Essentielle Charakteristika

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EssenceEssence

Das Konzept der "Einschätzungsspiele“ ist ja nicht unbedingt neu – allerdings haben in der Vergangenheit viele dieser Spiele vor allem eines gemeinsam: Sie wiederholen sich sehr schnell. Das ist zumindestens ein Problem, das Essence nicht hat – schon die 343 "Begriffskarten“ (aus den bereichen Eigenschaft, Wert und Quelle) sorgen für Abwechslung, und durch die verschiedenen "Wegekarten“ müssen die Spieler auch verschiedene Aspekte der Begriffe einschätzen – es ist ja ein Unterschied, wenn man schätzen muß, wie sehr eine Eigenschaft auf einen bestimmten Spieler zutrifft, oder auf welchen Spieler am ehesten.Die Tippabgabe erfolgt bei Essence mit sogenannten "Tippkarten“ – sie zeigen Zahlen von 1 bis 7, mit denen man je nach Wegkarte eine Karte, einen Spieler oder einen Grad bestimmt. Die Karten sind übrigens sehr schön gestaltet, in den 7 Regenbogenfarben und jeweils mit einem "Archetypensymbol“ (so würden es die Rollenspieler unter uns wohl einordnen). Außerdem hat jede Farbe auch eine eigene Nummer – so kann man eben auch die Spieler als Zahl von 1-7 eindeutig benennen.

Das Spielziel variiert je nach Spieleranzahl – man muß eine bestimmte Anzahl "Münzen“ und "Essenzpunkte“ (Sets aus allen drei Kategorien von Begriffskarten) sammeln. Damit man die bekommt, muß man richtig schätzen, und das in ganz unterschiedlichen Fragestellungen (denn jede Fragestellung verteilt die Belohnungen für richtiges Einschätzen anders, und nicht nur an den aktiven Spieler, sondern auch an die anderen). Also schleicht sich irgendwann auch ein kleines taktisches Element mit ein – zumindest für die, die "unbedingt“ gewinnen wollen – das ist zugegebenermaßen bei Essence vielleicht nicht das Hauptaugenmerk.

Was auf jeden Fall bei einer Spielrunde Essence passiert, ist, daß man mehr über die Mitspieler erfährt – während der einzelnen Spielrunden wird auch von ganz alleine über die Werte auf den Karten diskutiert und philosophiert, man entdeckt Parallelen, erfährt mehr über die Mitspieler – vor allem über deren Wertevorstellungen, was besonders wichtig ist, was eher nicht. Das einzuschätzen kann manchmal knifflig sein – vor allem wenn einmal ähnliche Begriffe auftauchen, oder auch wenn ein Begriff erscheint, der durchaus auf mehrere Anwesende gut zutrifft.

Welchen "Lohn“ man erhält, hängt einerseits von der Fragestellung ab, dann davon, ob man gerade an der Reihe ist oder "nur“ abstimmt, und dann auch noch von den Mehrheitsverhältnissen. Da man zum Gewinnen alle Belohnungen in irgendeinem Maße braucht, sollte man auch möglichst verschiedene Wegekarten spielen (der aktive Spieler hat immer zwei zur Auswahl). Hierbei ist es schon sinnvoll, ehrlich zu antworten – denn meist ist es wichtig, daß die Mitspieler das schätzen, was man selber legt, um Karten oder "Münzen“ zu bekommen.

Das Material ist insgesamt eher schlicht, aber dafür schön gehalten, und paßt gut zu dem durchaus etwas esoterischen Touch, den Essence gegenüber anderen Spielen des Genres hat. Auch die Auswahl der Begriffe ist schon eher aus der Schiene Selbstfindung – Transzendenz anzuordnen als bei anderen ähnlichen Spielen. Aber gerade das macht wohl den Reiz des Spieles aus. Zu beachten ist außerdem, daß die Karten allesamt zweisprachig sind – in Deutsch und Englisch, und manchmal sind mehrere Begriffe in einer Sprache genannt, die nicht genau dasselbe bedeuten, aber durchaus so übersetzt werden können – hier sollte man jeweils das für sich besser passende nutzen.

​Insgesamt ist Essence ein sehr schönes, "anderes“ Spiel – wobei die Spieldauer zwar sehr variabel angegeben ist, bei uns aber eher im oberen Ende (also in Richtung 2 Stunden) ging. Das mag aber sicher auch an den jeweiligen Erklärungen und kleinen Diskussionen gelegen haben, die während des Spiels ganz gewollt aufkommen. Auf jeden Fall macht es Spaß, und an lernt seine Mitspieler vielleicht mal von ganz anderer Seite kennen. Der Glücksfaktor ist schön gering – es kann höchstens vorkommen, daß ein Begriff leichter zuzuordnen ist als ein anderer, das ist aber von der Konstellation der Spieler abhängig.

Hersteller Spieltrieb
Autor Claas Fischer
Spieler 2-7
Denken 7
Glück 2
Geschicklichkeit 0
Preis ca. € 34,80

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