Immer auf der Hut vor dem Hut

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BlackHatBlack Hat

Als "Black Hat“ werden Hacker bezeichnet, die sich, weil sie es können, mit den besonders aufwendigen Sicherheitssystemen von Computernetzwerken anlegen, sich darin bewegen wo sie hin wollen, sei es für Nervenkitzel oder um daraus finanzielle Vorteile zu erlangen, aber es kommt ihnen nicht unbedingt darauf an, dort zuerst reinzukommen, sondern vielmehr zu kommen und zu gehen ohne Spuren zu hinterlassen. Und genau darum geht es auch in diesem Spiel – bis zu sechs Hacker versuchen, möglichst geschickt in ein Netzwerk einzudringen und an Daten und Zugänge zu gelangen, die sich lohnen, und sich dabei nicht erwischen zu lassen.

Heute soll um umgerechnet 16:00 MEZ Uhr das Kickstarter-Projekt starten, mit dem das Spiel (teil-)finanziert werden soll. Auf der Projektseite steht jedenfalls, dass die 6.000 €, die das Projekt bringen soll, nur einen Teil der Produktionskosten ausmache, der Rest kommt aus der Kasse des Herstellers.

Zum Testen lag uns der Prototyp des Spiels vor, allerdings konnten wir uns auf der SPIEL auch davon überzeugen, wie das endgültige Material aussehen wird, wenn das Kickstarter-Goal erreicht wird (woran ich ehrlich gesagt keine sonderlichen Zweifel habe).

Zum Spielmaterial gehören:

  • ein Spielplan, der das Computernetzwerk darstellt
  • 8 doppelseitige Spielplanteile für mehr Variation
  • 6 verschiedene Critical Asset Teile, ebenfalls als Variation
  • drei +/- Marker
  • 1 Tracerfigur
  • 18 Marker in den 6 Spielerfarben (die wie Hüte aussehen)
  • ein Zählbrett
  • 97 Karten (je 7 mal die Werte von 1-13, 5 Joker und 1 Black Hat)
  • die Anleitung (die uns in Englisch vorliegt)

Die Spielplanteile sind aus Karton und dazu gedacht, sowohl zur Spielvariation oder auch ggf. während des Spiels über bestimmte Teile des Plans platziert zu werden, um diese zu ersetzen (und möglicherweise so alles auf den Kopf zu stellen). Die Karten haben übliches Spielkartenformat, sind griffig und zeigen neben ihrem Zahlenwert noch ihren (Straf)punktewert (0-3 bei den Zahlenkarten, 4 für Joker, 5 für den Black Hat), sowie eine Grafik und ein (durchaus gerne sarkastisches) Hackerzitat.

Was also will man erreichen? Man möchte vorzugsweise einen seiner Marker (der den Hackerfortschritt darstellt) in den Critical Asset bugsieren, und um dahin zu gelangen, möglichst wenig Punkte bekommen, denn Punkte sind Spuren.

Dazu startet jeder Spieler mit einem Marker auf dem Public Server und mit einem auf der Backdoor, und schon geht es los. Los? Ja wie denn? Nun, dafür gibt es die Karten, denn irgendwo ist Black Hat sogar ein Stichspiel, aber sicherlich nicht so, wie man das kennt. Es gibt nämlich durchaus Gründe, mal einen Stich nicht zu wollen.

Der Startspieler spielt an, was er will – das kann eine einzelne Karte sein, oder so viele Karten wie man will, solange diese denselben Wert haben. Um den Stich zu übernehmen, muss der nächste Spieler mindestens dasselbe legen (oder mehr), aber auch die Anzahl muss stimmen. Kann er das nicht, muss er eine einzelne Karte abwerfen. Joker zählen als was sie sollen – werden sie einzeln gespielt, als 14 – und der Black Hat ist im Prinzip auch ein Joker, aber er kehrt für den Stich die Wertung um – das heißt, wenn der Black Hat im Stich ist, nimmt der niedrigste Wert den Stich mit (und der Black Hat muss behalten werden, zusammen mit den stechenden oder wahlweise allen Karten dieses Stichs). Der Black Hat ist zudem beidseitig – im Gegensatz zu den anderen Karten weiß man also immer, wo der gerade steckt.

Wer einen Stich gewinnt, muss einen seiner Marker vorziehen, oder einen gegnerischen Marker von einem Feld weiterbewegen, das einen negativen Wert hat, oder, wenn beides nicht geht, eine Karte ziehen. Wer einen Marker vorzieht, folgt den Pfeilen auf dem Spielplan bis zum nächsten freien Feld – und da kommen wir an den Punkt, wo man vielleicht einmal den Stich nicht gewinnen will.

Die Felder (die die unterschiedlichen Bereiche des Computernetzwerkes darstellen) sind nämlich unterschiedlich wertvoll – umso besser, je nützlicher. Ein Mailaccount ist zwar besser als eine Telefonnummer, aber ein Useraccount wäre natürlich schöner; noch besser ist natürlich der Datenspeicher. Einige Felder fangen zudem die erste Figur, die dort einloggt – das sind der "Alarm“ des Public Servers (der dann den Tracer aktiviert, wenn mit dieser optionalen Regel gespielt wird), und der "Honeypot“ (der eine angenehme 0 kurz vor dem Ziel darstellt) und werden danach generell übersprungen.

Allerdings wird nach jeder kompletten Runde (wenn mindestens ein Spieler keine Karten mehr hat) gewertet – und zwar werden die jeweiligen Punkte der Felder, auf denen die Marker gerade stehen, und die Strafpunkte der noch auf der Hand befindlichen Karten zusammengezählt (jetzt erklärt es sich auch umso besser, wieso man Felder mit negativen Werten bevorzugt), und der Marker auf dem Zählbrett entsprechend weitergezogen.

Wer am Ende die wenigsten Punkte hat – also die wenigsten Spuren hinterlassen hat – hat gewonnen, und das Ende ist dann erreicht, wenn entweder der Central Asset geknackt wurde, oder sich niemand mehr bewegen kann. Das ist, wenn die Spieler das Spiel erst einmal begriffen haben, durchaus nach etwa einer halben Stunde der Fall, wobei die Spieleranzahl auf die Dauer keinen allzu großen Einfluss hat – zwar wird es verzwickter, aber auch voller auf dem Brett und dadurch gibt es auch mehr Möglichkeiten des Überspringens. Die 2-Spieler-Option ist übrigens auch eine Dreispielervariation – hier spielt ein "Roboter“ offen mit (und der kann sogar gewinnen, wenn sich die Spieler dumm genug anstellen).

Insgesamt ein schnelles taktisches Spiel, mit zum Glück eher kleinem Glücksfaktor (Na ja, Karten eben – aber das relativiert sich in der Regel), das zu begreifen schnell geht, aber wirklich dahinterzusteigen weit länger dauern dürfte. Wann man vielleicht mal lieber die Gegner gewinnen lässt, erschließt sich nicht jedem sofort. Durch die variablen Spielfeldteile und eine ganze Reihe optionaler Regeln ist auch der Wiederspielwert hoch; ein Lob auch an die Spielanleitung, die – gerade zur Stichmechanik – viele verschiedene Beispiele zeigt, vor allem solche, wo der Black Hat am Stich beteiligt ist (und das wäre sonst für viele anfangs etwas verwirrend). Wer also gerne mal am Tisch ganz legal ein wenig "hacken“ will, der sollte sich an diesem Kickstarter beteiligen…

Hersteller Dragon Dawn Productions in der Arctic Union
Autor Timo Multamäki
Künstler Scott Everts, Juha Salmijärvi, John Lewis
Spieler 2-6
Denken 7
Glück 3
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 39,90 € (geschätzt)

2 comments

  1. […] Mittwoch startete Black Hat EUF, das wir hier besprochen haben. Der Herausgeber gehört zur finnischen Kollektive Arctic […]

  2. […] zum Kampagnenbeginn hatten wir eine Rezension des Spiels Black Hat EUF, das diese Woche seine Finanzierung beendet. Ein Stich-Kartenspiel, bei […]

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