Rabensang

Satinavs Ketten

Andergast ist ein kleines Land im Nordwesten von Aventurien, dem "Heimatland“ des Rollenspielsystems "Das schwarze Auge“. Von den Aventuriern – und auch von den DSA-Spielern – eher als hinterwäldlerisch und rückständig belächelt, war und ist es für viele dennoch die Gegend, in der man die ersten Schritte auf aventurischem Boden unternommen hatte – der Wald ohne Wiederkehr ist ein gutes Beispiel für "early Adopters“, aber auch heutzutage wird Andergast als Startgebiet für Neulinge empfohlen.

Hier wohnt auch Geron, der weder einhändig noch ein großer Krieger ist, sondern ein einfacher Vogelfängerlehrling – und der von den Mitbürgern gemieden wird, weil er Pech bringen soll. Da haben sie vielleicht nicht ganz unrecht, aber aus ihnen unbekannten Gründen: Geron hat eine minimale magische Begabung, mit der er zerbrechliche Gegenstände auf Abstand tatsächlich zerbrechen lassen kann. Der schwarzhaarige Geron soll, so der Aberglaube, das Ende bringen, und laut einer Vorhersage eines Sehers – der auf dem Scheiterhaufen geendet war, weil er schwarzmagische Untaten beging – am Ende für den Untergang Andergasts verantwortlich sein.

Aber zu Spielbeginn ist das alles eher nachrangig, wenn man davon absieht, dass Geron hierdurch auch ein beliebtes Mobbing-Opfer zu sein scheint. König Efferdan hat nämlich einen Wettbewerb unter der Jugend ausgerufen, und Geron findet sich mit dem Kopf im Wassertrog wieder, wo er einem Mitbewerber Fragen beantworten soll. Diese amerikanischen Methoden sollte man aber nicht allzu wichtig nehmen, denn im Laufe des Abenteuers geht es teilweise wesentlich gemeiner zu.

Wichtiger ist, dass Andergast zur Zeit unter einer Krähenplage leidet. Die Krähen sollten vertrieben werden, und dafür hat man natürlich einen Vogelfänger nötig. Sprich: Geron und sein Lehrmeister Gwinnling scheinen die angewiesenen Helfer zu sein. Gwinnling – der kurz darauf der erste Todesfall in dem Abenteuer sein wird – schickt Geron auf die Jagd nach einer Fee – die auch gleich mit dem Vorurteil aufräumt, Feen seien klein und geflügelt, denn Nuri ist so groß wie Geron, und Flügel hat sie auch keine.Aber das Feentor in ihre Heimat ist verschlossen, und obwohl sie wiederholt sagt, dass sie sowieso nicht nach Hause wolle, setzt Geron alles daran, um die Krähen zu vertreiben, genau dieses dennoch durchzuführen: Ein Rabe stachelt ihn noch dazu an.

So begeben Geron und Nuri sich auf eine Reise, die erst in die Blutzinnen und dann nach Enqui und in die Svellttaler Sümpfe führt, bevor Geron auf dem Weg über die Heimat Nuris ins winterliche Andergast zurückkehren kann, wo eine wahre Heldentat auf ihn wartet.

Das ganze wird in einem wunderschön gestalteten Point-and-Click-Adventure ungesetzt. Diese Computerspielform, die früher gang und gäbe war, ist heutzutage leider etwas aus der Mode gekommen, deshalb eine kurze Erläuterung. Manche Gegenstände und Personen auf dem Bild kann man anklicken – Personen reden dann mit einem, Gegenstände werden dann entweder verändert (Kurbeln gedreht, Türen geöffnet etc.) oder aufgenommen und ins (grundsätzlich unbegrenzte) Inventar genommen. Man kann auch Gegenstände miteinander kombinieren – Ein Tabaksbeutel und eine Kette formen unter Umständen einen netten Hut, um ein Beispiel zu nennen.

Wie bei Computerspielen üblich, ist der gesamte Verlauf natürlich ziemlich linear, und wenn man etwas "sinnloses“ tun will, erhält man auch entsprechende Kommentare. Allerdings kann man höchstens wegen Mangels an Ideen in eine Sackgasse geraten – es gibt keine Methode, eine Aufgabe unlösbar zu machen, indem man beispielsweise einen Gegenstand wegwirft, den man noch braucht. Alles anklicken, alles mit allem kombinieren, mit allen Leuten über alles sprechen, das sind also die Methoden, mit denen man die Aufgaben, die sich einem stellen, lösen lassen. Sogar wenn man irgendwann im Abenteuer das Gefühl hat, betrogen worden zu sein und dass soeben alles schief gegangen ist, gibt es keinen Grund zu verzweifeln. All diese Details sind selbstverständlich eingeplant und bringen die Geschichte weiter auf ihrem Weg.

Zwei "vereinfachende“ Einstellungen machen das Spielen auch für den Anfänger noch einfacher. Zum einen gibt es einen Knopf, mit dem man alle Punkte auf dem Bildschirm anzeigen lassen kann, mit denen man etwas tun kann (die Anzeige verschwindet nach wenigen Sekunden auch wieder), so dass man nicht unnötig lange nach versteckten Gegenständen sucht, in der Annahme, dass man nur den richtigen Pixel noch nicht getroffen hat. Zum anderen kann der Mauszeiger, wenn man einen Gegenstand mit einem anderen (oder einer Stelle auf dem Bildschirm) kombinieren will, leuchten, wenn die Kombination sinnvoll ist und für den weiteren benteuerpfad notwendig.

Mit diesen beiden Hilfen wird das Abenteuer allerdings auch recht einfach und schnell zu lösen – ich habe insgesamt eine Spieldauer von neun Stunden hinter mir gehabt, als ich die Endsequenz sah. Und auch diese Endsequenz hätte für meinen Geschmack deutlich ausführlicher sein dürfen – aber das scheint ein Phänomen bei allen DSA-Computerspielen zu sein.

Was es nicht gibt, verglichen mit zum Beispiel Drakensang, sind Fallen, in die man tappt, wenn man eine illegale Kopie verwendet. Allerdings: eine illegale Kopie dürfte sowieso Probleme haben – das Spiel wird zwar normalerweise von einer DVD installiert, aber über Steam registriert. Das macht es natürlich für viele Spieler unintgeressant, denn ob man Steam wirklich auf seinem Rechner haben will, ist eine Sache, die man sich gut überlegen sollte.

Außerdem: auch wenn es zur Zeit nicht so aussieht, ist natürlich immer möglich, dass Valve eines Tagen dicht macht, oder nur die Steam-Server dicht macht, und dann hat man nichts mehr an dem Spiel. So gab es bereits am Veröffentlichungstag Probleme, weil die Steam-Server das Spiel erst mit ziemlicher Verzögerung freigaben. Die Bedenken vieler, was den Datenschutz angeht, lasse ich hierbei noch außen vor.

Alllerdings erhält man über Steam dann auch eine gute Übersicht, wie lange man bereits in dem Spiel unterwegs ist. Die von mir oben genannten neun Stunden waren die Angabe, die Steam im Programmfenster angab, als ich das Spiel beendet hatte.

Was mir richtig gut gefallen hat, war auch der Soundtrack. Nie aufdringlich, aber immer die Stimmung der Szene unterstützend, und auch, wenn man "mal irgendwo nicht weiter kam, nicht auf die Nerven gehend. So mag man es :) Den Soundtrack kann man sicher auch (in ein paar Jahren, wenn die Spieler sich nicht mehr an das Abenteuer erinnern) als Hintergrundmusik für eigtene Rollenspielsitzungen einplanen.

Hat mir das Spiel gefallen? Ja, es war stimmig und gut. Hätte ich es mir gekauft, wenn ich es nicht als Rezensionsexemplar erhalten hätte? Wohl eher nicht, eben wegen Steam. Wahrscheinlich hätte ich dann gewartet, bis es zu einem deutlich niedrigeren Preis ohne DRM verkauft wird. Dann wäre auch die Spieldauer relativ zum Preis wohl einigermaßen angemessen. Fast 35 Euro für die DVD-Version (die Download-Versionen liegen auf ähnlichem Niveau – von 30 bis 40 Ueor habe ich alles gesehen) fand ich persönlich doch ziemlich viel für die Spieldauer. Die Collectors Edition für fast 60 Euro hat zwar eine Menge Zusatzmaterial, aber immer noch…

Achja, weil manche Leute auch das wissen wollen: die Jugendfreigabe ist – wieder einmal – ein wenig zum Glücksspiel geworden. Die paneuropäische Einordnung PEGI sieht Satinavs Ketten auf 16 Jahren, due USK hat eine Freigabe ab 12 vorgegeben. Das könnte natürlich auch an einer Szene liegen, die auf Amazon zu finden ist, und die die Freigabe auch hochziehen würde, die aber im Deutschen Content anscheinend nicht zu finden ist. Auf der Webseite von PEGI, auf der man normalerweise auch die Einstufung der Spiele ansehen kann, ist Satinavs Ketten jedenfalls nicht zu finden.

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