Im Märzen der Bauer

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KitchenGardenKitchen Garden

Das Wetter ist inzwischen so gut, dass die ersten Pflanzaktionen im Garten durchgeführt werden können. Auf der Heimfahrt in den letzten zwei, drei Nächten saßen am Straßenrand gleich dutzendweise Karnickel. Gegen 11 Uhr nachts zeigte das Thermometer bei uns noch zweistellige (positive) Celsiusgrade an. Zeit, auch einmal im Spiel in den Garten zu gehen.

Der russische Verlag Rightgames bietet mit Kitchen Garden ein Spiel für den Hobbygärtner, dem sein Kleingarten zu viel Arbeit ist und der nicht die Zeit noch die Muße hat, seinen Pflanzen beim Wachsen zuzusehen. Ganz ohne körperliche Mühen, ohne Graben, Säen, Eggen und was der gartenbaulichen Tätigkeiten noch mehr sind kann man hier seine Beete bestellen. Alles mit Karten.

Das Spiel enthält folgende Karten und anderes Material:

  • die Spielregel auf Englisch und Deutsch
  • vier Gärten
  • 48 Gemüsekarten
  • 12 Spezialkarten: je viermal Krähe, Markttag und Feier
  • sechs Faulpelzkarten
  • sechs Knechtkarten
  • vier Unkrautkarten

Die Qualität ist gut, wenn auch nicht herausragend. die Gärten haben Pokerkartenformat, die anderen eher die Größe von großen Patiencekarten (sie sind knapp halb so groß wie die Gärten). Die Spielregel ist brauchbar übersetzt. Angeblich soll auch eine französische und eine italienische Version beiliegen, die fehlten bei uns aber. Alle vier Sprachverseionen kann man auch von der Webseite des Spiels bei Boardgamegeek herunterladen. Auf der Webseite von RightGames ist das Spiel nur in der russischen Version zu finden – die Karten sind aber ohne Text, können also auch mit der deutschen Regel problemlos verwendet werden.

Die Gemüsekarten zeigen jeweils eine, zwei oder drei Feldfrüchte, und zwar Erdbeeren, Rüben, Kohlköpfe oder Kürbisse. Von jeder dieser Kombinationen gibt es genau vier Exemplare.

Auf den beidseitig bedruckten Gartenkarten stehen die Gärten mit jeweils vier Beeten, in jedem Beet soll eine andere der vier Gemüsearten gezüchtet werden, je einmal drei, vier, fünf und sechs Pflanzen. Jede Pflanzenkombination (es gibt insgesamt vier verschiedene) trägt als Symbol ein Gartengerät, im Spiel sollte jeder Gerät nur einmal verwendet werden.

Der Spielaufbau ist recht simpel: jeder Spieler erhält eine Gartenkarte – ob zufällig oder ausgesucht, ist eigentlich egal. Bei drei oder vier Spielern erhält jeder Spieler je eine Karte Markt, Feier und Krähe, bei zwei Spielern wird je eine dieser Karten in die Mitte auf den Tisch gelegt. Die Gemüsekarten, Knechte, Faulpelze und Unkrautkarten werden gemischt, aus diesem Stapel erhält jeder Spieler vier Karten. Sechs weitere dieser Karten werden als Marktplatz ausgelegt. Dann kann es losgehen.

Der Startspieler (Startspieler-Witz: Wer als letzter im Garten gearbeitet hat) das Spiel. Jeder Zug besteht aus drei Phasen, der Konditionen-Phase, der Arbeitsphase und dem Aufräumen.

In der Konditionenphase hat man die Gelegenheit, für die folgende Aktionsphase zusätzliche Aktionen zu erwerben: Zusätzlich zu der einen Aktion, die man immer hat, kann man eitere Aktionen erwerben, indem man eine Knecht- und/oder eine Spezialkarte (Markt, Feier, Krähe) abwirft. Außerdem kann man in dieser Phase einem anderen Spieler eine Faulpelz-Karte hinlegen; wenn dieser diese Karte nicht sofort mit einer Knecht-Karte unschädlich macht, muss er seine folgende Runde aussetzen. Jede der drei Karten(-arten) Knecht, Spezialkarte und Faulpelz darf man in dieser Phase nur einmal einsetzen – maximal kann man also auf drei Aktionen kommen.

In der Aktionsphase kann man dann verschiedene Dinge tun. Man kann einfach eine Karte aus dem Nachzugstapel ziehen. Man kann eine Karte aus der Hand auf das entsprechende Beet legen. Man kann eine Unkraut-Pflanze auf ein nicht vollständig bepflanztes Beet eines Mitspielers pflanzen. Man kann mit einer Knecht-Karte eine Karte von einem eigenen Beet entfernen – meist wird man das tun, um ein Unkraut los zu werden. Man kann eine Handkarte mit einer Karte auf dem Marktplatz tauschen. Mit einer Markt-Karte kann man den gesamten Markt gegen neue Karten austauschen und sofort zweimal mit dem Markt tauschen. Mit einer Feier-Karte zwingt man alle Spieler, drei Karten abzuwerfen und drei neue Karten zu ziehen (wer weniger Karten auf der Hand hat, wirft alle ab und erhält trotzdem drei neue Karten). Mit einer Krähenkarte kann man eine Karte aus dem Ablagestapel heraussuchen und als Handkarte an sich nehmen. Mit einer Krähe und einem Faulpelz kann man eine Karten aus einem Beet eines Mitspielers stehlen.

Die Spezialkarten werden hierbei nicht in den normalen Ablagestapel gelegt, sondern getrennt gesammelt. Wenn nämlich alle Spieler eine bestimmte Sonderkarte eingesetzt haben (wenn also all Sonderkarten einer Art in der Tischmitte liegen), erhält jeder Spieler sie zurück. So kann man mit ein wenig Glück tatsächlich zweimal in einem Zug bspw. eine Krähenkarte verwenden, wenn man der letzte Spieler mit einer solchen ist.

Beim Zugende wird aufgeräumt: man erhält zusätzliche Karten vom Nachzugstapel, bis man wieder fünf Handkarten hat (Spezialkarten werden hier nicht mitgezählt).

Beete kann man nur mit der angegebenen Gemüsesorte bepflanzen (oder mit Unkraut), und zwar passen auf drei der Beete nur zwei Karten, auf das vierte Beet (für sechs Pflanzen) passen drei Karten. Ein Beet ist vollständig bepflanzt, wenn sowohl die Maximalzahl Karten ausliegt als auch die Zahl der Gemüsepflanzen korrekt ist – man darf auch nicht zu viel pflanzen. Eine Unkrautpflanze muss erst entfernt werden, bevor man ihren Slot neu bepflanzen kann.

Wer als erster alle vier Beete korrekt bepflanzt hat, gewinnt sofort das Spiel. Es wird also nicht noch eine Runde zu Ende gespielt oder ähnliches.

Beim Spiel ergibt es sich schnell, dass die Spieler einem anderen, der weit davongeeilt sein sollte, möglichst viele Steine in den Weg legen, bis zumindest noch ein zweiter Spieler ähnlich weit kommt – dann werden die Störungskarten entsprechend verteilt. Der führende Spieler hat also immer etwas davon, ein oder zwei Knechte in Reserve zu haben, schon um evtl. Faulpelz-Karten auszuschalten oder Unkraut zu jäten. Aber ob man davon genug erhält, ist eine Glücksfrage – überhaupt spielt Glück bei diesem Spiel eine recht große Rolle.

Ein wenig verwirrend mg für manche sein,d ass das Unkraut durch einen Löwenzahn repräsentiert wird – eine Pflanze, die sich als Salatpflanze steigender Beliebtheit erfreut. Allerdings gibt es eine ganze Reihe Blumen und ähnliche, die ganz interessante Nahrunsmittel darstellen…

Alles in allem ist Kitchen Garden eher ein kurzes (15-30 Minuten) Spiel mit großem Ärgerfaktor für den Gelegenheitsspieler. Der Glücksfaktor ist für den Vielspieler wohl zu groß, außerdem hat man meist nur sehr wenige sinnvolle Alternativen während seines Zugs.

Hersteller Right Games
Autoren Andrej Kolupajew (lt. Spielregel, Kolupaew lt. Schachtelangabe)
Künstler Sergeij Platunow
Spieler 2-4
Denken 5
Glück 8
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 8,50 € (430 Rubel im Webshop des Herstellers)

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