Aufgänge

SonneMondSonne und Mond

Wenn die Sonne oder der Mond aufgeht, ist das für manche Leute auch heute noch ein halbes Wunder. Seltsamerweise werden allerdings eher die Untergänge (besonders die Sonnenuntergänge) romantisch verklärt betrachtet, besonders wenn sie mit einer (eigentlich Schlechtwetter ankündigenden) Rotfärbung des Himmels einhergeht. Bei Sonne und Mond vom Verlag Drei Hasen in der Abendsonne geht es aber um den Aufgang der betreffenden Himmelskörper.

Es scheint ja auch ganz einfach zu sein: Beim Aufgehen steigt die scheinbare Position der Körper am Himmel immer weiter an. Es sollte also ganz einfach sein, diese Reihenfolge auch anzuwenden. Leider aber spielen einem hierbei die Mitspieler immer wieder einen Streich und machen einem einen Strich durch die Rechnung – Sonnen- und Mondfinsternisse sind hier nicht interessante Phänomene, sondern ziemlich ärgerliche Unterbrechungen.

In der kleinen, quadratischen Schachtel findet man

  • ein Heft mit der Spielregel auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch
  • ein Kartenspiel mit 65 Karten: je 29 nummerierte Sonnen- und Mondaufgangskarten, und je fünf Finsternisse

Ja, das war schon der gesamte Inhalt. Die Karten werden durch einen lockeren Plastikstreifen zusammengehalten, sind recht schmal und lang. Sie wirken ein wenig wie die langen Karten in der Karten-Version von Rummikub, sind also im Verhältnis noch länglicher als beispielsweise Tarotkarten. Die Regeln gibt es leider bislang nur in der Schachtel – nur die englische Version ist bei Boardgamegeek zu downloaden.

Wenn man alle Karten einer Serie in Reihenfolge der Nummern auslegt, erhält man ein durchgehendes Panorama, ähnlich den “Fotos der Mitternachtssonne”, die die Sonne in einem kompletten 24-Stunden-Kreis über dem Horizont zeigen. Die einzelnen Karten schließen in den Motiven direkt aneinander an und bilden so ein ein wenig afrikanisch angehauchtes Szenario.

Das Spiel spielt sich ein wenig wie eine Zankpatience – und ist auch zu zweit am besten spielbar. Zu Beginn erhält jeder Spieler von den gut gemischten Karten fünf Stück auf die Hand. Anschließend darf jeder Spieler, wenn er am Zug ist, Karten auslegen, Karten einsammeln oder seine Karten “zerstören” – aber immer nur eines.

Beim Auslegen legt man eine Karte an die entsprechende eigene oder gegnerische Reihe (Sonnen- bzw. Mondkarten) an, wobei man nur links oder rechts anlegen darf, nicht dazwischenschieben. Allerdings muss die Reihenfolge gewahrt bleiben, das heißt: Die Nummern der Karten werden von links nach rechts immer größer – streng monoton, wie ein Mathematiker sagen würde. Man darf auch eine Finsternis in die entsprechende eigene oder gegnerische Auslage legen, wobei sie eine ausliegende Karte überdeckt – oder eine ausliegende Finsternis mit einer passenden Karte abdecken (wobei die Karte dann in die Reihenfolge zwischen die vor und hinter der Finsternis liegenden Karten passen muss). Natürlich kommen Sonnenfinsternisse nur in Sonnen-Reihen, Mondfinsternisse nur in Mond-Reihen.

Wenn die Karte dann auch noch ein Tier zeigt (was bei 16 Karten, also etwa einem Viertel aller Karten der Fall ist), muss man sofort noch eine weitere Karte ausspielen.

Nachziehen darf man erst, wenn die ganze Hand ausgespielt ist, dann aber auch während eines Zuges (wenn die letzte gespielte Karte ein Tier zeigt).

Einsammeln darf man grundsätzlich jede komplette, ununterbrochene Gruppe von mindestens fünf Karten (also: nicht durch eine Finsternis unterbrochen). Diese Gruppen werden eingesammelt und als Punkte abgelegt.

Wer keine Karte regelgerecht ausspielen kann (oder will), kann auch die gesamte eigene Hand zerstören. Hierbei werden nicht nur die Handkarten abgelegt, sondern auch die ausliegenden eigenen Sonnen- und Mondreihen. Dies kann notwendig werden, weil man nur noch nicht passende Karten auf der Hand hat, oder sinnvoll sein, um das Spielende zu verhindern oder Minuspunkte zu vermeiden. Allerdings darf man in diesem Fall nicht sofort nachziehen, sonder erst im nächsten Zug als einzige Aktion.

Dies kann auch passieren, nachdem man bereits eine Karte ausgespielt hat, weil diese ein Tier zeigte, man aber keine weitere Karte legal ausspielen kann.

Karten aus zerstörten Händen kommen auf einen Ablagestapel und werden wieder gemischt und verwendet, wenn der bisherige Zugstapel aufgebraucht ist.

Das Spiel endet, wenn jemand Karten nachziehen müsste, aber keine Karten mehr in Zug- und Ablagestapel vorfindet. Dann dürfen die anderen Spieler reihum noch ihre Hände zu Ende spielen, aber auch keine Karten mehr nachziehen, auch wenn durch Zerstörung von Händen noch Karten in die Stapel zurückkommen.

Hier ist die Regel ein wenig undeutlich. Zum einen ist die Frage, ob jeder Spieler nur noch eine Runde spielen darf oder mehr, zum anderen, ob auch der Spieler, der die Endphase einläutete noch ausliegende Karten einsammeln / zerstören darf.

Jede dieser Lesarten ist grundsätzlich interessant zu spielen, man sollte sich nur vor dem Spielbeginn einigen, welche man anwenden will.

Am Spielende zählt man dann alle eingesammelten Sonnen- und Mondkarten und zieht hiervon die Sonnen- und Mondkarten ab, die noch in der Hand bzw. auf dem Tisch verbleiben (Finsternisse zählen jetzt null Punkte). Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Das Spiel ist weniger vom Glück abhängig als man zu Beginn glauben würde – man kann dadurch, dass man beim Gegner Karten anlegt oder Sonnenfinsternisse legt, diesem gar übel mitspielen. Eine Reihe 1-3-5 mit der 29 anzufüllen ist beispielsweise sehr unfreundlich, weil der Gegner dann auf jeden Fall die 29 mit einer Finsternis abdecken muss, bevor er die Reihe weiter ausbauen kann. Genauso ist es sehr effektiv, wenn man eine Reihe direkt aufeinanderfolgender Zahlen unterbrechen kann, zum Beispiel, indem man eine 11-12-13-14 mit einer Finsternis auf der 12 oder 13 unterbricht – die Karte, die benötigt würde, um diese Lücke zu schließen, ist ja leider unter der Finsternis begraben.

Am Spielende muss man auch gut überlegen, ob man eventuell das Spielende noch hinauszögern will, indem man einmal seine Hand zerstört – oder eben das Spielende forcieren will.

Mit persönlich hat die Zwei-Spieler-Version am besten gefallen – die Drei-Spieler-Version ist zwar lebhafter, aber auch deutlich stärker vom Kartenglück abhängig, die Vier-Spieler-Version ähnelt der Zwei-Spieler-Version als Teamspiel, allerdings verliert man beim Zerstören immer nur eine der beiden Reihen, die man aufzubauen versucht.

Allgemein gesagt ist Sonne und Mond vor allem ein Spiel für Liebhaber von Spielen beispielsweise auch wie Caesar und Cleopatra, oder Patiencen (insbesondere Mehrspielerpatiencen wie eben der bereits genannten Zankpatience).

Herausgeber Drei Hasen in den Abendsonne
Autor Jacques Zeimet
Spieler 2-4
Denken 8
Glück 6
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 12,90 € (UVP)

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Ein Kommentar

  1. […] in der Abendsonne ist ein neuer Verlag, dessen Spiel Sonne und Mond ich bereits vor einiger Zeit besprochen habe. Allerdings erschien neben diesem Spiel noch ein zweites, mit dem lautmalerischen Titel Bim […]

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