Um 23 Ecken herum…

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Khet 2.0

…und dann von hinten durch die Brust ins Herz – so könnte ein Mordplan aussehen, oder? Im Prinzip geht es darum, denn man möchte bei Khet den gegnerischen Pharaoh erledigen, und da der das sicherlich verhindern will, muß man eben Umwege gehen.

Allerdings geht man weniger um die Ecke als daß man um die Ecke schießt – jeder Spieler kontrolliert auch eine Sphinx, die am Ende des Zuges jeweils einen (realen!) Laserschuß abgibt. Dieser geht erst mal geradeaus – bis er auf eine der vielen spiegelnden Oberflächen trifft, die fast alle Figuren von Khet besitzen.


Die meisten Figuren sind sogenannte Pyramiden (7 pro Spieler) – ein einzelner Spiegel um 45° zum Spielfeld gedreht, der entsprechend den Laser rechts oder linksherum (je nach Einfall) weiterleitet – werden sie im Rücken getroffen, werden sie entfernt.Die 2 Skarabäen, die jeder Spieler kontrolliert, sind beidseitig verspiegelt und können dementsprechend nicht erschossen werden; außerdem können diese mit anderen Spielsteinen (außer Pharaonen und anderen Skarabäen) den Platz tauschen, was sonst nicht geht.

Die Anubi (ebenfalls je 2 pro Spieler) fungieren als eine Art Bodyguards, schützen also den Pharao. Sie sind von vorne unverwundbar, können aber durch Treffer auf die Seite oder den Rücken ausgeschaltet werden. Und zwischen all diesen Spielsteinen versuchen die Pharaonen, nicht getroffen zu werden – also muß man schon um die Ecke ballern, nicht nur denken. Dazu kann – und wird – man natürlich auch gegnerische Spiegel mitverwenden, um den Laser zu lenken, denn die Sphinx kann ihren Platz in der rechten unteren Ecke der eigenen Seite nicht verlassen – sie darf sich höchstens drehen (und somit nach links statt nach vorne schießen).

Wer an der Reihe ist, darf eine beliebige Spielfigur um ein Feld bewegen – Richtung beliebig, wie der König beim Schach – oder die Figur um 90° drehen (stattdessen, nicht gleichzeitig). Danach wird der Laser abgefeuert – also sollte man schon genau kalkulieren, wo der Laser verlaufen wird, damit man nicht versehentlich eigene Spielfiguren erschießt. Bestimmte Felder sind nur von silbernen oder nur von roten Figuren betretbar – die meisten sind allerdings jedermann zugänglich, und insgesamt besteht das Spielfeld aus 8×10 Feldern.

Es gibt übrigens keine verpflichtende Grundaufstellung bei Khet – in der Anleitung (beiliegend in Niederländisch, Italienisch, Deutsch, Spanisch und Französisch – Englisch erstaunlicherweise abwesend) sind drei mögliche Startpositionen aufgeführt, und Spieler sind angeregt, neue zu erfinden – solange sie symmetrisch sind und keinen instant Kill liefern, lassen sich ganz unterschiedliche Aufstellungen spielen.

Das Spielmaterial ist einfach, aber hübsch (und mottogetreu) gestaltet; die Spielfiguren sind aus (halbdurchsichtigem) roten und silbernen Kunststoff, und die meisten Figuren sind mit Spiegeln versehen. Die beiden Sphinxen sind mit Batterien (Knopfzellen) bestückt (bereits eingebaut), diese können aber (wenn sie leer sind) ausgetauscht werden, wie das geht steht ebenfalls in der Anleitung. Praktisch, so kann man direkt aus der Packung losspielen. Die Verpackung ist übrigens auch sehr praktisch gestaltet – für sämtliche Figuren gibt es genau passende Slots, sie werden also nicht in der Gegend herumgekegelt, und die Packung hat einen Griff, daß man sie wie einen kleinen Koffer tragen kann.

Insgesamt ein schön gestaltetes und auch überzeugendes Spiel, das nicht ohne Grund diverse internationale Preise abgeräumt hat (unter anderem auch Mensa Select). Definitiv etwas für Um-die-Ecke-Denker – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Gegensatz zu klassischen Zweispielerstrategiespielen wie bspw. Schach ist eine Partie Khet aber meist viel schneller entschieden. Kann man also auch gut mal zwischendurch spielen, und aufgrund verschiedener Grundstellungen ist der Wiederspielwert natürlich auch eher hoch.

Es gibt übrigens noch weitere Spielelemente, namentlich ein Auge des Horus (halbdurchlässiger Spiegel, der den Laser sozusagen splittet), oder den Tower of Kadesh, der das Spiel noch auf eine weitere Ebene führt. Diese sind im hier besprochenen Set nicht enthalten, aber separat erhältlich.

Hersteller Productief b.v.
Autoren keine genannt – bei Khet 1 waren es Luke Hooper, Michael Larson und Del Segura
Spieler 2
Denken 9
Glück 0
Geschicklichkeit 0
Preis € 39,95

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