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Die Schlösser des König Ludwig

Die Schlösser des König LudwigDass Deutschland ein bedeutender Markt für Spiele ist, kommt vielleicht für manchen überraschend. Ein Beweis hierfür dürfte aber sein, wenn Spielehersteller speziell für den deutsch(sprachig)en Markt Versionen ihrer Spiele herausgeben, obwohl sie selbst aus Amerika kommen – und ich meine hier nicht Spiele mit beigelegter deutscher Regelversion, sondern komplett deutsche Ausgaben.

Bézier Games hat den Schritt gewagt, selbst auf den deutschen Markt zu expandieren. Neben der Vollmondnacht – einer deutschen Ausgabe von One Night Werewolf – bietet der Verlag mit Die Schlösser des König Ludwig auch eine deutsche Ausgabe von Castles of Mad King Ludwig an. (Neben der englischen und der deutschen Ausgabe, die beide bei Bézier Games erschienen, soll dieses Jahr auch eine polnische Lizenzausgabe bei Planszoweczka.pl erscheinen.)

Die Schachtel hat quadratisches Eurogame-Format (etwas flacher als beispielsweise Die Siedler von Catan. Aber in der Größenordnung) und enthält, wenn man sie öffnet zunächst einmal eine Menge Luft. Darunter findet man dann

  • die Spielregel auf Deutsch
  • ein Spiel-„Brett“ in fünf Teilen
  • 4 Übersichtskarten
  • 4 Eingangshallen
  • 4 Zählsteine
  • 24 Marker "Wunsch des Königs“
  • ein Baumeister-Spielstein
  • 5 Pappmünzen à 5000 Mark
  • 40 Pappmünzen à 1000 Mark
  • 50 Raumkarten
  • 28 Bonuskarten
  • 6 Stiegenhäuser (Treppenhäuser)
  • 9 Gänge bzw. Kellergänge
  • 75 Räume
  • Bis auf die Karten und Spielsteine ist alles flache, dünne Pappe, die vor dem ersten Spiel aus Stanzbögen herausgedrückt werden müssen – eine Menge Arbeit, vor allem bei den Münzen. Wenigstens löste sich alles leicht aus den Stanzbögen und hinterließ auch keine verräterischen Stanznasen. Die Spielsteine sind aus Holz, einfache kleine runde Steine als Zählsteine, ein Märchenschloss als Baumeistermarker.

    Die Farbgebung ist teilweise nicht ganz deutlich – vor allem mit orange und gelb gab es auch bei den nicht farbenblinden Mitspielern hin und wieder Undeutlichkeiten.

    Die Spielregel kan bei Boardgamegeek heruntergeladen werden.

    Das einzige, was mir in der Schachtel gefehlt hat, waren Ziplock-Tütchen um die Räume, Münzen etc aufzubewahren. Nachdem die Teile aus den Stanzbögen gelöst wurden, nehmen sie sowieso mehr Platz weg und füllen die Schachtel besser. (Ich habe gehört, dass in der 2. Auflage zumindest in der englischen Version diese Tütchen mitgeliefert werden.)

    Die Räume haben verschiedene Formen und werden nach diesen getrennt gemischt und verdeckt auf die entsprechenden Felder auf dem Spielfeld gelegt. Die Raumkarten – je nach Spielerzahl 22 bis 44 Karten – werden gemischt und die ersten sieben ausgelegt. Jeder Spieler erhält eine Eingangshalle, den farblich dazu gehörigen Zählstein, 15.000 ℳ und drei Bonuskarten, von denen eine unter den Stapel zurückgeschoben wird. Die Bonuskarten geben einen Bonus bei der Endabrechnung, der für jeden Spieler anders ist.

    Außerdem werden in jeder Partie vier der Marker "Wunsch des Königs“ ausgelegt, die beispielsweise bestimmte Raumarten oder -größen anzeigen, die der König in den Schlössern sehen möchte.

    Eine Runde beginnt damit, dass der Baumeister die verfügbaren (fünf bis) sieben Räume auf die Felder mit den Kaufbeträgen verteilt – die Räume kosten damit dann von 1.000 bis 15.000 ℳ. Anschließend darf jeder Spieler, beginnend beim ersten Spieler nach dem Baumeister, wahlweise einen Raum kaufen, der dann sofort ins Schloss eingebaut werden muss, oder 5.000 ℳ vereinnahmen. Wenn ein Raum bezahlt wird, geht das Geld allerdings nicht an die Bank, sondern an den Baumeister. Wenn der Baumeister, als letzter der Spieler, einen der verbleibenden Räume kauft, geht dieses Geld allerdings dann in die Bank.

    Nachdem alle Spieler gekauft oder Geld eingenommen haben, endet die Runde, indem auf jeden noch vorhandenen Raum eine Münze zu tausend ℳ gelegt wird. Diese dient als 'Rabatt' für den Spieler, der den Raum später kauft, und die Münze kann auch gleich beim Kauf des Raumes verwendet werden. Auch kann ein Raum ohne weiteres mehrfach von diesem Rabatt profitieren, wenn er mehrere Runden nicht gekauft wird.

    Räume geben Siegpunkte, wenn sie an das Schloss angebaut werden, können aber auch Punkte kosten (Schlafzimmer neben der Kegelbahn), außerdem wird beim Anbau eines Raums such geschaut, ob die direkt angrenzenden Räume ihren Wert verändern. Hinzu kommt, dass ein Raum, der 'fertiggestellt' wird (wenn alle Türen mit Türen in benachbarten Räumen und Gängen übereinstimmen) noch einmal Zusatzpunkte gibt.

    Die Spieler bauen so lange, bis der Stapel an Raumkarten durchgespielt wurde. Bei Spielende gibt es noch Punkte für die Wünsche des Königs (wer die meisten Räume der bei Spielbeginn bestimmten Art eingebaut hat, die meisten unvollständigen Räume hat, das meiste Geld hat…), sowie Punkte für die persönlichen Bonuskarten – auch diese können für Raumarten, Raumgrößen etc. je nach Bonuskarte erhalten werden.

    Zu guter letzt gibt es dann noch Geld für jeweils 10.000 ℳ im Besitz der Spieler.

    Wer jetzt die meisten Siegpunkte hat, gewinnt das Spiel als königlicher Architekt.

    Das Spiel sitzt auf der Grenze zwischen Experten- und Familienspiel, ist also sowohl für Vielspieler wie auch für Gelegenheitsspieler gut geeignet. Die Regeln, nach denen Geld zwischen den Spielern oder an die Bank bezahlt wird, sind für Gelegenheitsspieler nicht sofort einsichtig, aber nach ein, zwei Partien haben auch diese damit keine Probleme mehr. Durch die immer anderen Bonuskarten und Wünsche des Königs wie auch durch die ständig neuen Raumauswahlen ähnelt auch kein Spiel dem anderen; der Wiederspielwert ist beträchtlich.

    Allerdings gibt es auch einen Punkt, an dem das Spiel zu einem jähen Halt kommen kann: ein Spieler mit Analyseparalyse wird, je früher er in der Runde an der Reihe ist, desto mehr Probleme haben, eine Aktion zu wählen – sei es, welchen Raum er kaufen will, sei es, dass er sich für das Geld entscheidet. Und die Verteilung der Räume auf die verschiedenen Preise macht so jemandem noch viel mehr Schwierigkeiten.

    Man sitzt auch als Nicht-Paralytiker oftmals längere Zeit zu überlegen, wie teuer man bestimmte Räume machen will – wenn der Preis für den Mitspieler noch einigermaßen attraktiv ist, kann man so größere Geldbeträge sammeln, mit denen man dann später hoffentlich noch entsprechend günstige Räume bauen kann – aber man will Räume, die man selber haben will, auch nicht unbedingt teurer machen als unbedingt nötig, nur gerade so teuer, dass die anderen Spieler sie eben nicht mehr haben wollen. Andererseits kann es gerade auch interessant sein, einen Raum besonders billig zu machen, den ein Spieler haben will, der spät in der Runde an der Reihe ist, damit ein anderer Mitspieler ihm den Weg wegschnappt (besonders erfolgversprechend, wenn kein für den Spieler sinnvoller Raum im Angebot ist). Hier muss man auch immer den Überblick zu behalten suchen, was die Mitspieler in ihren Schlössern gebaut haben, um ggf. die Preise der Räume entsprechend zu setzen.

    Es gibt auch eine Solospiel-Variante, die schwieriger ist, als man es sich vorstellt – man hat in jeder Runde nur drei Räume zur Auswahl, die Reihenfolge kann man nicht selbst wählen, und es gibt keine Wünsche des Königs, nur Bonuskarten. Rabatte gibt es auch nicht – wenn man sich ausbezahlen lässt statt einen Raum zu kaufen, werden alle drei Räume ausgetauscht. Damit ein Ergebnis zu erzielen, das in der vorgegebenen Tabelle akzeptabel ist, ist schon eine Herausforderung.

    Das Spiel hat sehr gut gefallen und ist auf jeden Fall, sowohl für Familienspieler wie für 'Profis‘, ein Anrater.

    Hersteller Bézier Games
    Autor Ted Alspach
    Künstler Keith Curtis
    Spieler 1-4
    Denken 8
    Glück 5
    Geschicklichkeit 0
    Preis ca. 7,90 €

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