Tagebau

forplaThe Forgotten Planet

Wenn man der Science Fiction glauben darf, ist Energieknappheit eine universale Konstante. Nicht einmal die Flotte der LFT bei Perry Rhodan, die ja mit dem Hypertropzapfer, dem Nug-Schwarzschild-Generator und dem Daellian-Meiler scheinbare unbegrenzte Energie zur Verfügung haben, können sich immer darauf verlassen, dass die Energie auch gerade gewonnen werden kann. Andere Science-Fiction-Universen haben es da noch schwerer. Gut, dass es da alternative Energiekristalle gibt, die auf weit abgelegenen Planeten gefördert werden können – wenn man sich ihrer bemächtigen kann und nicht von Konkurrenten dass Wasser abgegraben bekommt.

Genau um dieses Problem geht es bei The Forgotten Planet: Auf einem lange vernachlässigten Planeten wurden Energiekristalle in rauen Mengen gefunden. Und wie 1849 in Amerika auf der Suche nach Gold, entspinnt sich ein Kampf zwischen den schnellsten, wer die Vorräte abbauen kann.

In der Schachtel (mehr zum Äußeren gleich) finden sich die folgenden Teile:

  • 28 Roboterfiguren (je 7 in rot, gelb, grün und schwarz – den Spielerfarben)
  • 140 Spielermarker (je 35 in den Spielerfarben)
  • Plättchen, die das Gelände darstellen: 16 Basisplättchen, je 8 Minenplättchen in drei Farben, 4 Spezialminenplättchen, 72 neutrale Bodenplättchen
  • Siegpunktmarker: 5 x Wert 6, 11 x Wert 2
  • Abstandshalter/-lineale in den Längen 5 (fünfmal) und 3 (viermal)
  • 4 Eckenplättchen
  • je 20 Rohstoffmarker in blau, braun und weiß
  • ein sechsseitiger Würfel
  • 28 Mauerstücke
  • Spielregel mit Regeln in Englisch, Französisch, Deutsch und Italienisch

Die Marker und Roboter sind aus Holz – runde Scheiben für Spielermarker, kleine Holzwürfel für Rohstoffe, die Roboter erinnern mich an das Ampelmännchen – das stehende, wohlgemerkt. Auch die Mauerstücke sind aus Holz – aus demselben braunen Holzmaterial wie die braunen Energiemarker, aber wesentlich länger. Der Würfel ist ein ganz normaler W6, den man so auch in hunderten anderer Spiele findet.

Die Plättchen sitzen bei Auslieferung in Stanzbögen – und hier habe ich das erste Mal erlebt, dass die Plättchen gleichzeitig zu fest und zu locker in den Bögen saßen: Teilweise waren die Verbindungen so schwach, dass man die Bögen nur stückweise hochheben konnte, andererseits saßen in diesen Stücken dann die Plättchen wieder so fest aneinander, dass man sehr vorsichtig sein musste, um die Plättchen ohne Spuren voneinander zu trennen.

Auch die Spielregel zeichnet sich dadurch aus, dass man zwar einige Schemazeichnungen von Spielständen findet, aber keine stimmungsvolle Öffnungsillustration oder ein farbiger Seitenhintergrund. Die Regel wirkt wie eine Regel, die einem Spiel der 50er, oder 60er Jahre beigelegen haben könnte.

Das scheint Programm zu sein: Auch die Spieleschachtel sieht auf den ersten Blick aus wie etwas, was man eher im Antiquariat finden würde – und genau hierdurch fällt das Spiel dann im Spieleladen auf.

Das Spiel wird immer auf einem "Szenario“ gespielt, das heißt, auf einem vorher festgelegten Gebiet, das mit den Abstandhaltern, Eckstücken und ggf. (für Diagonallinien) umgedrehten Bodenplättchen markiert wird. Auf diesem Gebiet befindet sich pro Spieler eine Basis, sowie eine oder mehrere Spezialminen. Alles weitere muss entdeckt, gebaut und/oder erobert werden.

Ein Zug eines Spieler besteht immer aus denselben 4 Phasen:In der ersten Phase werden alle Roboter, die sich nicht mehr im Kontrollbereich des Spielers befinden, ausgeschaltet (die Figur wird hingelegt), der Spieler erhält 3 Punkt Energie plus je einen weiteren Punkt für je sieben komplette Bodenplättchen des eigenen Gebiets (einschließlich Basis und Minen).

In der zweiten Phase wird die Energie (und eventuell Rohstoffe) dazu verwendet, Aktionen durchzuführen. Hierzu gehören die Bewegung des Roboters (1 Energie für bis zu 3 Felder, beliebig oft wiederholbar), der Bau einer neuen Basis (3 Energie und drei verschiedene Rohstoffe), das Legen eines neuen leeren Bodenplättchens (1 Energie), der Bau einer Mine auf einem bislang leeren Rasterfeld (1 Energie, welchen Rohstoff die entstehende Mine produziert, wird gewürfelt, wobei 1/3 Chance ist, dass man gar nichts findet und nur ein leeres Plättchen erscheint), der Bau einer Mauer (1 Energie und ein beliebiger Rohstoff), das Verschieben einer Mauer, die Selbstzerstörung eines Roboters, Produktion eines zusätzlichen Roboters, Umwandlung von Energie in Rohstoffe zum Kurs 4 Energie => 1 Rohstoff, Speichern von Energie für einen späteren Zug, Vernichtung von Bodenplättchen aus dem Reservestapel (um das Spiel zu verkürzen), und verkauf von Rohstoffen für Siegpunkte.

All diese Aktionen haben das Ziel, in der folgenden dritten und vierten Phase den Einfluss des Spielers auf dem Spielfeld zu erhöhen. Jedes Plättchen unterliegt der Kontrolle des Spielers, der von der Basis aus den kürzesten Weg zum Plättchen hat, wobei Mauern im Weg herum stehen und umgangen werden müssen. Dies wird in der dritten Phase kontrolliert und angepasst.

In der abschließenden Phase produzieren alle Minen des Spielers am Zug so viele Rohstoffe einer bestimmten Farbe, wie auf ihnen Roboter stehen.

Das Spiel endet, wenn am Ende des Zuges eines Spielers der gesamte Spielbereich mit Bodenplättchen gefüllt ist, oder wenn das letzte Bodenplättchen aus dem Vorrat gelegt oder zerstört wurde.

Am Ende des Spiels werden die Siegpunkte abgerechnet. Es gibt Siegpunkte für kontrollierte Felder und Spezialminen, für verkaufte Rohstoffe, sowie Bonuspunkte für jeweils den Spieler, der die meisten normalen Minen, Roboter im Spiel und Basen hat. Bonuspunkte werden ggf. gleichmäßig auf alle Spieler, die qualifizieren, aufgeteilt.

Sieger ist, wer die meisten Siegpunkte besitzt. Bei Gleichstand, siegt unter diesen der Spieler mit den meisten Rohstoffen. Ist auch hier noch ein Gleichstand, gibt es mehrere Sieger.Das Spiel ist ein klassisches Aufbau-Konfliktspiel. Durch die Möglichkeit, mit Mauern Bereiche für den eigenen Einfluss zu "reservieren“, kann man versuchen, sich einen Vorteil zu schaffen, den man längere zeit ausnutzen kann, aber das geht wiederum auf Kosten der Beweglichkeit und Eroberung neuer Gebiete. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Taktiken, die je nach Gebiet und Entwicklung mehr oder weniger Erfolg versprechen, so dass durch das ständig veränderliche Spielfeld keine zwei Spiele gleich verlaufen.

Es ist möglich, dass ein Szenario so ungleich gewichtet ist, dass der Sieg vorherbestimmt ist, oder dass eine bestimmte Taktik die einzig sinnvolle ist / zu sein scheint. Im Szenariovorschlag für zwei Spiele hat beispielsweise der erste Spieler einen großen Vorteil, wenn er als erster die Kontrolle über die Spezialmine erwerben kann. In anderen Spielen kann es besser sein, abzuwarten, bis sich die Mitspieler in die Wolle kriegen und sich selbst heraus zu halten so weit es geht. Andererseitrs kann man dadurch, dass man ein passendes Szenario baut, verschieden starke Spieler dennoch auf gleicher Ebene gegeneinander spielen lassen.

The Forgotten Planet ist sicher kein Spiel für einen Familienabend, oder für Gelegenheitsspieler, sondern deutlich für den erfahrenen Spieler. Mit Erfahrung kann man dann auch ausgewogene Szenarien bauen, die auf mehr herauslaufen als nur ein Wettrennen um eine bestimmte Ressource. Und dann kann The Forgotten Planet wirklich ein schönes Spiel sein.

Und noch etweas besonderes: Während es auch zu dritt und viert spielbar ist, ist es am taktisch interessantesten, wenn man es zu zweit spielt.

Hersteller Giochix
Autor Michele Quondam
Spieler 2-4
Denken 9
Glück 5
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 31,30 €

The Forgotten Planet bei Amazon

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