Farbverlängerung

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Continuo

Dieses Spiel machte ein wenig Probleme – weil sich zunächst niemand finden ließ, der es überhaupt testen wollte. Als ich es bei unserer Testrunde auspackte, war die Reaktion etwa wie folgt.

„Ist das nicht früher einmal bei Schmidt erschienen?“

„Ja, genau das Spiel ist es. 1982 bei Schmidt, und in den 90ern noch einmal bei Amigo. Ich weiß allerdings nicht. Inwieweit…“

„Dann bin ich 'raus. Das Spiel ist so was von langweilig.“

„Wieso das denn?“

„Reines Glücksspiel. Da können wir noch besser Snakes and Ladders spielen.“

„Bist Du sicher? Vielleicht hat man da ja etwas gegenüber den Originalregeln verändert, wenn es denn wirklich so schlecht war.“

„Ich kann mir nicht vorstellen. Dass man da etwas retten könnte. Aber na gut.“

„Wieso legst Du schon Plättchen aus?“

„Weil das so in den Regeln steht.“

„Aha. Naja, ich neh … he, was soll das?“

„Laut Regel nur ein Plättchen.“

„Wir haben immer mit drei gespielt. So hat man wenigstens ein wenig Auswahl.“

„Aber so stand es meines Wissens nie in der Regel.“

„Nicht? War dann wohl eine Hausregel. Ist aber auch damit noch langweilig.“

„Schon 'mal ohne Hausregeln gespielt? Erinnere Dich an Monopoly.“

Ja, es scheint tatsächlich so zu sein (nach einer nicht-repräsentativen Rundfrage unter einigen Bekannten), dass Continuo zu den Spielen gehört, die von den meisten nur mit Hausregeln gespielt werden, während die Originalregeln zumindest in meinem Bekanntenkreis eher unbekannt sind. Interessanterweise wird diese Hausregel-Version bei Boardgamegeek nur einmal kurz angesprochen, ob wohl es dort noch eine andere Variante gibt, die ich weiter unten noch kurz ansprechen werde.

In der kleinen Spieleschachtel findet sich folgendes Material:

  • die Spielregel auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch
  • 42 Legeplättchen

Man benötigt noch ein Blatt und einen Stift, um Punkte zu notieren.

Die Spielregel kann man zwar beim Hersteller herunterladen (PDF, 2,6 MB), man kann sie aber in wenigen Worten zusammenfassen. Das Spiel machte zumindest international früher damit Reklame, dass es nur eine einzige Regel hatte, die sich auch noch leicht merken ließ.

Die Kartonplättchen sind nicht sonderlich dick oder stabil, aber für das Spiel ausreichend. Sie zeigen jeweils ein 4×4-Raster farbiger Quadrate, wobei die Plättchen immer im gleichen Muster belegt sind nach dem Schema:

A B C D
B B C C
C C B B
D C B A

Nebeneinanderliegende Farben (die Paare A-B, B-C und C-D im Schema) sind nie gleich, aber auf jedem Plättchen nur drei der vier möglichen Farben (rot, gelb, grün, blau) vorhanden. Alle möglichen Kombinationen unter dieser Bedingung sind im Spiel genau einmal anzutreffen. Damit sind die Plättchen doppelt diagonal- und punktsymmetrisch.

Zum Spielstart werden je nach Spielerzahl zwei oder drei Plättchen ausgelegt und so aneinander gelegt, dass sie einen möglichst hohen Wert ergeben würden. Dann zieht reihum jeder Spieler, wenn er am Zug ist, ein Plättchen und legt es an, wobei keine Plättchen übereinander liegen dürfen und mindestens ein Farbquadrat mit voller Breite neben einem bereits liegenden Farbquadrat zu liegen kommt.

Gewertet werden jetzt alle Farbketten (eine Reihe ist jeweils eine ununterbrochene Kette von Quadraten einer Farbe), die durch das neue Plättchen verlängert wurden – neu entstehende Ketten zählen nicht, unverändert bleibende Ketten auch nicht. Jede verlängerte Kette einer Farbe ist so viele Punkte wert, wie sie Quadrate lang ist. Das könnte maximal 64 Punkte bringen, meist bleibt es aber im 12-30er Bereich.

Das geht reihum so lange weiter, bis das letzte Plättchen verbaut ist. Wer dann die meisten Punkte verdient hat, hat gewonnen.

Ja, das Spiel ist sehr glückslastig, aber es regt dennoch die Hirntätigkeit an – man sucht ziemlich intensiv nach dem bestmöglichen Anlageplatz. Gleichzeitig versucht man dann auch noch, einen Platz zu finden, der den Mitspielern mögliche lange Ketten verbaut – was dann meist nur dazu führt, dass man selber der Gelackmeierte ist, weil man selbst das für diese langen Ketten nötige Plättchen zieht.

Von der Machart her würden wir Continuo daher eher als ein Spiel einschätzen für Großeltern mit ihren Enkeln, oder als leichtes Familienspiel. Anregender und spannender als in der verschlimmbesserten Version mit drei Handplättchen ist es allemal, wie man zugeben musste.

Eine Schippe drauf – also noch einmal einen Schritt besser – wird Cointinuo allerdings unserer Meinung nach mit der Versteigerungs-Variante Competitive Continuo, die Julian Clarke bei Boardgamegeek eingestellt hat. Hier wird jeder neue Plättchen "versteigert“, wobei man ansagt, wie viele Punkte man machen will. Wer das aktuelle Höchstgebot abgegeben hat, darf sich nicht selbst überbieten, sondern muss warten, bis jemand anders ihn überboten hat bevor man wieder mitbieten darf. Hier muss man nicht nur den besten Anlegeplatz finden, sondern das auch noch schnell tun und richtig zählen. Das konnte dann auch unseren Domino-Hasser halbwegs mit dem Spiel versöhnen – auch wenn es nie sein Lieblingsspiel werden wird.

Hersteller Game Factory
Autor Maureen Hiron
Künstler Maureen Hiron
Spieler 1-5
Denken 4(6)
Glück 8
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 12 €

Continuo bei Amazon

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