Gummitwist

tacelasTactic Elastic

Einer der Hauptgründe, zur SPIEL nach Essen zu gehen, dürfte für viele die Möglichkeit sein, kleine Verlage kennen zu lernen, die normalerweise kaum aus dem eigenen Land heraus kommen, und ihre Spiele zu testen. Wo sonst kann man Spiele finden, die ansonsten nur in Litauen, Neuseeland, Japan, Korea, Schweden oder Belgien verkauft werden?

Belgien? Ja, auch belgische Verlage haben es manchmal äußerst schwer, international erfolgreich zu agieren. Obendrein ist Art of Games kein normaler Spieleverlag, sondern eher wie YodaGames in Deutschland ein Auftragshersteller, der in erster Linie Spiele für Spieleclubs, Fremdenverkehrsvereine, Firmen und so weiter herstellt. Und so ist auch nicht ganz klar, ob Tactic Elastic eine solche Auftragsarbeit darstellt oder eine Eigenentwicklung ist. Auf der Webseite von Art of Games wird es jedenfalls nicht als eigenes Spiel genannt.

In der Schachtel findet man folgende Teile:

  • eine Dose mit Gummiringen
  • ein Spielbrett mit 5 farbigen Stiften
  • zwei Drehräder
  • ein Brett auf dem Strafpunkte notiert werden können
  • vier Markierstifte
  • die Spielregel

Die Spielregel liegt in Französisch, Deutsch, Englisch und Niederländisch bei. Man kann sie aber auch auf Deutsch auf der Webseite des Spiels downloaden – wobei es sich hierbei um einen Scan zu handeln scheint, der anschließend mit einer OCR-Software behandelt wurde. Nur so kann ich mir jedenfalls erklären, dass beispielsweise "immer festhalten, bis er“ hier wiedergegeben wird als "immer-lestnaltjjjl;1l~.~is.lie.!er“. Glücklicherweise ist die Regel aber kurz und einfach genug, dass auch derartige Patzer leicht zu verschmerzen sind.

Die Gummiringe sind eine handelsübliche Packung von Maped, die man auch bei Amazon kaufen kann. Diese Ringe scheinen bei Maped farblich sortiert zu sein (vier Farben, jede eine andere Ringgröße), so dass eine Farbe auch gleichzeitig die Dehnbarkeit eines Ringes und die Schwierigkeit, mit ihm zu arbeiten, angibt. Man kann sie also nicht ohne weiteres durch andere Ringe ersetzen, aber glücklicherweise sind die Maped-Gummiringe ja auch nicht gerade exorbitant teuer.

Das Spielbrett macht auf den ersten Blick einen eher amateurhaften Eindruck, ist aber qualitativ deutlich besser als es zuerst den Anschein hat. Die beiden Farbräder werden einfach auf das Brett gesteckt – die Pins sind gleichzeitig die Drehachsen, und das funktioniert sehr gut.

Das Spiel läuft ziemlich einfach: zunächst wird über vier der Pfeiler jeweils der farblich passende Gummiring gelegt. Dann dreht jeder Spieler reihum die beiden Rädchen, um festzustellen, welcher Gummiring über welchen Pfeiler zu ziehen ist. Hierbei gibt es auch die Möglichkeit des Jokers – die freie Wahl, welchen Pfeiler man nehmen will – oder des Abgebens: Hierbei gibt man die Aufgabe, den Ring anzubringen, an den/einen Mitspieler ab.

Man hat immer nur einen Versuch, den Gummiring zu platzieren, und darf diesen, wenn man ihn erst einmal berührt hat, auch nicht mehr loslassen. Da man auch bereits platzierte Schlaufen nicht wieder von den Pfeilern entfernen darf, spannen die Gummis sich im Laufe der Zeit immer mehr, und irgendwann klappt der Versuch dann nicht mehr. Wann man einfach nur den Versuch aufgibt, gibt es einen Strafpunkt; wenn der Gummiring gar reißt, gibt es abhängig von der Farbe des Gummis eine ganze Menge derselben. Wenn ein Gummi zweimal nicht gespielt werden konnte ohne zu reißen, wird ein neuer Gummiring in derselben Farbe angebracht – der alte Gummiring bleibt aber auf den Pfeilern stecken, wo er die übrigen Ringe immer noch behindern kann.

Ein Spieler, der zehn Strafpunkte gesammelt hat, scheidet aus. Gewinner ist natürlich, wer als letzter noch übrig bleibt.

Dies sind bereits die kompletten Regeln. Schön überschaubar, und die Taktik ist auch deutlich, vor allem, wenn man mit mehreren Spielern zugange ist: die Gummiringe so ziehen, dass die Mitspieler sie nicht noch einmal um einen Pfeiler legen können. Wie auch bei Bumm Bumm Ballon ist dies aber ein wenig trügerisch: die Gummiringe sind dehnbarer als es den Anschein hat – und viel dehnbarer als man denken würde.

Der taktische Anteil des Spiels geht natürlich durch den Zufallsfaktor, welches Gummi man über welche Säule ziehen muss, weit zurück. Dennoch ist es alles andere als ein Selbstläufer, ob man eine bestimmte Kombination (noch) erfüllen kann – und die Art, wie man das Gummi um die Säule zieht, hat auch wieder direkten Einfluss auf die folgenden Herausforderungen.

Tactic Elastic ist ein Spiel, das wohl vor allem dem Gelegenheitsspieler gefallen wird – und mehr noch Kindern, obwohl es eine hohe Herausforderung auch für Erwachsene bedeutet, wenn die sich über den Eindruck hinwegsetzen, es handele sich hierbei um ein Kinderspiel. Mir hat es jedenfalls überraschend gut gefallen.

Herausgeber Art of Games
Autor Benoît Remy
Spieler 2-4, auch als 2-4 Teams
Denken 7
Glück 5
Geschicklichkeit 6
Preis ca. 29 €

Tactic Elastic bei Amazon

Ein Kommentar

  1. […] zweieinhalb Monaten besprachen wir das Spiel in diesem Blog. Zu der Zeit war es nur in Belgien erhältlich, Herausgeber ist ja […]

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