Alias Haff and Jones

Boxes

BoxesSeit ein paar Jahren sind Auktionen ein Thema für Reality Shows (wobei anzumerken ist, dass die meisten dieser Shows tatsächlich nicht 'scripted' sind, im Gegensatz zu den meisten anderen Reality Shows). Nachdem Fernsehserien über Pfandleiher und die Verkäufer in Auktionshäusern kamen November/Dezember 2010 die ersten Shows ins Fernsehen, die sich auf die Käufer spezialisierten: Auction Hunters, Fast zeitgleich – nur einen Monat später – kam dann Storage Wars ins Fernsehprogramm, und seither gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Programme mit einem ähnlichen Thema, wie zum Beispiel Container Wars.

Eine Gemeinsamkeit all dieser Shows ist, dass sie in der Regel Lagerraum- oder Containerauktionen eines Tages zeigen, die anschließende Bewertung der enthaltenen Gegenstände bis hin zu ihrem Verkauf. Allen Haff und Clinton "Ton“ Jones von Auction Hunters sagen in der Einleitung der Show explizit, dass nur Highlights gezeigt werden, und erzählen auch oft, dass bei ihnen die 80/20-Regel („Wir machen 80% unseres Gewinns mit 20% der Lager“) gilt. Die späteren Serien folgen nicht einem Händler, sondern mehreren, was dazu führt, dass die einzelnen Auktionen und ihre Ergebnisse etwas weniger Zeit zur Verfügung haben; dafür wird ein kompetitiver Geist deutlicher. Und genau diesen Wettbewerbsgeist will auch das belgische Boxes einfangen.

Die Schachtel sieht aus wie ein roter Container, mit entsprechenden Aufdrucken. In der Schachtel findet man folgende Teile:

  • die Spielregel auf Französisch, Niederländisch, Deutsch und Englisch
  • 60 "Schachtelkarten“
  • 68 Geldscheine (je 17 zu 50, 100, 200 und 500 ECU)
  • eine Holzscheibe als Auktionator-Marker

Die Spielregeln – die auf vier Sichtschirmen verteilt stehen, hinter denen die Spieler ihre Geldscheine und Waren verstecken können – sind leider nicht zum Download verfügbar.

Die 'Schachtelkarten' (man merkt hier, dass die ursprüngliche Spielregel französisch war, caisse kann alles mögliche bedeuten, auch Kasse, Karten oder Karosserie…) sind unterteilt in 36 'offene' und 24 'geschlossene' Karten, sie bestehen aus dickem, stabilem Karton. Ein einziger Marker unterschied sich deutlich von den anderen und ist damit erkennbar. Die Geldscheine sind entweder aus sehr dünnem Plastik oder sehr gut plastifiziertem Papier – vermutlich aber das letztere.

Das Spiel wird verkauft als "für 2-8 Spieler“, aber hierbei geht man davon aus, dass dann Teams von zwei Leuten zusammen arbeiten (im Stil von Jarrod Schulz und Brandi Passante bei Storage Wars). Auch gibt es ein kleines Problem, wenn man zu viert spielt: dadurch, dass die Regeln auf den Sichtschirmen abgedruckt sind, aber nur jeweils in einer Sprache, kann es problematisch sein, während des Spiels noch einmal in den Regeln nachzuschauen.

Das Spiel besteht aus insgesamt sechs Runden, in denen jeweils ein Set aus zehn Schachtelkarten versteigert wird: vier geschlossene und sechs offene. Was sich hinter den Karten versteckt, weiß man aber nicht.

Zu jeder Auktion wird ein "Auktionator“ bestimmt (zu Spielbeginn ist es laut Startspieler-Witz der, der zuletzt an einem Flohmarkt teilgenommen hat, anschließend wird die Rolle jede Runde weitergegeben, markiert mit dem Auktionator-Marker), der festlegt, ob eine Autkion offen oder verdeckt erfolgen muss. Offen heißt, dass reihum Gebote abgegeben werden, allerdings kann man nicht mehr mitbieten, wenn man einmal gepasst hat (wie beim Poker). Verdeckt heißt, dass jeder Spieler verdeckt einen Betrag setzt und der meistbietende den Zuschlag erhält – bei Gleichstand entscheiden die Meistbietenden in einer offenen Auktion, beginnend mit dem verdeckten Gebot, wer den Zuschlag erhält.

Damit man aber ein einigermaßen informiertes Gebot abgeben kann, muss man eine Ahnung haben, was sich in einer Box befindet. In der Realität hat man ein paar Minuten Zeit, in den Lagerraum oder Container von außen hineinzuschauen.. Um dies hier zu simulieren, hat jeder Spieler sieben Aktionen, mit denen er Schachtelkarten ansehen darf – eine Aktion für jede offene Schachtel, zwei Aktionen für jede geschlossene. Insgesamt würde man vierzehn Aktionen benötigen, um alle Schachteln anzusehen, man muss also bewusst wählen, welche Schachteln man sich ansehen will – wobei man sicher auch die entsprechende Wahl der anderen Spieler im Auge behalten sollte.

Wer die Auktion gewonnen hat, bezahlt den Betrag an die Bank und erhält die Dosenkarten. Man darf sie sich ansehen, um für die weiteren Runden eine Strategie zu haben.

Wenn alle sechs Versteigerungsrunden beendet sind, wird abgerechnet. Zum einen werden die Werte alle Schachtelkarten eines Spielers zusammengezählt. Dazu kommt das restliche Bargeld und ein Bonus, der von den gesammelten Karten abhängt.

Die Karten kommen in verschiedenen Werten; außerdem gehören einige Karten zu 'Serien‘: Antiquitäten, Musik, Elektronika oder Schmuck, farblich angezeigt. Auch sind einige Karten nichts wert (14-mal nichts bei den geschlossenen Dosen, 20-mal nur 10 ECU bei den offenen), während die übrigen Karten zwischen 50 und 200 ECU bei den offenen, 250 oder 500 ECU bei den geschlossenen Schachteln wert sind. Wer drei (bei zwei Spielern: vier) Karten einer Serie hat und dabei mindestens eine geschlossene Schachtel dieser Serie hat, erhält einen Bonus von 250 ECU.

Zwei Regeln sind eher unintuitiv. Zum einen kann man seine Schachteln nicht vor Ende des Spiels verkaufen (um so neues Bargeld zu erhalten), aber das entspricht der Regel, dass man nach Auktionsbeginn normalerweise kein Bargeld mehr besorgen kann, um seine Finanzen zu erhöhen.

Weniger schön und unangenehmer überraschend ist aber die Regel, dass man beim Bezahlen kein Wechselgeld erhält. Bei anderen Spielen mag das sinnvoll oder verständlich sein, aber bei einer Versteigerung kann man normalerweise auch davon ausgehen, dass man Wechselgeld erhält – und wenn man mehrere Lager/Container ersteigert, kann man diese normalerweise auch 'am Stück' bezahlen und muss nicht jede Auktion getrennt abrechnen.

Leider sind die Regeln an zwei Punkten auch nicht ganz eindeutig. Zum einen ist nicht klar, ob der Auktionator die Auktionsform bestimmt, bevor oder nachdem die Spieler ihre Aktionen zum Ansehen einzelner Karten genutzt haben. Diese Entscheidungen können sich nämlich gegenseitig beeinflussen: wenn der Auktionator bereits einen Teil der Schätze kennt, kann er die Auktionswahl so setzen, dass entweder er die besseren Chancen hat, die Auktion zu gewinnen oder so, dass er den anderen nutzloses Material zuspielt. Wenn man aber andererseits die Auktionsart kennt, kann dies – und die Tatsache, dass man weiß, wer welche Schachtelkarten bereits angesehen hat, meine Auswahl der anzusehenden Karten beeinflussen.

Auch wird nicht deutlich gesagt, ob die Schachtelkarten nach der Auktion aufgedeckt werden, so dass alle wissen, welche Karten bereits versteigert wurden, oder nicht. Logisch ist allerdings letzteres.

Abgesehen von diesen Details wird die Atmosphäre der Fernsehshows gut eingefangen. Vor allem hat man, wie auch die Teilnehmer an den TV-Shows, nur eingeschränkte Informationen. Bieten die Mitspieler auf die aktuellen Schachtelkarten, weil sie wissen, dass die Karten, die ich nicht kenne, sehr gut sind? Oder sind sie erst recht besch… und wollen mich verleiten, noch mehr zu zahlen?

Von besonderem Interesse dürfte sein, dass dies eines der ganz wenigen Auktionsspiele ist, das sogar zu zweit interessant ist. Dadurch, dass man nur die Hälfte der für die ausliegenden Schachtelkarten notwendigen Aktionen besitzt, ist es für die Spieler in extremis möglich, nur genau die Karten zu kennen, die der jeweils andere nicht kennt. Andererseits führt eine Überlappung der Kenntnisse eventuell ebenfalls zu besonderen Konkurrenzsituationen.

Für Freunde der Auktions-Fernsehserien ist Boxes sicher eine gute Umsetzung des Themas, aber auch wer diese Shows nicht so mag, kann etwas mit dem Spiel anfangen. Sicher ist der Auktionsmechanismus an sich nicht für jeden Spieler attraktiv, aber wenn man nicht gerade ein erklärter Feind derselben ist, dürfte das Spiel sowohl dem Gelegenheitsspieler wie dem Vielspieler etwas bieten können.

Hersteller Art of Games
Autor Benoît Remy
Künstler Alexandre Debrot
Spieler 2-8 (max. vier Teams)
Denken 7
Glück 5
Geschicklichkeit 0
Preis ca. € 20,-

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