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You Suck

Bézier Games ist ein amerikanischer Verlag, der sowohl Familien-Spiele als auch Spiele für Vielspieler herstellt. Besonders bekannt ist der Verlag beispielsweise für die große Version der Werwölfe unter dem Namen Ultimate Werewolf (Link zu unserer Rezension), zu dem zur Zeit auch ein Kickstarter-Projekt für eine neue deLuxe-Ausgabe läuft. Auch über Kickstarter wurde von Bézier Games beispielweise Mutant Meeples finanziert.

„You suck“ ist im Englischen (und mehr noch im Amerikanischen) ein recht böser Begriff, der sich weniger auf Mücken oder Blutegel bezieht als auf Charaktereigenschaften. Als Spieltitel ist der Begriff daher eindeutig doppeldeutig gemeint, denn genau um Blutsauger – genau genommen um Zecken – geht es in diesem Spiel.

In der Schachtel ist das folgende Material zu finden:

  • sechs Wertungsscheiben
  • sechs Bietwürfel
  • eine Trumpf- und eine Rundenscheibe
  • 7 Karten 'Null‘
  • 10 Vielfarben-Karten
  • 40 Spielkarten (1-10 in vier Farben)
  • 7 Zeckenkarten
  • 6 Spielerkarten
  • eine Rundenkarte
  • 2 Zählkarten
  • eine Bietkarte
  • eine Trumpfkarte

Die Karten haben gute Qualität, die (runden) Scheiben und Würfel sind aus Holz. Das einzige, was noch fehlt, ist eventuell ein Einsatz in der Spieleschachtel, der verhindert, dass die Karten beim Transport wild durch die Schachtel segeln. Die Regelnn kann man auch hier herunterladen.

Die Zeckenkarten zeigen alle eine Zecke mit eine besonderen Fähigkeit, die man in den Runden zum eigenen Vorteil einsetzen kann. Auf den Rückseiten zeigen die Karten einen Punktewert für die letzte Runde. Die Vielfarben-Karten zeigen alle vier Farben der Spielkarten, und Zahlen von 11 bis 20.

Eine Partie verläuft in drei Runden.

Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler zufällig eine Zeckenkarte, die er in der ersten Runde einsetzen kann. Jede Runde besteht aus bestimmten Schritten, wobei in einigen Schritten die Fähigkeiten der Zecken verwendet werden.

Im ersten Schritt werden die Karten verteilt. Zunächst aber erhält der Spieler, der die +3-Zecke besitzt, drei Punkte gutgeschrieben (wird mit der Wertungsscheibe auf der Zählkarte angezeigt). Anschließend bestimmt der Spieler, der die 'Geber wählen‘-Zecke besitzt, welcher Mitspieler in der Runde Kartengeber sein soll. (In der ersten Runde, in der nicht alle Zecken verteilt sind, wird ggf. der Geber zufällig bestimmt.) Der Spieler mit der 'Nimm die 11′-Zecke nimmt sich die mehrfarbige Karte mit der Nummer 11, der Spieler mit der 'Nimm eine Null‘-Zecke nimmt sich eine der Null-Karten. Anschließend gibt der Geber jedem Spieler eine Null, eine zufällige mehrfarbige Karte und 5 Spielkarten aus dem gemischten Deck. Der Spieler mit der 'Extrakarte‘-Zecke erhält eine weitere Spielkarte. Damit ist die Gebephase abgeschlossen – und fünf der Zecken sind bereits abgearbeitet.

In der zweiten Phase wählt der Spieler mit der 'Trumpf wählen‘-Zecke, welche Farbe Trmpf sein soll und legt die Trumpfscheibe entsprechend auf die Trumpfkarte – wenn niemand die Zecke hat, gibt es keinen Trumpf. Nun darf der Spieler mit der 'eine Karte tauschen‘-Zecke eine beliebige seiner Handkarten abwerfen und dafür die oberste Karte vom Spielkartenstapel ziehen, der beim geben übrig geblieben ist.

Nun werden alle Zecken in die Tischmitte gelegt, in den ersten beiden Runden mit der Seite mit der Bonusfertigkeit nach oben. Beginnend mit dem Spieler links vom Geber sagt jetzt jeder Spieler vorher, wie viele Zecken er in der laufenden Runde gewinnen wird; dies wird mit dem Bietwürfel auf der Bietkarte markiert. Anders als bei anderen Spielen, bei denen man seine Stichzahl vorhersagen muss, darf hierbei auch am Ende eine Summe von sieben herauskommen. Außerdem gibt es eine Zeile mit 4/5/6/7: Wer auf diese Zeile bietet, hat 'recht‘, wenn er enen der vier Werte bietet, man muss nicht zum Beispiel genau sechs Zecken gewinnen.

Jetzt wird die Runde gespielt. Reihum, beginnend mit dem Spieler links vom Geber, spielt jeder Spieler jeweils eine Karte auf eine Zecke. Grundsätzlich darf man auf jede Zecke spielen, wobei wie üblich Farbe bekannt werden muss, wenn möglich (das heißt, dass man die Farbe spielen muss, die als erste auf die Zecke gespielt wurde). Eine 0 oder eine Mehrfarbenkarte darf auf jede Zecke gespielt werden, unabhängig von bereits dort liegenden Karten. Wenn als erste Karte eine Null auf eine Zecke gespielt wird, ist die Farbe der ersten größeren Karte entscheidend dafür, welche Farbe bedient werden muss, wenn die erste Karte eine 11-20 ist, dürfen anschließend alle Farben gespielt werden. Und eine Zecke wird 'voll' – man kann keine Karte mehr auf sie spielen -, wenn so viele Karten auf ihr liegen wie Mitspieler da sind. Ein Spieler, der durch 'Nimm Null' oder andere Karten mehr Karten auf der Hand hat, behält also Karten übrig, die am Ende der Runde abgelegt werden.

Eine volle Zecke geht an den Spieler, der in der angespielten Farbe die höchste Karte gespielt hat – oder der, falls vorhanden, die höchste Karte in der Trumpffarbe gespielt hat. Die Mehrfarbenkarten gehören zu allen Farben, sind also auch Trumpf. Sollte auf eine Zecke tatsächlich (Anzahl der Spieler) mal eine Null gespielt werden, wird sie in der Runde nicht verteilt.

Wenn alle Zecken verteilt sind, gibt es Punkte, und zwar erhält jeder Spieler, der korrekt vorhergesagt hat, wie viele Zecken er gewinnen werde, so viele Punkte, wie er Zecken vorhergesagt hatte. Wer falsch vorhergesagt hat, erhält keine Punkte, aber auch keine Minuspunkte.

Nach der Verteilung der Punkte werden die Karten wieder getrennt nach Spielkarten, Mehrfarbenkarten und Nullen. Die nächste Runde beginnt.

In der dritten Runde werden die Zecken dann nicht mit ihren Fähigkeiten ausgelegt, sondern mit der Rückseite, auf denen Werte von +5 bis -5 stehen. Diese Werte sind Boni bzw. Mali, die man in der dritten Runde erhält, zusätzlich zu den Punkte für die korrekte Vorhersage.

Wer am Ende die meisten Punkte hat, hat gewonnen. Wenn mehrere Spieler gleich viele Punkte haben, gewinnt unter ihnen der Spieler, der in der dritten Runde mehr Zecken gewonnen hat. (Und laut Spielregel: "Wenn die gleichstehenden Spieler auch die gleiche Anzahl Zecken in der dritten Runde erhalten haben, schlagen sie verärgert die Hände über dem Kopf zusammen und schwören, nie wieder You Suck zu spielen“ – man kann Bézier Games sicher nicht fehlenden Humor vorwerfen…)

Man muss schon eine ganze Menge beachten, wenn man versucht, Punkte zu machen. Manche Zecke ist stärker (und damit auch umkämpfter) als andere, aber auch vermeintlich schwache Zecken wie die 'Bestimme den Geber‘-Zecke können in der richtigen Situation sehr mächtig sein: es kann spielentscheidend sein, wenn man mit einer bestimmten Kartenhand anspielen kann – oder wenn man mit einer Hand als letzter einer Runde an der Reihe ist. Im Endeffekt muss man vor allem in der zweiten Runde wählen, ob man versuchen will, schnell ein paar Punkte zu gewinnen (+3), oder versuchen, eine gute Ausgangsbasis für die dritte Runde zu schaffen, beispielsweise, indem man mit der 11 eine zweite hohe Karte hat, oder indem man mit einer zusätzlichen Null eine Minus-Zecke noch abwehren kann.

Das ungewöhnlichste Detail für ein Stichspiel ist aber wohl, dass alle Stiche der Runde gleichzeitig gespielt werden, und man sich eventuell sogar Probleme vom Hals halten kann, indem man in denselben Stich noch eine weitere Karte auf diese Zecke spielt…

Die Punkteboni der letzten Runde sind recht gut gewählt, so dass es einerseits nicht ausreicht, wenn man die 'guten' Karten der letzten Runde zu gewinnen weiß, andererseits aber auch nur mit den Punkten der ersten beiden Runden kein absolut sicherer Vorsprung zu erringen ist – immerhin kann man in der letzten Runde auch den Mitspielern die Malus-Zecken zuspielen.

Man kann als Neuling frühestens in der zweiten Runde so recht erkennen, welchen Effekt eine Zecke auf eine Runde haben kann, so dass man sicher mehrere Partien spielen muss, um sich über die Stärken und Schwächen einer Zecke im klaren zu werden. Daher ist das Spiel bei einer gemischten Runde aus Viel- und Gelegenheitsspielern leider ein wenig unausgeglichen, aber nicht allzu sehr. Immerhin spielt auch das Kartenglück eine Rolle.

Interessant ist, dass das Spiel sich mit der Spielerzahl im Charakter verändert. Während bei vielen Spielern die +3-Zecke sehr stark ist, wird bei zwei oder drei Spielern die Planung für die letzte Runde deutlich wichtiger.

Unsere Testrunde war ein wenig gespalten: Einigen gefiel das Spiel gut, anderen weniger. Wer Spiele wie Wizard, Rage, Die Sieben Siegel etc. mag, wird auch You Suck mögen. Aber auch andere Spieler können durchaus Gefallen an diesem Spiel finden.

Mit einer halben bis einer dreiviertel Stunde ist das Spiel schnell genug, um als Öffnung oder Absacker eines Spieleabends gespielt zu werden. Ein wenig kann sich die Zeitrechnung verschieben, wenn ein Spieler an Analyseparalyse leidet, vor allem in den ersten Durchgängen der 'Stichphase'. Aber als schnelles Spiel steht es durchaus seinen Mann… äh, seine Zecke…

Hersteller Bézier Games
Autoren Ted Alspach
Künstler Ted Alspach, Dustin Evans
Spieler 2-6
Denken 7
Glück 6
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 14,75 €

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