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Wanted: Igor!

Wanted: Igor!Wenn eine Gruppe von fünf Individuen, die aus den verschiedensten Ländern stammt (Rumänien, Island, Färöer-Inseln, Malta und Norwegen) zusammenkommt und einen Spieleverlag gründet, geschieht das wo? Die (unintuitive, aber richtige) Antwort wäre: In Dänemark. Dort haben Kristín Guðmundsdóttir, Ioana Marin, Anders Lystad Brevik, Tróndur Justinussen und Simon Cutajar (nicht in der o.g. Reihenfolge der Länder…) im Rahmen des Nordic Game Jam 2012 mit Mussades den ersten Preis in der Kategorie Brettspiel eingefahren, und beschlossen, einen Kleinverlag zu gründen, der 2013 mit Wanted: Igor! den zweiten Preis einheimste und das Spiel dann auch auf den Markt brachte. Anders als Mussade, das als Game-Jam-Projekt in nur 48 Stunden auf die Beine gestellt worden war, hat Wanted: Igor! eine längere Entwicklungszeit durchgemacht.

Der Verlag der den Namen Kvasir von dem Weisen der nordischen Mythologie ableitet (was wiederum verwandt ist mit dem russischen Kwas) sitzt in Dänemark, und verschickt seine Spiele auch von dort. Gut zu wissen, denn ich habe Wanted: Igor! noch nicht hierzulande in einem Online-Shop gefunden. Während Dänemark noch in Dänischen Kronen rechnet, gehört das Land aber wenigstens zum SEPA- und EU-Gebiet, so dass Steuern und Zahlungsmodalitäten erträglich sind.

Das Spiel steckt in einer stabilen, relativ kleinen Schachtel. Für die 'Bewerber als Assistenten des Wissenschaftlers Victor Frankenstein' (man beachte, dass es in dem Roman keinen solchen Assistenten gab, und dass er auch nur ein Wesen erschuf) gibt es folgendes Material in der Schachtel:

  • ein Regelheft auf Englisch, Dänisch und Deutsch
  • 40 Spielsteine, je 8 in fünf Farben
  • ein Stapel Rumpfkarten
  • je eine Siegpunktkarte in den fünf Spielerfarben
  • vier Stapel mit je 15 Körperteilkarten
  • zu jedem Stapel Körperteilkarten je drei Ereigniskarten auf Englisch, Deutsch und Dänisch

Die Regel kann man auf Englisch, Französisch, Isländisch und Färöisch, aber nicht auf Deutsch, von der Webseite des Spiels herunterladen.

Die Karten haben normale Qualität, sind aber sehr eng eingeschweißt. Die Spielsteine sind platte runde Holzscheiben. Die Körperteilkarten zeigen jeweils einen von fünf Körperteilen, von jeweils drei Wesen einer Themenrichtung (Roboter, Menschen, Tiere, Fabelwesen), die Themenrichtung wird durch die Farbe der Karten angegeben. Die Illustrationen sind nett, wenn auch leicht cartoonhaft.

Zu Spielbeginn werden die vier Körperteilstapel, jeweils mit den drei Ereigniskarten einer Sprache, gemischt und ausgelegt. Genauso wird der Rumpteilstapel gemischt und verdeckt ausgelegt. Jeder Spieler wählt eine Spielerfarbe und erhält die entsprechenden Spielsteine (Marker) und die Siegpunktkarte. Jetzt zieht jeder Spiel zwei Karten von beliebigen Körperteilkarten. Danach wird eine Rumpfkarte weniger als Spieler mitspielen umgedreht, und das Spiel kann beginnen.

Wer am Zug ist, hat die Wahl aus drei Möglichkeiten.

Man kann zwei Karten auf die Hand ziehen; diese Karten kommen von den Körperteilstapeln, dürfen aber auch von zwei verschiedenen dieser Stapel stammen.

Man darf eine Ereigniskarte aus der Hand spielen. Diese ermöglichen beispielsweise, Körperteile wieder abzubauen, Mitspielern Steine wegzunehmen, Körperteile an andere Monster zu bauen als sie zur Zeit sind etc.

Drittens kann man auch eine Körperteilkarte an den entsprechenden leeren Platz an einem Monster anbauen. Die Karte muss am richtigen Platz sitzen (also beispielsweise kein Bein an die Schulter), darf aber von einem anderen Wesen stammen.. Dann legt man eigene Marker auf die Karte, wobei man sowieso einen Marker legen darf. Einen weiteren darf man legen, wenn die Farbe darf Karte mit der der Rumpfkarte übereinstimmt. Und noch einen marker darf man legen, wenn der Körperteil sogar zum Rumpf gehört (hierzu tragen alle Körperteile ein Zeichen, beispielsweise eine Krone für die Prinzessin oder eine Panflöte für den Faun).

Wenn hierbei ein Monster vervollständigt wird, wird abgerechnet: wer die meisten Marker auf dem Monster liegen hat, erhält einen Siegpunkt; hierfür legt er einen der Marker auf die Siegpunktkarte. Bei Gleichstand erhalten alle Spieler mit den meisten Markern einen Siegpunkt. Anschließend werden die übrigen Marker wieder in die Vorräte der Spieler genommen, und der Spieler, der das Monster vervollständigt hatte, darf noch einmal ziehen. Die Körperteilkarten werden, wie auch ggf. abgeworfene Karten, nach Farbe getrennt gesammelt, die Rumpfkarten kommen ganz aus dem Spiel.

Bei alledem gilt ein Handkartenlimit von sieben Karten beim Ende eines Zuges.

Da man nur acht Marker hat, muss man aufpassen, dass man nicht zu viele hiervon auf ein Monster legt, das dann nicht vervollständigt wird, weil die Mitspieler sich keine Chancen mehr auf Punkte aus dem Monster ausrechnen. Auch hat man gegen Ende des Spiels noch weniger Marker zur Verfügung (da sie ja auch als Siegpunkte verwendet werden), so dass es noch schwieriger wird, eine Mehrheit zu erhalten.

Wenn alle Stapel mit Körperteilkarten aufgebraucht sind, werden alle Stapel neu gemischt – aber erst, wenn alle vier Stapel komplett aufgebraucht sind.

Das Spiel endet, wenn ein Spieler seinen vierten Siegpunkt gewinnt – das kann auch in einem Unentschieden enden, wenn das letzte Monster zwei oder mehr Spielern Punkte bringt. Ansonsten endet das Spiel auch, wenn alle Rumpfkarten komplettiert wurden – dies wird effektiv höchstens bei fünf Spielern geschehen, auch wenn es eine Ereigniskarte gibt, mit der ein Rumpfteil aus dem Spiel entfernt wird: Um zu verhindern, dass ein Spieler vier Punkte gewinnt, müsste bei vier Spielern diese Karte schon dreimal verwendet werden. Und durch die Möglichkeit Siegpunkte zu teilen wird es auch bei fünf Spielern so gut wie nie passieren, dass alle Rümpfe verwendet wurden.

Das Spiel erfordert nicht viel Denkarbeit, und ist recht schnell zu Ende. 25 Minuten wie auf der Spieleschachtel angegeben hat das Spiel nur beim ersten Spielen gedauert. Nur ein Spieler mit Analyseparalyse könnte hier für Probleme sorgen.

Das Spiel kann man auch mit jüngeren Spielern gut spielen, so lange sie mit Spielkarten umgehen können (und diese nicht knicken oder so). Ein Vielspieler wird weniger an diesem Spiel finden, einem Familien- oder Gelegenheitsspieler wird das Spiel aber gefallen, wenn 'Area Control Games' (und genau das ist Wanted: Igor! auch wenn man es eher als Monster Control Game bezeichnen würde) nicht sowieso beim Spieler unbeliebt sind. Als Lückenfüller oder Aufwärmer beim Spielebaend macht es aber auch eine gute Figur.

Hersteller Kvasir Games
Autor Anders Lystad Brevik, Simon Cutajar, Tróndur Justinussen, Kristín Guðmundsdóttir, Ioana Marin (lt. Boardgamegeek, k. A. beim Spiel)
Künstler Kristín Guðmundsdóttir, Ioana Marin (lt. Boardgamegeek, k. A. beim Spiel)
Spieler 2-5
Denken 6
Glück 8
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 249 DKK (ca. 33,50 €)

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