Memoquartett

wifWorld in Four

Ein sehr großes Land, was die Spielkultur betrifft, ist Südkorea. Auf der Spiel war Südkorea das erste Land, das dauerhaft einen "Länderpavillon“ einrichtete, ein gemeinsamer Stand von vielen vollständig unabhängigen Verlagen – eine Idee, an die sich inzwischen einige andere Länder angeschlossen haben. In Korea gibt es dedizierte Brettspiel-Cafés, in denen man Spiele ausleiht und spielt, und in denen der Verzehr eher Nebensache ist – und es gibt Verlage, die regelmäßig offene Spieleabende haben, um Prototypen zu testen. Die Spiele, die aus Korea kommen, haben allgemein den Ruf, auf Ggelegenheitsspieler ausgerichtet zu sein, wenn man von einzelnen Ausnahmen absieht.

Einer der koreanischen Verlage, die bereits am längsten in Essen dabei sind, dürfte wohl Gemblo sein, der vor allem durch das Spiel mit demselben Namen bekannt ist, das jedes Jahr wieder die Augen vieler auf sich zieht. Aber der Verlag bietet mehr, so zum Beispiel in diesem Jahr World in Four, ein Spiel um Länder, Flaggen, Hauptstädte etc.

Die Schachtel ist relativ klein, und man fühlt schon, dass da mehr drin ist als in einem normalen Spiel. Man findet hier

  • 54 Länderkarten – 13 Länder mit 4 Karten plus zwei für Südkorea
  • 4 Kartenhalter
  • die Spielregel in Englisch und Koreanisch

Die Kartenhalter entsprechen den runden Scheiben, die man hierzulande käuflich erwerben kann. Der Link zum Amazon-Angebot einzelner Kartenhalter (die dem mitgelieferten ziemlich ähnlich sehen) kommt allerdings nicht von ungefähr: in unserem Rezensionsexemplar des Spiels waren gleich zwei der vier Doppelscheiben bereits kaputt, als wir die Schachtel das erste Mal öffneten. Die Qualität der Karten war hingegen vernünftig, die Spielregel auf Englisch kann man auch hier finden.

Die Regeln sind nicht sonderlich deutlich, beim Spielen sind wir über eine Reihe von Fragen gestolpert. Im folgenden beschreiben wir erst einmal, wie sich das Spiel aus den Regeln erschließt.

Das Spiel ist sozusagen eine Kreuzung aus Quartett und Memory. Jeder Spieler erhält 12 (bei 4 Spielern 10) Karten, 14 werden verdeckt ausgelegt – bei drei Spielern bleibt ein Land draußen, bei zwei Spielern drei.

Wer an der Reihe ist, hat zwei Aktionen durchzuführen. Zuerst dreht er eine der ausliegenden Karten um. Wenn jetzt einer der Spieler meint, mit der Karte und seinen Handkarten ein Quartett bilden zu können, meldet er sich und versucht es. Klappt das nicht, muss man nicht nur die Karte wieder umdrehen, sondern auch noch eine Handkarte zusätzlich ablegen.

Als zweite Aktion fragt man dann einen Mitspieler nach einer Karte eines Quartetts – entweder, indem man den Namen des Landes nennt, oder die Nummer. Wenn der gefragte eine der vier Karten hat, muss er sie abgeben, und der fragende Spieler darf gleich noch einen Zug ausführen. Wenn nicht, ist der gefragte dran.

Das Spiel endet, wenn alle Spieler keine Karten mehr haben. Für die Quartetts 1-5 gibt es 5 Punkte, für die weiteren (6 – 13) gibt es so viele Punkte wie die Nummer des Quartetts ist. Wer die meisten Punkte hat, hat gewonnen. Die Formulierung der Regel war hier ziemlich undeutlich, aber wir interpretierten sie so…

Das Spiel war gleich in mehreren Punkten undeutlich: Zum einen stellte sich die Frage, ob ein Quartett, von dem zu Spielbeginn bereits zwei Karten in der Auslage liegen, hierdurch bereits nicht schaffbar wird. In unseren Spieletests sind wir, nach mehreren ziemlich frustierenden Runden, dazu übergegangen, dass man mit seinen Handkarten, der umgedrehten Karte und weiteren umzudrehenden Karten, bei denen man sich aber nicht vertun darf – eben wie bei Memory ein Quartett bilden muss. Zum anderen war die Frage, was geschieht, wenn man durch Abfragen bei Mitspielern ein Quartett komplett auf die eigene Hand erhält. Hier haben wir beschlossen, dass auch ein derartiges Quartett als komplett ausgelegt werden darf.

Ein Sonderfall ist Süd-Korea: Von diesem Land gibt es nur zwei Karten. Wir haben es so gehandhabt, dass dieses Paar zwar ausgelegt werden kann, aber keine Punkte bringt, sondern nur bei einem eventuellen Punktegleichstand als "Zünglein an der Waage“ zählt.

Auch haben wir die Regel, dass man noch eine Karte in die Auslage ablegen muss, ignoriert – was auch im Video auf BoardGameGeekTV so gehandhabt wurde. Das zusätzliche Ablegen machte den Teil des Spiels, bei dem man in der Auslage fehlende Quartettkarten aufdecken musste, noch schwieriger. Dafür konnte man aber, wenn man sicher war, dass alle vier Karten in der Auslage liegen, sich auch melden, sobald eine der vier Karten umgedreht wurde – was bei 14 Karten in der Auslage und vier Spielern extrem selten vorkam, aber eben nicht vollkommen unmöglich war. Dass aus mindestens einem Quartett mehr als eine Karte in der Auslage lag, war aber eigentlich immer der Fall – alles andere wäre auch unwahrscheinlich gewesen.

Das Spiel spielt sich wie das genannte ungeliebte Bastardkind von Quartett und Memory – wobei ich zugeben muss, dass beide Spiele auch in der Testrunde nicht unbedingt Beliebtheitspreise gewinnen würden. Für Freunde beider Spiele könnte es aber ganz interessant sein, durch die Kombinbation der veschiedenen Mechanismen.

Schön sind die Kartensets: zu den Ländern USA, China, Indien, Japan, Deutschland, Russland, Brasilien, Vereintes Königreich, Frankreich, Italien, Mexiko, Spanien und Kanada gibt es je eine Karte mit der Flagge, eine Landkarte des Landes mit Provinzen/Teilstaaten, die Hauptstadt und eine Sehenswürdigkeit. Allerdings fielen mir gerade beim deutschen Satz zwei Details auf. Wieso gerade der Aachener Dom als Sehenswürdigkeit gewählt wurde, erschließt sich mir nicht so recht – Brandenburger Tor, Kölner Dom, Reichstagsbau, Neuschwanstein dürften international deutlich bekannter sein. Und die Karte, die den Standort Berlins darstellen sollte, ist bei ein wenig Nachdenken zu identifizieren als der Standort Hamburgs…

Gefunden haben wir World in Four bislang nur bei uplay.it, wo es noch als "zukünftiges Spiel“ bezeichnet wird. Laut BoardGameGeek ist es aber bereits seit September erhältlich.

Hersteller Gemblo Inc.
Autor Justin Oh
Künstler B.H. Ahn
Spieler 2-4
Denken 6
Glück 6
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 19,95 €

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