Deckbuilderpflege

Ich höre den einen oder anderen schon fragen: Was ist das? Keine Rezension, keine Neuheiten… Genau. In unregelmäßiger, sehr lockerer Folge (und ohne weiteres mit großen zeitlichen Abständen) will ich nämlich auch 'mal aus den Nähkästchen plaudern. Mir geht es hierbei nicht unbedingt darum, wie man bestimmte Spiele besser spielt, sondern eher um allgemeine Gedanken zur Pflege und zum Unterhalt des Materials.

Anfangen möchte ich mit einem Spieltypus, der in den letzten paar Jahren ziemlich groß geworden ist: Dem Deckbuilding Game. Hiervon gibt es ja inzwischen eine ganze Reihe verschiedenster Spiele, wie zum Beispiel die Klassiker Dominion, Thunderstone, Arcana, oder auch neuere Spiele wie Nightfall, Freitag – oder auch hierzulande noch unbekannte Spiele wie Dynamite Nurse Returns oder Tanto Cuore oder gar für die Zukunft angekündigte Spiele wie die Miscatonic School for Girls. Alle diese Spiele haben eins gemeinsam: ausgehend von einem kleinen Startdeck mit beschränkten Möglichkeiten versucht man, sein eigenes Kartendeck zu verbessern, so dass man bei Spielende das beste Deck hat.


Für diese Art Spiele gibt es mehrere Probleme, die man meist erst nach einiger Zeit erkennt – weil man bestimmte Effekte einfach nicht auf dem Radar hat, wenn man ein Spiel einfach so spielt. Dennoch lohnt es, darüber nachzudenken; vor allem, wenn man ein Spiel einigermaßen intensiv spielt.

Ein sehr wichtiger Effekt, der oftmals vernachlässigt wird, ist der Verschleiß. Gerade, wenn man einen Deckbuilder häufiger spielt, stellt man nach einiger Zeit fest, dass die Karten durch das häufige Mischen mit der Zeit abgenutzt werden. Wer sich noch erinnert, wie früher in der Kneipe ein Skatspiel nach einem Monat aussah, hat eine Idee, was ich meine.

Leider nutzen die Karten auch nicht gleichmäßig ab. Gerade die Startkarten, die man beim Spielbeginn auf der Hand hat, werden wesentlich häufiger gemischt als Karten, die man im Laufe des Spiels erst erwirbt. Das führt dazu, dass man nach einiger Zeit diese Startkarten schon an der Rückseite erkennen kann – zumindest als Startkarten, wenn man auch nicht unbedingt sagen kann, welche der Startkarten es ist. Man kann das ignorieren, aber wenn man es erst einmal erkannt hat, wird das schwierig.

Der Effekt wird noch deutlicher bei Karten mit geprägter Rückseite, wie zum Beispiel bei der englischen Ausgabe von Thunderstone. So etwas sieht zwar edler aus, aber durch die Prägung nutzen die erhabenen Stellen noch schneller ab, und der Unterschied wird noch deutlicher.

Daher lohnt es, wenn man ein Spiel häufig spielen will, wenn man in Kartenhüllen investiert, wie man sie auch von Sammelkartenspielen kennt. Diese Art Hüllen sind sogar in vielen Supermärkten inzwischen erhältlich – ich habe sie zum Beispiel bei Real gesehen.

Man sollte allerdings auf die Qualität achten: hierbei ist nicht nur wichtig, wie robust die Hüllen selber sind (und ob sie eventuell sogar die Karten angreifen), sondern auch, ob sie griffig sind. Es gibt als billigste Version komplett durchsichtige Hüllen: diese haben meist den Nachteil, dass sie extrem glatt sind, und dass man einen einigermaßen großen Kartenstapel nicht mehr vernünftig mischen kann. Ähnlich glatt sind auch manche Hüllen mit undurchsichtigen Rücken. Daher mein Tipp: bevor man eine größere Anschaffung tätigt, erst einmal ein einzelnes Päckchen kaufen, zum Beispiel ein Quartett oder ein Skatspiel eintüten, und einfach mal sehen, wie es sich in den Hüllen mischen lässt. Wenn die Karten angenehm griffig sind, kann man ruhig zuschlagen.

Noch ein Tipp: bei der Anschaffung darauf achten, dass man zum einen Hüllen derselben Farbe auch in Zukunft nachkaufen können wird – das kann bei Hüllen mit Motivrücken ansonsten zu bösen Enttäuschungen führen. Einfarbige Rücken haben den Vorteil, dass sie "zukunftssicherer“ sind. Allerdings muss man auch darauf achten, dass man nicht "gleichfarbige“ Hüllen mehrerer Anbieter mischt – auch wenn sie auf den ersten Blick im Laden gleich aussehen, stellt sich oftmals in der Praxis heraus, dass die Farben doch teilweise deutlich abweichen. Besser, man wählt (zumindest für eine Farbe) einen bestimmten Hersteller und bleibt auch dabei.

Wenn man also beispielsweise Thunderstone besitzt, kauft man also ein paar (hundert) Hüllen, alle in einer Farbe, und gut ist? Besser nicht! Viele Deckbuilder leben ja davon, dass nicht jeder Spiel mit denselben Karten gespielt wird – bei unserem Beispiel Thunderstone werden in jedem Spiel eine neue Gruppe von vier Heldentypen, acht Dorfkarten, verschiedene Monster für das Dungeon und so weiter zusammengestellt. Für die zufällige Auswahl der Karten liegen dem Spiel extra Karten bei, die nur für diese Zusammenstellung benötigt werden. Wenn diese Karten aber in Hüllen derselben Farbe stecken wie die Dorf- bzw. Dungeonkarten, geschieht es leicht, dass die Karten zwischen die übrigen Karten geraten, was im ungünstigsten Fall nur auffällt, weil man merkt, dass man bereits seit Jahren keinen Zwergenkämpfer dabei hatte… Daher: für diese Auswahlkarten besser eine andere Farbe nehmen – die darf dann auch von einem anderen Hersteller ein, das die Karten ja nicht unter die Karten des Spiels gemischt werden sollen. Durch die abweichende Rückenfarbe fallen falsch einsortierte Karten dann oftmals sogar noch in der Spieleschachtel auf.

Bei Thunderstone wurden im Basisspiel ja auch die Erfahrungspunkte als Karten mitgeliefert (in der Erweiterung sind kleine Thunderstones aus Plastik als Erfahrungspunkte dabei). Diese Erfahrungspunkte-Karten zeigten eine unangenehme Neigung, ebenfalls in das Kommandodeck zu geraten, wo man sie dann beim folgenden Durchgang entdeckte. Auch hier hilft es, diese (nicht unter die normalen Karten zu mischenden) Erfahrungspunkte in andersfarbige Hüllen zu stecken, so fallen sie meist schon beim Mischen auf.

Aber Achtung: man darf es mit den verschiedenen Farben auch nicht übertreiben. Die Karten, die im Kommandodeck landen können – das sind bei Thunderstone nicht nur die Startkarten und die Dorfkarten, sondern auch die Dungeonkarten und die Krankheiten! – sollten schon alle dieselbe Hüllenfarbe haben, sonst sieht man wieder beim Mischen, was einen da erwartet.

Ähnliche Überlegungen gelten analog auch für andere Deckbuilder, wobei man für jedes Spiel eigene Überlegungen anstellen sollte. Bei Freitag beispielsweise gibt es keine Auswahlkarten, aber die Piratenschiffe fürs Spielende sollte man wieder in andersfarbige Hüllen stecken, damit man sie schnell findet. Bei Tanto Cuore (Besprechung kommt bald) gibt es auch keine Auswahlkarten, man sollte aber die Krankheiten, Schlechten Angewohnheiten und die Private Maids in andersfarbige Hüllen stecken, damit man sie nicht versehentlich in das Kontrolldeck mischt. Love-Karten und normale Maids dahingegen sollten alle dieselbe Hüllenfarbe erhalten.

So viel zum Thema Hege und Pflege des Deckbuilding Games. Ich hoffe, ich habe den einen oder anderen ein wenig ans Nachdenken gesetzt.

Ein Kommentar

  1. Lutz sagt:

    Was hast Du denn für Thunderstone an Kartengruppen farbig getrennt? Wenn ich die Monster-Zufallskarten, Dorf-Zufallskarten etc. alle in andersfarbige Hüllen stecke, brauche ich ja 'zig verschiedene Farben…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.