Rote Stadt

Burdigala

Wir schreiben das Jahr 56 vor Christus. Ganz Gallien ist von Römern besetzt. Ganz Gallien? Ja, unter der Ägide von Julius Caesar war so gut wie ganz Gallien besetzt – und unter den Römern wurden dann auch viele Städtebauprojekte durchgezogen. So wurde an der Konfluenz von Devèze und Garonne ein Hafen erbaut unter dem Namen Burdigala. Dieser Name ist heutzutage allerdings nicht mehr so bekannt wie der aktuelle Name des Ortes, denn er existiert immer noch: Bordeaux ist nicht nur die Heimat des gleichnamigen Weines und der Farbe sondern auch die Hauptstadt der Region Aquitaine.

Unter Publius Crassus wurden in der aufstrebenden Stadt die nötigen 'würdigen Gebäude' errichtet, wie Theater, Tempel, Aquädukte und so weiter. Das konnte der gute Publius natürlich nicht alleine stemmen, und so hatte er Helfer, die dafür sorgten, dass die Ressourcen korrekt verteilt wurden und die Gebäude rechtzeitig fertiggestellt wurden. Die Spieler im Spiel Burdigala von id&al (spricht sich französisch 'idéal' aus) sind genau diese Assistenten, die durch ihre Aktionen versuchen Ansehen zu erwerben.
In der Spieleschachtel finden sich laut Spielanleitung die folgenden Teile:

  • ein Spielbrett
  • 21 Baustellen-Plättchen
  • 4 Bonus-Spielmarken
  • 30 Bausteine (kleine Holzwürfel)
  • 24 Bestechungs-Spielmarken
  • 21 Handelskarten
  • 34 Plot-Karten
  • 16 Spielfiguren (je 4 Figuren in 4 verschiedenen Farben)
  • die Spielregel, in Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch

Hier ist die Spielregel (und auch die Liste auf der Schachtel) unvollständig, denn neben den genannten Teilen gehören auch noch zwei Würfel dazu. Die Würfel sind einfache schwarze Plastikwürfel mit weißen Punkten, Die Spielmarken sitzen in vorgestanzten Pappplatten, aus denen sie relativ problemlos herausgedrückt werden können – nur bei den Bestechungs-Marken muss man ein wenig vorsichtig sein: bei uns nahm eine der Marken ein Stück von der Papierdecke der umgebenden Stanzplatte mit, das konnte aber ohne große Probleme abgemacht werden. Andersherum wäre es nicht so schön gewesen…

Die Karten haben normale Qualität, die Bausteine sind wie gesagt kleine, graue Holzwürfel. Die Spielfiguren (Pöppel) sind die u.a. von Carcassonne bekannten Männer (Meeple). Alles in allem ist die Qualität hervorragend und entspricht dem, was international als Eurogame bezeichnet wird.

Auf dem Spielfeld werden insgesamt 21 Baustellen mit Gebäuden zufällig belegt, wobei zunächst die 'Rückseite' der Bauplätze oben liegt, die anzeigt, wie viel Baumaterial das Gebäude zur Fertigstellung benötigt. Die übrigen 9 Baustellen-Plättchen werden ungesehen in die Schachtel zurückgelegt.

Die Bonus-Spielmarken kommen auf bestimmte Felder des Spielbrettes, jeder Spieler erhält eine Plotkarte zum Start und die Figuren einer Farbe – zwei Figuren als Spielfiguren, die dritte als Punktezähler. Die vierte Figur wird nur im Zweierspiel verwendet.

Der Startspieler wird zufällig bestimmt, dann setzen die Leute reihum ihre beiden Figuren auf leere Felder auf dem Spielbrett. Dann beginnt das eigentliche Spiel, bei dem immer dieselben Aktionen erfolgen.

Zunächst würfelt man mit beiden Würfeln, wählt anschließend einen der Würfel und eine der Spielfiguren und zieht genau so viele Felder wie der Würfel anzeigte. Dabei darf man einen Weg nicht zweimal im selben Zug begehen und nicht auf einem besetzten Feld landen. Wer seinen Zug auf einem Hafenfeld beendet, erhält dafür eine Handelskarte.

Anschließend setzt man (als 2. Aktion) einen Baustein in einen der Bezirke, die an die soeben bewegte Spielfigur angrenzen. Wenn der Bau hiermit noch nicht abgeschlossen wurde, erhält man so viele Punkte wie auf dem Bauplatz noch frei sind. Wenn der letzte Baustein gelegt wird, wird stattdessen das Plättchen umgedreht, und man erhält so viele Punkte, wie auf der Vorderseite angegeben werden. Wenn das Bonusplättchen dieses Bezirks noch vorhanden ist (jeder Bonusplättchen gehört zu mehreren Bezirken), erhält der Spieler, der dass Gebäude vervollständigte, auch dieses.

Außerdem erhalten alle Spielfiguren, die sich neben dem Bezirk befinden, wo der Bau fertiggestellt wurde, eine Plotkarte (Handmaximum 3). Mit diesen Plotkarten kann man nämlich verschiedene Effekte erreichen, zum Beispiel zusätzliche Prestigepunkte erwerben, wenn man bestimmte Gebäude fertigstellt, sich ansehen, welche Gebäude da eigentlich erstellt werden, Bestechungsmarker loswerden etc.

Zusätzlich gibt es noch Sonderfälle, wenn man einen Pasch würfelt (man darf auch Wasser- und Expresswege verwenden und auf einem bereits besetzten Feld den Zug beenden), oder bei einer Summe von 7 (man kann sich bestechen lassen und für einen Bestechungsmarker einen weiteren Baustein setzen oder eine Handelskarte ziehen).

Wenn ein Spieler in seinem Zug nicht beide Aktionen ausführen kann, darf er gar nichts tun und muss stattdessen eine Spielfigur vom Spielbrett nehmen. Das geschieht vor allem gegen Ende, wenn bereits viele Gebäude fertiggestellt wurden.

Das Spiel endet sofort, wenn am Ende eines Zuges alle Gebäude fertiggestellt wurden, einer der Spieler keine Spielfigur mehr in der Stadt hat oder keine Handelskarten mehr im Stapel sind. Die Runde wird also nicht mehr zu Ende gespielt. Jeder Spieler erhält dann zu den bereits auf dem Spielbrett markierten Prestigepunkten noch Punkte für Handelskarten (je mehr verschiedene, desto mehr Punkte) und ggf. für Plotkarten. Dann werden noch die Punkte der Bestechungsmarker abgezogen (und der Spieler mit den meisten Bestechungspunkten verliert noch einmal zusätzlich 5 Punkte), wer dann die meisten Prestigepunkte hat, hat gewonnen.

Das klingt nach einem ziemlich taktischen Spiel mit großer Tiefe, aber… leider ist es das nicht. Man würfelt, läuft eher zufallsgesteuert durch die Gegend, und irgendwann ist das Spiel zu Ende. Man hat kaum eine Chance mit seinen Zügen den Mitspielern wirklich ihre Pläne zu zerschießen und hat eigentlich nur die Wahl, ob man sich bestechen lässt oder nicht. Bestechen ist zu Beginn eher harmlos – es gibt Plotkarten, mit denen man alle aktuellen Bestechungsmarker ablegen kann -, gegen Ende des Spiels aber extrem ungünstig. Gegen Ende muss man dann noch abschätzen, was man noch machen kann und ob man noch einmal dran kommen wird, bevor das Spiel zu Ende ist.

Die Altersangabe auf der Schachtel (8+) erscheint mir fast ein wenig hoch gegriffen für dieses Spiel, die Zeitangabe (45 Minuten) dahingegen recht korrekt. Allerdings ist es sicher kein Spiel für Vielspieler, sondern ein Spiel für den Gelegenheitsspieler, der keine hohen Ansprüche stellt. Kindergeburtstag, Familientreffen, Freistunde in der Schule – das sind die Begriffe, die mir als Einsatzmöglichkeiten für dieses Spiel einfallen

Hersteller Ideal Editions
Autor Bruno Cathala
Spieler 2-4
Denken 5
Glück 8
Geschicklichkeit 0
Preis ca. € 26,80

 

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