Karussell

SarathoasAmizaras 2: Sarathoas

Fast zwei Jahre nach dem ersten Band der Amizaras-Chronik erschien dann auch der 2. Band unter dem Namen Sarathoas. Und wie der erste Band ist auch er ein ziemlicher Brocken: mit ca. 25 × 17,5 × 6,5 cm3, 1,7 kg und über 830 Seiten ist das Buch alles andere als ein Taschenbuch und auch nicht 'schnell mal eben zwischendurch' durchgelesen. Die Aufmachung ist wie auch beim ersten Band (Rezension hier) wunderschön. Das Team um den Autor, der unter dem Pseudonym Valerian Çaithoque schreibt, hat wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet.

Auch diesmal gibt es wieder viele Illustrationen, die meisten davon speziell für diesen Band angefertigt. Neben diesen Illustrationen finden sich aber auch 'handschriftliche' Notizen in den Seitenrändern (den Marginalien), die ebenfalls untrennbar zum Roman gehören. Wie auch die Illustrationen beinhalten auch sie Hinweise, Anspielungen und Erläuterungen zum Roman.

Die Geschichte knüpft dort an, wo der erste Teil endete. Rafaela hat das Geheimnis des ewigen Lebens entdeckt, Atila das Artefakt, von dem er sich Ruhm und Reichtum verspricht. Aber die besten Pläne von Mäusen und Menschen… Man könnte auch sagen: der Menschen denken – die Ariach lenken. Es kann nicht schaden, sich den ersten Band noch einmal zu Gemüte zu führen, bevor man diesen Band in Angriff nimmt.

Der Krieg der Ariach nimmt in diesem Band eine noch bedeutendere Stellung ein als im ersten – er gefährdet sogar die Existenz unserer Welt. Und so geht es auf eine Achterbahnfahrt, die am Ende des Bandes in einer auch für mich sehr überraschenden Enthüllung gipfelt – und, ich kann es nicht verheimlichen, einen Cliffhanger, der einen wünschen lässt, den dritten Band schon vorliegen zu haben.

Dass die beiden Bände zusammen gehören, wird aus dem Äußeren bereits klar – auch wenn anstelle der achtstrahligen Brosche hier ein nur ähnliches, mehr an Art Deco Bleiverglasung erinnerndes Symbol zu sehen ist. Wenn man genauer hinsieht, findet man aber die Hauptbestandteile der Brosche einschließlich der Runen im neuen Cover wieder – das neue Symbol wirkt bei näherer Betrachtung eher wie eine Erweiterung des alten denn wie ein neues Symbol. Die anderen Details sind identisch.

Und wie die 'Brosche' erweitert sich auch die Geschichte um Rafaela und Atila, wenn auch auf unerwartete Weise (wie paradoxerweise zu erwarten war). Der Krieg der Ariach scheint in eine neue Phase zu treten und ein paar Gänge hochzuschalten. Dies führt dazu, dass der Band deutlich stärker actiongeprägt wird als der erste. Auch der Charakter eines Agentenromans tritt noch deutlicher in den Vordergrund – Verrat und unerwartete Wendungen sind an der Tagesordnung. Teilweise folgen die Wendungen so stark aufeinander, dass man das Gefühl hat, auf einem Karussell zu sitzen, so schnell dreht sich alles. Mir kamen Begriffe wie 'Ken Follett / John leCarré auf Speed' in den Kopf.

Ein wenig leidet hierunter auch die Recherchearbeit, oder zumindest die Einbindung derselben in den Roman. Dennoch sind viele Details interessant, und viele Details waren auch für mich unbekannt. Dass beispielsweise Fritz Lang seinen Film Metropolis gleich dreimal filmte, entweder aus mehreren Kameras gleichzeitig oder einzelne Szenen mehrmals hintereinander, war mir bis dahin auch nicht bewusst, auch wenn es den Tatsachen entspricht. Allerdings war geschichtlich ein Vertrag, den die UFA mit Paramount und Metro Goldwyn Mayer geschlossen hatte, der Grund hierfür. Aber ein netter Anknüpfungspunkt für eine Verschwörungstheorie von der Art, die in Sarathoas beschrieben wird, ist es allemal.

Durch die vielen Wendungen geht auch ein wenig die Übersicht verloren. Wer steht auf wessen Seite ist eine Frage, die sich mehr als einmal stellt, und die bis zum Ende in vielen Fällen nicht endgültig beantwortet werden kann.

An vielen Stellen gibt es auch Aha!-Effekte, bei denen man denkt "also so hat der sich das im ersten Band gedacht“ oder "das war doch etwas – wie war das nochmal?“. Es wird deutlich, dass hinter der Amizaras-Chronik ein großer Masterplan steckt, für den es mindestens noch einen dritten Band geben wird.

Sarathoas ist kein Buch, das man gerne wieder aus der Hand legt, bevor man es zu Ende gelesen hat – nicht nur, weil man fürchtet, alle Wendungen vergessen zu haben und die Übersicht zu verlieren, wer auf welcher Seite zu stehen scheint, sondern auch, weil es sich recht flüssig liest, trotz der häufigen Szenenwechsel – oftmals einhergehend mit einem Cliffhanger, bei dem man auch wissen will, wie es denn jetzt dort weiter gehen mag.

Durch das höhere Volumen ist auch der etwas höhere Preis gerechtfertigt – obwohl: man kann 29,80 Euro auch wesentlich sinnloser ausgeben. Hier sind die knapp 30 Euro meiner Meinung nach gut angelegt.

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