Turmbau zu Schachel

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SixMaKING

SixMaKINGSo langsam bin ich durch meinen Stapel an Spielen von der letzten SPIEL durch – ein paar habe ich noch, aber ich sehe inzwischen den Boden. Das heißt aber nicht, dass die Spiele, die ich noch in der Pipeline habe, die schlechteren sein müssten – ich wähle die Spiele nicht danach aus, ob sie mir vielversprechend aussehen oder nicht, sondern eher danach, welche Spiele für unsere Leser zum Zeitpunkt der Rezension eher interessant sein dürften – Spiele, die zu bestellen mehrere Wochen dauert (weil sie bspw. aus Fernasien kommen), werde ich nicht in den letzten zwei Wochen vor Weihnachten besprechen, weil Leute, die noch ein Weihnachtsgeschenk suchen, damit eher weniger anfangen können. Ob Spiele gut oder schlecht sind (oder zu sein scheinen), ist weniger ein Auswahlkriterium: es ist für einen Käufer sicher mindestens genauso wichtig, vor einer Zitrone gewarnt zu werden. Wie auf ein Goldstück aufmerksam gemacht zu werden. Deshalb wähle ich unter den aktuell interessanten zufällig aus – was liegt zur Zeit so weit oben im Stapel, dass der mir nicht um die Ohren herum zusammenstürzt, wenn ich das Spiel herausziehe?

Wäre es anders, gibt es einige Verlage, deren Spiele ich sicherlich vorziehen würde, weil sie mich bis jetzt noch immer angenehm überrascht haben – und das, obwohl ich bereits gutes von ihnen erwarte. Einer dieser Verlage wäre in einem solchen Fall mind fitness games aus Rumänien. Der Verlag ist – passend zum Namen – spezialisiert auf einfache Denkspiele, die es in sich haben – Muskelkater im Hirn ist vorprogrammiert. Das gilt auch für SixMaKING, das ursprünglich 2013 erschienen ist, zu dem aber voriges Jahr zur Spiel eine neue, erweiterte Version herauskam, die uns für diese Rezension vorlag.

In der Schachtel fanden wir folgendes:

  • 1 Spielbrett
  • 16 rote Spielscheiben
  • 16 gelbe Spielcheiben
  • ein Stoffbeutel
  • ein roter 'Buckliger‘-Spielstein
  • ein gelber 'Buckliger‘-Spielstein
  • ein roter 'Riese‘-Spielstein
  • ein gelber 'Riese‘-Süpielstein
  • ein weißer 'Milady‘-Spielstein
  • das Regelheft auf Englisch, Deutsch, Französisch, Rumänisch und Ungarisch
  • ein rotes Blatt mit den Spezialregeln für Milady, Riesen und Bucklige

Das Regelheft kann man auch von der Webseite des Herstellers herunterladen, das Blatt mit den Zusatzregeln gibt es aber leider nicht zum Download. Milady, Bucklige und Riesen sind erst in der 2014er Neuauflage hinzugekommen, das Regelheft ist noch immer das gleiche wie in der 2013er Ausgabe.

Das Spielbrett ist massiv und schwer, es scheint aus HDF zu bestehen. Die Spielfelder (5 x 5 Felder) sind nicht aufgedruckt, sondern in das Material gefräst, was wirklich edel wirkt. Die übrigen Spielsteine bestehen ebenfalls aus Holz, wobei die normalen Spielsteine Mühle- oder auch Backgammon-Steine sein könnten, das gleiche gilt für Milady, der Riese ist doppelt so hoch wie eine normale Figur und der Bucklige hat auf einer Seite eine Spitze („Zipfelmütze“, sagte einer meiner Testspieler).

Die Spielregeln sind bestechend simpel: zu Spielbeginn erhält jeder Spieler die Steine einer Farbe (im Normalspiel nur die einfachen Steine). Das Spielbrett ist zu Spielbeginn leer. Wer am Zug ist, muss entweder einen eigenen Stein auf ein leeres Feld setzen oder einen (beliebigen) Turm von einem oder mehreren Steinen auf ein anderes Feld ziehen, auf dem bereits ein Turm steht. Der wird dadurch aber nicht geschlagen, sondern der ziehende Turm setzt sich auf den Zielturm und wird hierdurch höher.

Wie zieht nun so ein Turm? Zunächst einmal: es muss nicht der ganze Turm ziehen, man kann auch einen Teil auf dem Ursprungsfeld stehen lassen und so den ursprünglichen Turm in zwei Türme aufteilen. Ein Turm 'gehört' immer dem Spieler, dem der oberste Stein gehört, das ist aber nur interessant für den Sechser-Turm, da jeder Spieler jeden Turm bewegen darf – und wie der Turm genau zieht, hängt von der Gesamthöhe des Startturms ab: auch wenn ich von einem Vierer-Turm nur einen Stein ziehe, zieht der wie ein Vierer-Turm. Ein einzelner Stein zieht wie ein Bauer im Schach, ein Zweier wie ein Turm, dann kommen Springer, Läufer und Dame. Ein Sechser-Turm (oder höher) würde also wie ein König ziehen, aber der wird sofort vom Spielbrett entfernt, und der Spieler, dem der oberste Stein in diesem Turm gehört, gewinnt bzw. erhält einen Punkt.

Im Normalspiel endet das Spiel sofort, wenn der erste Sechser-Turm gebaut wurde, und der bauende Spieler gewinnt. In der 'professionellen' Version 6×6 erhält der Spieler nur einen Punkt, zum Sieg sind sechs dieser Punkte notwendig.

Für Fortgeschrittene sind Optionen wie Milady (neutraler Stein, der, wenn möglich, vom ziehenden Spieler 'geschlagen' werden muss), die Buckligen (Steine, auf die man nicht ziehen kann) und die Riesen (die in sich bereits Zweier-Türme darstellen) gedacht. Diese sollte man aber wirklich erst einbauen, wenn man sich im Normalspiel gut auskennt.

Und das ist in sich schon kein Kinderspiel. Die Türme wachsen zwar nicht in den Himmel und die Regeln sind sehr einfach und schnell gelernt, aber es ist unglaublich verzwickt, alle Möglichkeiten im Auge zu behalten. Mehr als zwei, drei Züge im Voraus kann auch ein erfahrener Schachspieler, Go-Spieler oder auch Spieler anderer abstrakter Denkspiele kaum vorausplanen, jeder Halbzug ist da ein riesiger Schritt vorwärts. Außerdem ist die ganz simple Regel, dass jeder Spieler jeden Turm bewegen darf, egal von welcher Farbe, für die Kenner klassischer Denkspiele eine überraschend hohe Hürde. Tipp: auch mit der Regel, dass man immer nur die eigenen Türme ziehen darf, sorgt das Spiel bereits für erste Rauchzeichen im Gehirn.

Die Erweiterungsregeln machen das bereits ziemlich komplexe Spiel dann noch einmal um Klassen komplexer, und das Ergebnis ist das, was ein bekannter Cartoonhase als 'ein Hirnverzwirner allererster Kajüte' bezeichnen würde.

Für Freunde des komplexen Denksports zu Zeit (und von Muskelkatern in den grauen Zellen) ist dies Spiel also fast schon ein Muss, aber genau wie Go oder Focus sicher nicht für jeden Spieler geeignet.

Leider ist uns keine Bezugsquelle bekannt, man kann sich aber natürlich mit dem Verlag in Verbindung setzen – Rumänien ist ja seit fast zehn Jahren Mitglied der EU, so dass ein Einkauf von dort nicht mehr allzu große Hürden überwinden muss.

Hersteller mind fitness
Autor József Dorsonczky
Künstler Imageline S.R.L.
Spieler 2
Denken 10
Glück 0
Geschicklichkeit 0
Preis ca. k.A.

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