Von Waldmöpsen und Waldmenschen

myrmonMyranische Monstren

Ein "Standardwerk“ zu jedem Rollenspielsystem ist eine Sammlung von Tieren und Monstren mit Spielwerten für das entsprechende System. Sogar das alte Marvel Super Heroes RPG hatte so etwas – auch wenn damals anstelle von Tieren und Monstren Charaktere des Marvel-Universums (vor allem Superschurken) in den Bänden zu finden waren. Bei Systemen, bei denen man sich auch mit "normalen“ Tieren auseinandersetzen muss (wie beispielsweise bei den meisten Fantasy-Systemen) findet man hier in der Regel auch einen Teil über eben diese normale Tiere, ebenfalls mit Spielwerten – und mit Werten und Regeln zum Zusammenleben von Mensch und Tier.

Genauso sieht es bei Myranische Monstren aus, dem Monsterhandbuch zu Myranor. Myranor bezeichnet nicht nur einen Regelsystem-Ableger vom Schwarzen Auge, sondern auch eine der möglichen "Spielwelten“ – was bei DSA meist als anderer Kontinent verstanden werden kann wie auch Uthuria oder das Riesland. Nur die Dunklen Zeiten der gleichnamigen Box sind von den anderen nicht durch Entfernung auf dem Planeten sondern durch einen zeitlichen Abstand getrennt.

Der Band ist, wie für Myranor und DSA üblich, ein Hardcover, und wirkt auf den ersten Blick dünner, als er ist: Die über 200 Seiten sieht man ihm wirklich nicht an. Das Papier mag dünn sein (sonst würden die 200 Seiten ja nicht in einen so dünnen Einband passen), aber es fühlt sich hochwertig an, ist gut zu greifen und glänzt nicht allzu stark.

Anders als die meisten Kern-DSA-Bände sind die Myranor-Bände durchgängig farbig, und das gilt auch für diesen Band. Das heißt, dass die Zeichnungen der Monstren (die Liste der Lieferanten der Bilder ist ziemlich lang) alle farbig sind, und die Monstren plastisch hervortreten lässt. Neben den Bildern der Wesen bieten die Beschreibungen aber noch ein farbiges Schaubild: ein Kartenauszug der myranischen Landkarte, auf der das Verbreitungsgebiet der Wesen gut zu sehen ist. Das habe ich meines Wissens in dieser Form noch in keinem anderen Monsterhandbuch gesehen, ist aber eine sehr übersichtliche Methode – wenn ich ein bestimmtes Wesen in einer Kampagne verwenden will, kann ich so viel besser einschätzen, wie weit meine Helden gerade von der Gegend entfernt sind, als wenn ich erst eine Landkarte herauskramen muss um nachzusehen, was "ein Gebiet zwischen den Blauseufzersümpfen im Norden, der Korahsia im Süden, den Karenbergen im Westen und dem Kleinen Ebersee im Osten“ genau bedeutet.

Die Monstren in dem Band sind auch dem myranischen Thema entsprechend meist ziemlich ausgefallen, aber glaubhaft. Von großen Fangschrecken bis zu gefiederten Schlangen (Quetzalcoatl lässt grüßen), von Dinos über Riesenaffen bis hin zu fleischfressenden Schmetterlingen findet man interessante Gegner, die den Helden sicher das eine oder andere Kopfzerbrechen (nicht zu schweigen von anderen Brüchen) verursachen. Wie schon die Schmetterlinge zeigen, gibt es auch eher eigenartige Wesen (der teddybärige Alpschmeichler ist ein anderes Beispiel). Das einzige Wesen, das bei mir allerdings Augenrollen verursachte, ist der Waldmops, ein groß geratener Mops (bis zu 2 Schritt Schulterhöhe) mit kurzem, kräftigem Geweih.

Neben den Monstren gibt es noch einen (einleitenden) Teil mit Regeln zur Domestizierung von Tieren, Ausbildung, Jagd, Reiterkampf… Danach folgt erst ein Teil mit den Werten von normalen Tieren wie Bären, Luchsen oder Khardan (kleine Eichhörnchen)… Diese Tiere sind grob nach Gebieten eingeteilt, wobei manche, wie der genannte Khardan, auch mehrfach genannt werden – Eichhörnchen leben immerhin nahezu überall.

Einige der Wesen sind sehr interessant erdacht, wie zum Beispiel die Stachelpeitsche. Das ist eine Orchideenart, die Lebewesen, die sich ihr nähern, tötet und lagert. Nicht, weil sie sich direkt durch die Faulstoffe ernähren würde: Auf den Leichen entwickeln sich Maden, und diese wiederum stellen die Nahrungsquelle der Stachelpeitsche dar. Ein wenig erinnert das an die Silberspinnen und die Poggles aus Die Zukunft ist wild (wenn man die Wahl hat, empfehle ich die originale 13-teilige Dokufiktion der BBC, nicht die zusammengeschnittene deutsche Version oder die Zeichntrickversion).

Auch wenn man nicht auf Myranor spielt, kann man viele der hier beschriebenen Monstren gut gebrauchen. Mit ein klein wenig Mühe kann man sie auch in ganz anderen Systemen und Welten verwenden – viele der hier beschriebenen Monstren passen meiner Meinung nach genauso gut in eine Science-Fiction-Kampagne, besonders eine, in der neue Welten und seltsame Zivilisationen besucht und erforscht werden. Aber auch für eine Star-Wars-Kampagne sind viele der hier beschriebenen Wesen hervorragend geeignet – der Silberbulle oder das Tumulotherium sind nur zwei der Wesen, die ich mir dort auch gut vorstellen könnte.

Für einen Spielleiter von Myranor, aber auch für einen Spielleiter anderer Systeme, wäre dies eine gelungene Erweiterung des Materialbestandes – eventuell, so noch nicht vorhanden, auch als Geschenk.

Hersteller Uhrwerk
Autor Uli Lindner (Red.)
Spieler RPG
Denken RPG
Glück RPG
Geschicklichkeit RPG
Preis 40,- Euro / 60,- Euro (limitierte Ausgabe)

Myranische Monstren bei Amazon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.