Musiker ärgere Dich nicht

chromatical gamblerThe Chromatical Gambler

Auf der SPIEL stehen Verlage aus den verschiedensten Ländern, und mit verschiedensten Ansprüchen an die Spiele und Spieler. Von alten Klassikern bis zu brandneuen Spielen, aus allen besiedelten Erdteilen ist alles vertreten, was Rang und Namen hat – oder sich bekannt machen will.

Ein ‘Neuling’ auf der SPIEL (zumindest war es das erste Mal, dass wir über ihn gestolpert sind) dürfte Weltmusik Edition International aus Wien in Österreich sein. Der Verlag gibt in erster Linie Noten, Bücher und CDs heraus, hat aber auch drei Brettspiele im Angebot. Eines von diesen ist The Chromatical Gambler. das Spiel soll dabei helfen, Tonleitern und Notenlesen zu üben.

Die Schachtel enthält folgendes Material:

  • die Spielregel auf Deutsch, englisch und Französisch
  • 12 Spielfiguren (je 3 in weiß, gelb, orange und grün)
  • zwei Würfel
  • ein Heft mit Tonleitern

Die Spielfiguren sind aus Plastik und relativ leicht, die Würfel sind einfache Sechsseiter mit Punkten, ebenfalls aus Kunststoff, einer in weiß, einer in schwarz.

Das Spielbrett zeigt als Spielfelder jeweils eine Note in einem Notensystem. Allerdings fehlt der Notenschlüssel, so dass beispielsweise das ‘f1′ für manche Spieler aussieht wie ein ‘e2′ – oder auch ein ‘a’, wenn man einen Bass-Schlüssel ansetzt, oder noch ein anderer Ton bei einem C- oder Gamma-Schlüssel … Das Spiel geht aber offensichtlich vom Violinschlüssel aus, der der meist gebrauchte ist. Auch werden die Notennamen auf den einzelnen Feldern mit angegeben. In Halbtonschritten geht es dann zwischen zwei Startpunkten für die Spieler jeweils eine Oktave hinauf oder hinab.

Das Spiel ist schnell beschrieben. Ausgehend vom individuellen Startpunkt müssen die Spielfiguren einmal rund um das Spielfeld laufen und am Ende im “Dreiklang-Stall” untergebracht werden.

Zunächst wird ausgewürfelt, in welcher Tonart sich alle Spieler bewegen. Abhängig von dieser Tonart ist von den Feldern des Spielfelds immer nur ein Teil möglicher Landepunkt. Allerdings ist die Spielregel ein wenig undeutlich, und man wird sich auf einige Interpretationen einigen müssen. Im folgenden beschreibe ich, was unsere Testrunde als Interpretation erreichte.

Wer am Spiel ist, würfelt mit beiden Würfeln. Bei einem geraden Ergebnis darf man eine neue Spielfigur ins Spiel bringen, wenn man noch eine hat. Wenn man das nicht kann/will, zieht man eine seiner Spielfiguren so viele Felder (Halbtonschritte) vorwärts, wie die Würfelaugen anzeigen. Wenn das Zielfeld eine Note der gewählten Tonart zeigt, darf man die Spielfigur dort abstellen, und der nächste Spieler ist dran. (Wenn nicht? Wir vermuten, dass die Spielfigur dann nicht zieht und an ihren Ausgangspunkt zurückkehrt.) Wenn auf dem Zielfeld eine andere Figur steht, wird diese herausgeworfen und muss den Weg von vorne beginnen.

Das Feld mit dem Grundton der tonart ist ein ‘Bonusfeld’, auf dem noch einmal gewürfelt werden darf.

Im “Dreiklang-Stall”, dem Ziel der Figuren, werden die Zielfelder als zwei Felder voneinander entfernt betrachtet (Prim – Terz – Quint), obwohl musikalisch und bei Einhaltung der Halbtonschritt-Felder die Abstände 4-3 oder 3-4 sein müssten. Wer nur noch eine Spielfigur im Spiel hat (und die anderen im Dreiklang-Stall), und so nahe vor dem Ziel, dass er nicht mehr mit beiden Würfeln spielen kann, darf er mit einem Würfel weiter spielen. Was das heißt, ist nicht ganz deutlich – man kann ja immer noch mit beiden Würfeln eine 2 würfeln.

Wer als erster alle Figuren im Ziel hat, hat gewonnen.

Als ‘Premium-Spiel’ wird angeboten, dass jeder Spieler seine eigene Tonart spielt. Nicht ganz klar ist hierbei, ob man Spielfiguren, die auf Feldern stehen, auf denen man wegen der falschen Tonart nicht landen darf, trotzdem herausschmeißen darf. Das Spiel wird ein wenig taktischer, wenn man es nicht kann, weil man dann versuchen kann, sich über die Felder zu retten, auf die die Gegner keinen Zugriff haben.

Bei der Erklärung kam schnell der Kommentar “Das ist ja Mensch ärgere Dich nicht mit Noten.” Und ja, das Spiel hat viel von genanntem Klassiker, der aber in verschiedensten Ausgaben nur knapp die Hälfte dessen kostet, was man bei Weltmusik im Webshop oder über Amazon für den Chromatical Gambler bezahlt.

Der einzige Bonus, den das Spiel liefert, ist ein gewisses Training, was Tonleitern und das Lesen von Noten betrifft. Für diesen Zweck mag das Spiel ganz sinnvoll sein.

Hersteller Weltmusik Vienna Edition International
Autoren Harald Lakits
Künstler k.A.
Spieler 2-4
Denken 3-5
Glück 8
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 38,90 €

The Chromatical Gambler bei Amazon

Ein Kommentar

  1. […] die nicht auch diese Mensch-ärgere-Dich-nicht-Variante […]

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