Rallye Capitol

StrombergStromberg

Das tägliche Einerlei in einem Büro ist eigentlich etwas, das nur wenige interessiert. Wer will schon stundenlang zusehen, wie Leute Akten wälzen und hin und wieder neue schreiben? Daher sind, wenn tatsächlich einmal eine Fernsehserie über ein Büro populär wird, eher die Charaktere und die Storylines dafür verantwortlich. So wie in dem Fall der Capitol-Versicherung in der Pro7-Fernsehserie Stromberg, die eine Adaption des britischen The Office war. Die Serie an sich ist inzwischen ausgelaufen, der (crowdfinanzierte) Kinofilm soll nächstes Jahr in die Kinos kommen – und das Brettspiel zur Serie ist dieses Jahr bei Ravensburger erschienen.

Natürlich wird in diesem Spiel weder die Geschichte der Serie oder des Kinofilms (nach-)erzählt, sondern mit bekannten Versatzstücken eine kleine eigene Geschichte gebaut. Und zwar geht es um ein Bürostuhlrennen in den Räumen der Versicherung – das ganze wäre ja einfach, wenn da nicht der Chef, Herr Becker, wäre, der seinen Untergebenen misstraut und immer wieder ihren Arbeitseifer kontrollieren will – was wiederum die Rennen arg stören kann.


In der Schachtel im Eurogame-Quadratformat findet man folgende Teile:

  • ein deutschsprachiges Regelheft
  • 4 Büroplatten (Spielplan)
  • 200 Karten – je 40 Karten pro Spieler
  • 5 Spielfiguren
  • eine Becker-Figur
  • ein Putzwagen
  • fünf Schreibtische zum Zusammenstecken
  • 5 Kaffeetassen
  • 15 Telefone
  • 10 Reinigungskräfte
  • 12 Becker-Chips
  • 5 Monitore
  • 5 Dekoelemente
  • ein Startspieler-Plättchen
  • 17 Hängeregister (werden nur in der 'Profi-Variante' benötigt)

Die Spielregel kann man auch beim Verlag downloaden. Abgesehen von den Spielkarten und Standfüßen für die Spielfiguren steckt das gesamte Spielmaterial in Stanzbögen, aus denen es sich aber leicht herauslösen lässt. Ein wenig sinnfrei wirkte das bei den Spielfeldteilen, da diese nur einen wenige Millimeter breiten Rand hatten, der entfernt werden musste – das hätte man auch bleiben lassen können. Die Schreibtische müssen zusammengefaltet und -gesteckt werden, aber auch das dürfte allerhöchstens für Grobmotoriker ein Problem darstellen – und wenn die Tische erst einmal zusammengesteckt sind, gibt es auch keinen Grund, sie wieder auseinander zu nehmen.

Die Karten haben hervorragende Qualität. Für Freunde der Serie stehen viele Zitate aus der Serie auf den Karten, außerdem zeigt jede Karte, welchem Spieler sie gehört, eine Zahl und eventuell noch ein Aktionssymbol wie beispielsweise eine Kaffeetasse oder einen Schredder. Die Kartensets scheinen nach einer flüchtigen Durchsicht bei allen Spielern gleich zu sein.

Die Rennstrecke wird aus den vier Spielplanteilen zusammengesetzt – da jeder Teil zwei Seiten hat und die beiden Zwischenteile ausgetauscht werden können, ergibt das insgesamt 32 verschiedene Strecken.

Jeder Spieler erhält einen Satz Karten, die dazugehörige Spielfigur und einen Schreibtisch mit Monitor und dem charaktergerechten Dekoelement. Herr Becker kommt auf die KramerBeckerleiste, die Startposition ist abhängig von der Spielerzahl: Je weniger Spieler mitspielen, desto mehr misstraut er ihnen.

Startspieler ist (natürlich) Stromberg, so einer ihn spielt, ansonsten wird der Startspieler gelost.

So ein Rennen in der Abteilung Schadensregulierung M-Z verläuft nach ziemlich einfachen Regeln. In jeder Runde zieht zunächst jeder Spieler fünf Karten aus seinem persönlichen Nachziehstapel. Danach darf dann immer reihum jeder Spieler eine Karte ausspielen oder das Rennen fahren, bis nach sechs Rundgängen alle Spieler alle Karten losgeworden sind.

Wer eine Karte ausspielt, hat die Wahl, ob er sie verwenden will um Geschwindigkeit zu machen – die Karte wird offen vor den Schreibtisch gelegt – oder um (langweiligerweise?) zu arbeiten – die Karte wird verdeckt unter den Schreibtisch gelegt. Wer eine Karte ausspielt um Geschwindigkeit zu gewinnen, muss eventuell auf der Karte vorhandene Aktionssymbole auch ausführen – das kann eventuell auch zu unerwünschten Resultaten führen: Wenn man Herrn Becker vorwärts rücken muss, und zur Zeit noch keine Akten bearbeitet hat.

Mit diesen Aktionssymbolen kann man zum Einen den Putzwagen versetzen – an den Fahrzeugen der Parkettvisagisten kommen die Feuerstühle der Rennfahrer nicht vorbei. Man kann einem Mitspieler ein ausländisches Telefonat aufbürden, was seine Renngeschwindigkeit um ein Feld verringert. Man kann einem Spieler die ausliegende Rennkarte mit der höchsten Zahl deaktivieren, man kann einem Mitspieler eine Tasse Kaffee geben – dann kann dieser nur noch geradeaus fahren. Und man kann einen Mitspieler zwingen, eine seiner bearbeiteten Akten zu schreddern – hierbei wird die Becker-Figur auch ein Feld vorgezogen.

Wenn Becker das Ende seiner Leiste erreicht, macht er eine Überraschungsinspektion: Er sieht nach, wer seit der letzten Kontrolle das wenigste getan (die wenigsten abgearbeiteten Akten unter dem Tisch) hat. Dieser Spieler erhält einen Becker-Chip und muss seine Spielfigur so viele Felder zurück ziehen wie er Punkte auf den bislang erhaltenen Becker-Chips hat.

Wer (vorzeitig?) das Rennen fährt, zieht so viele Felder vorwärts wie er Punkte auf für das Rennen ausgelegten Karten hat. Da ja andere Spieler Karten 'ausschalten' können, kann es sogar sinnvoll sein, das zu tun, bevor man die letzte Aktion der Runde erreicht hat, allerdings können alle späteren noch auszuspielenden Karten dieser Runde nicht mehr verwendet werden um schneller zu fahren.

Man kann hierbei auch Mitspieler und Putzwagen wegschubsen, dies kostet zwar Bewegungspunkte, erlaubt einem aber, den Mitspielern das Leben schwerer zu machen.

Sobald ein Stuhl die Ziellinie erreicht, endet das Spiel und dieser Spieler hat gewonnen. Es ist auch möglich, dass einem Spieler die Karten vor Erreichen des Ziels ausgehen, da man abgelegte Karten nicht nachmischt oder so.Dieser Spieler hat dann eben Pech gehabt, und in Extremfällen kann auch das Spiel gewinnen.

In der Profi-Variante hat jeder Charakter noch Sonderfertigkeiten, deren Einsatz mit den Hängeregistern angezeigt wird.

Das Spiel sit ein ziemlich taktisches Spiel, zum einen, weil es wichtig sein kann, wann man in einer Runde seine Geschwindigkeit aufbaut und wann und ob man auch Akten abarbeitet. Wenn man es richtig abpasst, kann man sogar versuchen zu steuern, wem Herr Becker bei seinem nächsten Erscheinen das Leben sauer macht. Und in der Profi-Variante (die überraschend ausgeglichen ist, angesichts der asymmetrischen Verteilung der Talente) gibt es entsprechend mehr zu bedenken.

Dennoch ist Stromberg ein Spiel, das auch ein Gelegenheitsspieler lieben wird – vor allem, wenn es sich um einen Fan der Serie handelt. Dabei ist das Spiel auch ohne die TV-Serien-spezifischen Details schon ganz nett, aber ein Fan der Serie hat natürlich eine Menge mehr Wiedererkennungs-Effekte, schon allein durch die ganzen Zitate auf den Karten.

Hersteller Ravensburger
Autoren Inka & Markus Brand
Künstler Fiore GmbH – Büro für Gestaltung
Spieler 3-5
Denken 7
Glück 6
Geschicklichkeit 1
Preis ca. 39,95 € (empf. VK) – im Laden meist deutlich billiger

Stromberg bei Amazon (zur Zeit ab ca. 25 Euro)

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