Gebetbuch

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liberliturgiumDSA: Liber Liturgium

Regelwerke für DSA sind ja oftmals umstritten, vor allem, wenn sie Bugs aus früheren Versionen fixen sollen. Meist kommt dann zumindest in den Onlineforen das Geschrei, man habe mit den neuen Formulierungen alles nur verschlimmbessert; und wenn man den Argumenten glauben darf, sind alle Charakteroptionen verglichen mit den gleichrangigen anderen zu kurz gekommen. Diese Diskussionen beschränken sich bei einem Band wie dem Liber Liturgium selbstverständlich dann auf die Optionen für Spieler von Geweihten – aber das ändert nichts an den Diskussionen.

Das Liber Liturgium gibt es, wie in letzter Zeit bei Ulisses üblich, sowohl als Papierversion(en) als auch als PDF-Download. Mir lag zur Rezension die PDF-Version vor, die beim Download mit nur 7 Megabyte ziemlich schlank daherkommt – besonders, wenn man bedenkt, dass das Buch mit fast 370 Seiten aufschlägt.

Diese schlanke PDF ist wahrscheinlich am ehesten dem Umstand geschuldet, dass außer dem Titelblatt (ein Faksimile des dunkelblauen Kunstledereinbandes der limitierten Luxusversion) das ganze Buch in schwarzweiß ist – und viele der Schmuckvignetten vielfach wiederholt werden, was natürlich auch Speicherplatz spart. Zur Qualkität der Papierversion kann ich aus eigener Anschauung nichts sagen, allerdings wurden in verschiedenen Foren vor allem zwei Klagen laut: der Einband sei sehr anfällig für Fingerabdrücke, und das Papier sei zu dünn. Das Layout ist aber schön, und auch die Schmuckvignetten und Seitenrahmen wirken sehr angenehm. Vor allem: Sie laufen nicht in den Text, so dass dieser lesbar bleibt.

Das Buch besteht – neben den üblichen Verdächtigen wie Vorwort und Benutzungserläuterung – aus fünf Teilen. Zuerst einmal wir noch einmal die Regeln kurz zusammengefasst, beginnend mit den Mirakelproben. Anschließend kommt eine kurze Optionalregel: je nach Gottheit kann hiernach ein Geweihter eine der zwölf Segnungen erleichtert und mit geringeren Kosten an Karmaenergie sprechen. Abgeschlossen wird der Regelteil mit ziemlich ausführlichen Regeln zu Liturgien, dem Aufstufen derselben, Liturgien gegen Magie etc. Auffällig ist nur, dass trotz all der Details die Angabe, auf welche Eigenschaften die Liturgieprobe gewürfelt wird (MU/IN/CH) einmal kurz zu nennen, denn wenn man sowieso für die Liturgiebeschreibungen dieses Buch öffnet, sucht man im Zweifelsfalle auch hier nach der Probe.

Im zweiten Teil gibt es für jeden Kult eine Doppelseite mit den für den jeweiligen Kult üblichen Liturgien – was aber immer noch nicht heißt, dass ein Geweihter automatisch auch alle diese Liturgien beherrscht. Neben den Liturgien (die sowohl mit dem im Kult gebräuchlichen Namen als auch mit dem allgemeinen Namen, unter dem die Liturgie dann im Buch gefunden werden kann, angegeben werden) findet man hier auch noch einmal eine Kurzübersicht über die Grunddaten des Kultes: Spitznamen des Gottes, Talismane, heilige Tiere etc.

Diese Doppelseiten sind seht nützlich und übersichtlich – allerdings kann ich mir vorstellen, dass getrennte Übersichtsblätter für jeden einzelnen Kult als Handout nützlicher wären, zumindest, wenn man mehr als einen Geweihten in der Runde hat – oder auch, wenn ein Geweihter als NSC auftaucht, und der Spielleiter etwas nachschlagen muss.

Der dritte Teil sind dann die eigentlichen Liturgien. Zunächst – und getrennt von den anderen, was ein wenig kontraintuitiv wirkt – die zwölf Segnungen, danach kommen alle anderen Liturgien in alphabetischer Reihenfolge. Diese Reihenfolge dürfte wohl auch die günstigste sein, wenn man schnell mal eben etwas heraussuchen will.

Die Liturgien wurden durchgängig noch einmal überarbeitet, mit dem Ziel, sie verständlicher und ausgewogener zu machen. Ob dies gelungen ist, ist allerdings umstritten. Ob die RONdrageweihten allerdings tatsächlich durch eine relativ kleine Anzahl abenteuerrelevanter Liturgien zu kurz kommen? Gerade bei kampfintensiveren Runden bleiben einem Geweihten in der Regel kaum Karmapunkte übrig, nachdem die Mirakel, mit denen die Kampfwerte verbessert werden, abgezogen wurden. Außerdem wird die mit den Mirakelproben (auf Nahkampftalente!) einhergehende Entrückung auch im Kampf gerne genommen – manche RONdrageweihten sollen ihre Mirakel sogar vor allem wegen der Entrückung sprechen…

Dennoch ist bei ein paar Liturgien die Spiebalance IMHO ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten. Schön finde ich beispielsweise die 'Erzieherische Maßnahme der Heiligen Yalsicena'. Dass dies eine Liturgie dritten Grades ist, kann fast nur ein Versuch sein, zu verhindern, dass mit dieser Liturgie eine ganze Stadt belegt werden könnte. Von den Grundauswirkungen her hätte es auch eine Liturgie 1. Grades getan – mit der Einschränkung 'Ziel kann nicht aufgestuft werden‘, was ja bei anderen Liturgien auch gemacht wird.

Der vierte Teil sind fast leere Seiten – sie sind dazu gedacht, dass man Eigenentwicklungen aus der heimischen Kampagne hier auflistet. Eine nette Idee, allerdings kann ich mir vorstellen, dass viele (vor allem Spieler, die auch Sammler sind) hier eher vorsichtig sind.

Als letztes kommt ein Index – und zwar werden hier die Liturgien sowohl mit ihren eigentlichen Namen als auch mit den Alternativen, die sie in manchen Kulten haben, genannt. Leider werden aber einige der in einigen Kulten üblichen alternativen Bezeichnungen (zur oben genannten Erzieherischen Maßnahme werden beispielsweise in den Anmerkungen die Namen 'Travias Kochlöffel' und 'Ein Satz heißer Ohren' genannt) hier nicht aufgelistet.

Vom Handwerklichen her kann man das ganze nur als 'durchwachsen' bezeichnen. Nahezu alle Liturgiebeschreibungen sind mehr oder weniger neu- bzw. umformuliert. Teilweise gehen damit auch kleinere Bugfixes einher, was teilweise nur aus der veränderten Formulierung deutlich wird. So wurde der Heilsegen deutlich abgeschwächt – vielleicht ist man hierbei aber auch über das Ziel hinausgeschossen: während in der alten Version der Heilsegen einmal aufgestuft so ziemlich das stärkste war, was man in Sachen LP-Heilung finden konnte, ist die neue Version (die einmal gesteigerte Anzahl LP – also etwa das Doppelte des Basiswertes – wird als Pool auf die Ziele – in der Regel 4-10 – verteilt) recht schwachbrüstig.

Weshalb aber die zwölf Segnungen aus dem allgemeinen alphabetischen Aufbau herausgenommen wurden, ist nicht ganz klar – so sucht man beispielsweise den Speisesegen alphabetisch an völlig falscher Stelle. (Ungünstig hierbei ist, dass im Index als Seitenangabe dann eben die Seitennummer erscheint, wo man soeben vergeblich gesucht hat: auf der angegebenen Seit findet man den Sippenfluch … der im Index wiederum gar nicht zu finden ist. Auch wäre es nett gewesen, auf den Referenzseiten der einzelnen Kulte ebenfalls die Seiten anzugeben. Nett hingegen wiederum, dass in der PDF zwar die Namen der Liturgien in den Übersichten nicht anklickbar sind, aber die Bookmarks komplett und für jede Liturgie einzeln aufrufbar Links bieten.

Ein Detail, das wohl vielen beim Lesen nicht auffallen wird: laut Liber Liturgicum sind mehrfache Aufstufungen beispielsweise des Ziels (zum Beispiel von P auf PPP) nicht mehr zulässig. Leider sind auch manche Regeln beim Erstellen vergessen worden: So sollte bei der Liturgie Der über das Schlachtfeld schreitet eigentlich erwähnt werden, dass diese Liturgie nicht aufgestuft werden kann – sie wirkt auch so schon arg mächtig.

Auch sind manche Setzungen nicht sonderlich durchdacht. Einen Erzbrocken von mindestens 6 kg (LkP* + 5 Stein) als 'faustgroß' zu bezeichnen, ist schon grenzwertig. Dass Gegenstände ohne eigene Intelligenz als 'ungläubig' gerechnet werden können, mag ja noch angehen, aber der 'Fluch wider die Ungläubigen' wirkt nur gegen tote Gegenstände (bevorzugt Gebäude u.ä.) – bei "Ungläubigen“ denke ich eher an Personen.

Eine Sache, bei der sich eine deutliche Besserung eingestellt hat, ist die Orthografie. Rechtschreibfehler waren kaum zu finden – früher sah das einmal wesentlich schlechter aus.

Ist das Liber Liturgium ein Anrater? Das muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Grundsätzlich sind die Unterschiede zu den Liturgien im Wege der Götter eher geringfügig, aber eben nicht ganz sinnlos. Die Liturgien des Namenlosen sind für einen Spielleiter sicherlich interessant, die neuen Liturgien ganz OK. Den Einband sollte man sich vor dem Kauf allerdings näher betrachten. Außerdem hat die PDF-Version noch einen Vorteil: man kann sich für seinen Geweihten aus der PDF die entsprechenden Seiten ausdrucken und so ein ganz persönliches "Gebetbuch“ zusammenstellen: die PDF-Datei ist nur gegen Veränderungen geschützt, Ausdrucken ist ganz normal möglich.

Mir hat das Liber auf jeden Fall gefallen. Ich weiss allerdings nicht, ob ich es mir selber kaufen würde – auch weil ich nur noch ganz selten dazu komme, DSA zu spielen.

Hersteller Ulisses Spiele
Autoren/Redaktion Eevie Demirtel, Marie Mönkemeyer, Daniel Simon Richter, Alex Spohr
Künstler Janina Robben
Spieler Rollenspiel
Denken Rollenspiel
Glück Rollenspiel
Geschicklichkeit Rollenspiel
Preis 35,00 € (Buch), 17,50 € (PDF)

Liber Liturgium als Druckerzeugnis bei Amazon

Liber Liturgium als PDF im Ulisses-eBook-Shop.

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