 3 sind jeweils nur noch 4 Anleitungen (anscheinend zu den speziellen Karten der jeweiligen Sets), dafür kommen zu den >Einheitenkarten noch jeweils 8 zusätzliche Könige.

Die Spielregel wirkt recht kurz: eine eng bedruckte DIN-A4-Seite reicht aus. Diese Regel kommt meistens dreisprachig: es sitzen zwei Blätter im Päckchen, auf beiden ist die englische Regel abgedruckt, auf der einen Rückseite die Deutsche, auf der anderen die französische.

Wer sich dafür interessiert, kann die englische, französische oder deutsche Regel auch bei Boardgamegeek von der Kings Plate Card Game-Seite herunterladen.

Die Karten zeigen von außen nach innen

  • den Namen der Karte, im Stile eines ganz gewöhnlichen französischen Blattes (mit acht Jokern)
  • ein Zeichen, das die Serie kennzeichnet, zu der die Karte gehört (einen, zwei bzw. drei Punkte)
  • Bewegungssymbole, die Zugrichtungen und Zugweiten erlauben
  • Name der Schacheinheit
  • Stärke
  • Einsetzkosten
  • Spezialfähigkeit
  • eine Zeichnung der Figur als Silhouette

Auch diese Karten sind eher unscheinbar, und zweifarbig ganz in schwarz-weiß gehalten – oder in rotbraun-weiß, für die 'roten' Farben des französischen Blattes. Die Schachfiguren sind nicht unbedingt die 'klassischen‘, es gibt hier auch >Erzengel, Oger und so weiter.

Die Spielregel enthält Regeln für 5 verschiedene Spiele, die mit den Karten gespielt werden können, wobei Kings Chess wohl die wichtigste ist. Hierfür wird zunächst mit den Regelkarten (aus dem 1. Set) ein Spielfeld zu 4×4 Feldern (3×3 und 5×5 sind auch möglich) ausgelegt, und jeder Spieler erhält einen König. Aus den übrigen Karten erhält jeder Spieler 4 (je nach Spielfeldgröße auch 3 oder 5) Handkarten. Wer am Zug ist, darf entweder eine Handkarte aufs Spielfeld bringen oder eine Karte auf dem Spielfeld ziehen. Eine neue Karte muss immer so ausgelegt werden,d ass sie eine eigene Karte berührt – diagonal reicht hierbei aus. Ziehen darf man nach den Symbolen auf den Karten – nicht jede Karte darf in jede Richtung ziehen, manche Karten dürfen nur ein Feld weit ziehen, andere beliebig weit, manche Karten dürfen eine andere Karte überspringen etc. Wer eine gegnerische Figur schlägt, darf diese auf die hand nehmen und in einem späteren Zug als eigene Figur wieder ausspielen – Shogi lässt grüßen. Zuguterletzt kann man eine Karte auch wieder vom Spielfeld nehmen, wenn man sie von diesem herunter zieht: sie kommt dann wieder auf die Hand.

Die Stärke einer Figur wird über Sterne angegeben. Eine Figur kann nur andere Figuren schlagen, die maximal genausoviele Sterne haben wie sie. Damit aber nicht jemand, der das Glück hat, als einziger eine Drei-Sterne-Figur gezogen zu haben,. mit dieser das ganze Spielfeld leer räumt, können Figuren auch zusammenarbeiten: wenn mehrere Figuren eine andere erreichen können, darf man ihre Sterne zusammenzählen – und hiermit wird auch ein Oger oder ein Riese dann besiegbar.

Außerdem haben viele Figuren noch Sonderfähigkeiten. Es gibt Figuren, die die Felder vor ihnen blockieren, Figuren, die die andere Spielfiguren verstärken, Figuren, die gegnerische Figuren 'versteinern' etc. Neben den 8teilweise ungewöhnlichen) Zugmöglichkeiten muss man also auch diese Fähigkeiten im Auge behalten – vor allem, wenn Karten wieder auf die Hand zurück gegangen sind.

Ziel von Kings Chess ist natürlich, den gegnerischen König matt zu setzen. Eine Partie dauert meist zwischen 15 Minuten und einer Stunde, und da die Zusammenstellung der Hände jedesmal anders ist, ähnelt auch kaum ein Spiel dem anderen.

Kings Decoy ist ein Spiel, das mich ein wenig an Alex Randolphs Geister erinnert. Auf einem 7×3-Spielfeld werden für jeden Spieler 2 Könige zusammen mit vier Soldaten (2 und 3 in rot bzw. schwarz) verdeckt unter 6 offenen Abdeckkarten (4, 6 und 10 in derselben Farbe) ausgelegt. Die Könige versuchen, die gegenüberliegende Seite zu erreichen und das Spielfeld zu verlassen. In jedem Zug darf ein Spieler entweder ein Kartenpaar ein Feld weit ziehen (und dabei die beiden Karten, die dort liegen, schlagen, wenn es gegnerische Karten sind) oder ein Kartenpaar umdrehen, wenn er nicht ziehen will. Hierbei kann er dann einen König oder einen Soldaten aufdecken – und auch wieder verdecken, wenn er dieselbe Aktion noch einmal durchführt.

Sieger ist der, der die beiden Könige des Gegners schlägt, oder der einen König auf die andere Seite des Spoielbrettes bringt.

Kings Poker verwendet die Kartenbezeichnungen der Karten und ist für bis zu vier Spieler gedacht. Jeder Spieler erhält zufällig fünf Handkarten. Wer an der Reihe ist, legt eine Karte aus und zieht eine neue Karte. Hierbei müssen die Karten in insgesamt 4 bzw. 5 vertikalen Linien zu je drei Karten ausgelegt werden, wobei die 2. Linie von rechts erst belegt werden darf, wenn mindestens eine Karte in der 1. liegt, eine Karte in die dritte erst, wenn in der zweiten eine Karte liegt etc.

Außerdem darf man einen Jester (Hofnarr) in die Auslage eines Mitspielers legen – dieser Mitspieler muss seine nächste Karte auf den Jester legen, auch wenn er sie lieber anderswo ablegen würde. Dann darf man die Hand auffullen und eine eigene Karte legen. Joker dürfen wie üblich in der eigenen Auslage liegen, allerdings nur einer pro Spieler. Wer also Kartenpech hat, hat am Ende drei nutzlose Karten auf der Hand und nur noch zwei, mit denen er etwas anfangen kann.

Wenn alle Reihen voll sind, werden die reihen nacheinander verglichen – erst die ersten Reihen aller Spieler, dann die zweiten etc. Jede einzelne Reihe wird gewertet und geht an den, der die machtvollste Hand in der Reihe hat, wer auf diesem Weg die meisten Reihen gewinnt, ist Sieger.

Kings Rummy ist eine Variation auf Rummy mit den angegebenen Karten, man muss allerdings noch für jeden der Spieler 50 Chips als Spielgeld bereitstellen. Wie im 'normalen' Rummy versucht man hier, eine möglichst gute Hand zu erwerben. Man zahlt dem Spieler, der eine Karte abgegeben hat, einen Betrag, wenn man selber die Karte kaufen will, ansonsten zieht man eine Karte vom Stapel, zahlt einen Chip in de Pott und wirft wieder eine Karte ab. Die Sieghände bestehen aus vier Karten, und der Sieger erhält den poot sowie von den anderen Bonuschips je nach Wert der Hand, bzw. er zahlt auch, wenn er Joker und Hofnarren verwendet.

Kings Wars schließlich ist ein Spiel für bis zu 4 Spieler, bei dem jeder Spieler aus einer Serie die Karten einer Kartenfarbe (Herz, Pik…) erhält. Jede Spielhand in einer Runde besteht aus dem König und vier zufälligen Karten der eigenen Farbe. Diese werden ähnlich wie bei Kings Chess ausgelegt und gezogen, allerdings gibt es keine Maximalgröße des Spielbrettes: die Karten müssen immer eine Gruppe bilden (diagonale Berührungen reichen aus). Auch werden geschlagene Figuren nicht auf die eigene Hande genommen, sondern als Siegpunkte ausgelegt. Wer den König eines Mitspielers schlägt, gewinnt die Runde und zusätzliche Siegpunkte (wofür die nicht verwendeten Karten (vor allem Joker und Hofnarren) verwendet werden. Nachd er Runde werdne die übrigen Karten abgeräumt, die Könige wieder auf die Hand genommen und vier neue Karten vom Stapel gezogen. Nach der dritten Runde sind die Stapel leer, und die Punkte werden gezählt: wer die meisten Punkte hat, hat gewonnen.

Die fordernste Version ist sicherkich Kings Wars, aber auch Kings Chess hat seinen Reiz. Kingfs Rummy dürfte vor allem die Leute interessieren, die auch gerne Rummy spielen, und Kings Poker stellt sich schwieriger zu meistern dar als man so denken würde. Kings Decoy ist dahingegen durch die Enge des Spielbrettes recht schnell zu Ende – hier kommt es vor allem darauf an, dass man nicht zu oft Karten umdreht und verrät, wo die Könige sich befinden. Andererseits bietet es natürlich densleben Spielraum für Bluffs wie Geister.

Wer es findet (man kann es auch von der Webseite des Herstellers bestellen, aber dazu muss man Japanisch können ;) ), hat hiermit ein nettes, und sehr transportables Spiel, das Schachfreunden wie allgemeinen Denksportfreunden gefallen dürfte.

Hersteller Kings Plate
Autor Hiroki Kaneko
Spieler 2-4
Denken 8
Glück 6
Geschicklichkeit 0
Preis ca. € 20,25 (umgerechnet vom Preis auf der Webseite, in Essen wurde es für 14 € verkauft)

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