Landmord

GeisterVergangenheitGeister der Vergangenheit für Private Eye

Ungefähr im Jahresrhythmus erscheint ein neuer Abenteuerband für Private Eye, dem Detektivrollenspiel, bei dem man explizit nichts Übernatürlichem begegnet. Viktorianisch / Gaslicht / 1880er Jahre – das sind alles Begriffe, die die Zeit und das Setting beschreiben. Das England (Wales und Schottland nicht zu vergessen) der Zeit eines frühen Sherlock Holmes (Studie in Scharlachrot, Zeichen der Vier) bietet den Hintergrund für Detektivgeschichten, bei denen die Spielercharaktere in die Fußstapfen des erst in wenigen Jahren zum ersten Male veröffentlichten fiktionalen Detektivs treten können.

Diese Zeitangabe ist für Geister der Vergangenheit absolut korrekt, denn das Abenteuer spielt Anfang September 1884, während die Studie in Scharlachrot als erster Sherlock-Holmes-Roman erst 1887, das Zeichen der Vier 1890 veröffentlicht wurden, und der große Publikumserfolg erst mit dem Skandal in Böhmen 1891 einsetzte. Noch weiß also niemand von dem großen Detektiv, und so werden die Spielercharaktere gebeten nachzuforschen, ob denn tatsächlich ein Schwiegersohn in spe im schottisch-englischen Grenzgebiet von seinem prospektiven Schwiegervater ermordet wurde, oder ob sich da soeben in Justizirrtum entwickelt.

Das Heft hat das für Private-Eye-Abenteuer übliche Format von 56 Seiten und ist gut gefüllt. Zum Handwerklichen: Der Satz ist klar und gut zu lesen, Tippfehler und ähnliches sind mir nicht aufgefallen. (Nur eine Anmerkung: ‘vergleiche’ sollte man eigentlich nicht als ‘vergl.’ abkürzen, die allgemein gebräuchliche Abkürzung sollte ‘vgl.’ sein. Und die Schreibweise des Ortes ist nicht ganz korrekt, s.u.. Aber das ist schon Meckern auf bemerkenswert hohem Niveau für ein deutsches Rollenspielprodukt.)

Im Abenteuer geht es nach “Copshawholm”, eine knapp hundert Jahre alte Ansiedlung im Tal des Flüsschens Liddel Water(s), das Tal selbst heißt dementsprechend Liddesdale. Wer den Ort auf Wikipedia sucht: korrekt schreibt sich der Ort Copshawholme oder Copshaw Holm … oder, mit typisch britischer Konsequenz Newcastleton.

Hier ist der oben genannte Schwiegersohn in spe, Patrick Ayslewood, erschossen aufgefunden worden. Die Tatwaffe wurde auch schon gefunden: eine Pistole, eingewickelt in einen Mantel mit Schussspuren, beide dem Schwiegervater gehörend. Der hatte auch am Tage des Mordes mit seinem Auftreten auf sich aufmerksam gemacht und hegte anscheinend einen großen Groll auf Ayslewood.

Spoiler:: Der Tathergang – nur für Spielleiter

Der Abenteuertext beginnt, wie es sich gehört, mit der Anreise und einer grundsätzlichen Beschreibung von Liddesdale, das in einer der ‘hinterwäldlerischsten’ Gegenden der Inseln liegt, auf der schottischen Seite der Grenze. Über mehrere Seiten wird die Gegend mit ihren Bewohnern beschrieben, die zwar nicht unbedingt feindselig, aber mürrisch und misstrauisch sind. Dieser Teil des Abenteuerbandes ist erfreulich ausführlich, Hier wird dem Spielleiter ein gutes Ausgangsmaterial an die Hand gegeben, damit Liddesdale nicht wirkt wie ein ländliches London sondern eine eigene Persönlichkeit erhält.

Den nächsten Teil sollte der Spielleiter allerdings gut vorher gelesen haben, damit er nicht während des Abenteuers nachschlagen muss – das würde die Spieler nur unnötig darauf aufmerksam machen, dass es hier wichtige Dinge zu entdecken gibt…

Spoiler:: Nur für Spielleiter

Nach der Beschreibung von Liddesdale und Copshaw Holm wird dann der voraussichtliche Verlauf des Abenteuers beschrieben. Hierbei handelt es sich – ungewöhnlich für Spielleiter mancher anderer Systeme – ausdrücklich nicht um den vorgeschriebenen Verlauf, sondern nur um einen vorgeschlagenen, und wenn die Detektive von dem Weg abweichen, sollte ein guter Spielleiter sich auch darauf einstellen können.

Ein wesentlicher Teil des Abenteuers sind auch die fast acht Seiten NPCs (plus noch einmal zweieinhalb Seiten “Ressourcen – Übersichten über deren Aussagen und Kenntnissen zum Fall). Auch die nächste Seite, auf der sowohl der originäre Plan der Täter als auch die Abweichungen hiervon in der Ausführung zusammengestellt werden, sind für den Spielleiter wesentlich.

Drei Seiten mit Handouts – die handgeschrieben teilweise deutlich englische Züge tragen, was die Handschrift angeht – runden das eigentliche Abenteuer ab. Es gibt allerdings in Liddesdale noch eine Reihe weiterer Geheimnisse, die ein Spielleiter verwenden kann, und um diese geht es im folgenden kurzen Abschnitt.

Abgeschlossen wird das ganze mit einer recht guten Bibliographie zur besprochenen Gegend, und einer kurzen Übersicht, wo die Ereignisse des Abenteuers von den historischen Tatsachen abweichen. Außerdem gibt es hier noch eine Relationship Chart, in der die Beziehungen alle wichtigen Personen untereinander aufgeführt werden – ein unverzichtbares Hilfsmittel für den Spielleiter.

Mir hat das Abenteuer sehr gut gefallen. Zwar gibt es eine Reihe Punkte, an denen eine Runde auf den Holzweg geraten kann, aber diese sind wesentlich weniger ‘heftig’ als aus anderen Abenteuern bekannt. Alles in allem eine hervorragende Basis für zwei, drei Spielabende mit dem Hauptabenteuer (und eventuell noch einiger zusätzlicher mit den zusätzlichen Abenteuerideen).

Hersteller Redaktion Phantastik
Autoren martin Lindner
Künstler Andree Schneider, Sylvia Schlüter, Maertin Lindner et al.
Spieler RPG
Denken RPG
Glück RPG
Geschicklichkeit RPG
Preis ca. 13,95 €

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