Cowboys des Südens

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El Gaucho

El GauchoGauchos sind grundsätzlich das Gegenstück zum nordamerikanischen Cowboy, allerdings ist die Herkunft des Begriffs in Südamerika nicht ganz deutlich. Durch die Vermengung verschiedenster Sprachen (Spanisch, Portugiesisch, Ketschua, Araukani, Arabisch…) gibt es eine ganze Reihe möglicher Etymologien für das Wort.

Ihre Rolle für die Viehzucht war aber nahezu identisch: hier wie dort zogen sie durch das Land, heuerten bei Landbesitzern an, fingen und trieben für sie Rinder etc. Genau das tun auch die Gauchos im Brettspiel El Gaucho von Argentum. Die Spieler stellen aber nicht selber Gauchos dar, sondern ihre Herren, die Rancheros. Sie setzen Gauchos ein, um Rinder zu fangen und hiermit möglichst viel Geld zu verdienen. Hierbei gilt, wie so oft: je größer die Herde, desto wertvoller.

In der Schachtel findet man folgendes:

  • den Spielplan
  • 4 Zaunstücke
  • 60 Rinderkärtchen (je 12 in 5 Rassen)
  • 33 Spielfiguren (je 8 in 4 Farben und eine schwarze)
  • 4 Geldsäcke
  • 9 Würfel
  • die Spielregel

Die Spielregel liegt gedruckt nur auf Deutsch vor, kann aber auch auf Englisch, Französisch, Niederländisch und Italienisch beim Verlag heruntergeladen werden.

Die Würfel sind einfache, hölzerne W6, wie man sie auch im Malefiz finden kann. Die Spielfiguren sind hölzerne Gaucho-Meeple, das heißt: Sie tragen offensichtlich einen Sombrero. Die 'Geldsäcke' sind Pappmarker, die, genau wie die Zaunstücke und die Rinderkärtchen in Stanzbögen stecken, aus denen sie sich gut herauslösen lassen. Wir hatten nur bei einem Rinderkärtchen eine Papiernase, nachdem sie ausgepöppelt wurde, und die konnten wir auch gut von Hand entfernen. Die Rinderrassen bestehen jeweils aus Karten mit Punktewerten von 1 bis 12, die verschiedenen Rassen unterscheiden sich in der Farbe der Rinder. Es gibt insgesamt 12 verschiedene Motive, jedes gibt es fünfmal mit den fünf verschiedenen Rinderrassen.

Vor Spielbeginn muss man den Zaun aufbauen – da das Spielbrett mit Zaun nicht in die Spieleschachtel passt, muss man das auch vor jedem Spiel wiederholen. Es werden (Anzahl der Spieler mal zwei plus 1) Würfel verwendet, jder Spieler erhält einen Satz Gauchos einer Farbe. Auf die vier Weiden auf dem Spielfeld werden vom gemischten Rinderkarten-Stapel Rinder ausgelegt, vier Rinder kommen als verdeckter Stapel in die 'Steppe'. Die schwarze Spielfigutr ist der Startspieler-Marker, er geht an den (Startspieler-Witz) Spieler, der zuletzt in Südamerika war …. oder den, der mit 2 Würfeln die höchste Summe würfelt. Jetzt erhält jeder Spieler ein paar Rinderkärtchen, von denen er sich ein paar aussuchen darf (je nach Rinderwert eins bis alle), die er als Herdenanfang vor sich ablegt – jede Rasse in einer eigenen Reihe. Nicht gewählte Kärtchen gehen verdeckt aus dem Spiel. Ein Gaucho wird als Geldzähler verwendet und kommt in eine Kramerleiste, die einmal rund um das Spielfeld führt und ein bis 100 Pesos darstellt. Zu guter letzt stellt jeder einen Gaucho auf ein Sonderaktions-Feld des Spielbretts.

Der Startspieler wirft zu Beginn jeder Runde alle Würfel in den umzäunten Bereich – das sog. Würfelrodeo. Wer am Zug ist, nimmt sich dann zwei Würfel aus dem Rodeo, und darf abhängig von den gewählten Würfeln einen oder zwei Gauchos einsetzen – ein Rind reservieren, erin Rind fangen, oder eine Sonderaktion vorbereiten.

Man darf beide Würfelzahlen addieren und einen Gaucho auf ein Rind oder ein Feld mit der entsprechenden Zahl platzieren, oder jede Würfelzahl einzeln für einen Gaucho verwenden und so zwei platzieren. Für die Rinder gilt, dass man entweder Würfel mit dem vollen Wert verwenden muss (und den Gaucho auf die Karte stellen darf) oder den halben Wert nutzt und einen Gaucho auf die Karte legt bzw. einen liegenden Gaucho aufstellt. Außerdem darf man ein Aktionsfeld, auf dem sich ein eigener Gaucho befindet, nutzen – aber nicht ein Feld, wo man soeben einen Gaucho eingesetzt hat.

Wenn alle Spieler ihre Aktion abgeschlossen haben (und nur noch ein Würfel im Rodeo liegt), wird überprüft, ob Tiere eingetrieben werden können. Hierzu müssen alle Rinder einer Weide mit Gauchos (stehend oder liegend) besetzt sein; dann dürfen alle stehenden Gauchos die Rinder, auf denen sie stehen, zum Auftraggeber treiben. Die Rinder werden an die bereits bestehenden Herden angelegt – es wird immer hinten angelegt, die Reihenfolge bleibt bestehen. Das Problem ist, dass eine Herde immer nur eine aufsteigende (1-4-5-8-11) oder fallende (10-8-7-6-2) Reihe von Werten haben darf. Wenn ein neu hinzugetriebenes Rind die Richtung der Reihe brechen würde, wird die bereits stehende Herde verkauft – wenn man mehrere Rinder einer Rasse hat, von denen nur ein Teil an die existierende Herde passt, darf man die Herde noch mit diesen anfüllen, bevor man verkauft. Der Wert der Herde ist (Zahl der Tiere) × (Wert des wertvollsten Tieres) und wird auf der Kramerleiste markiert. Anschließend werden die Weiden wieder aufgefüllt, bevor die nächste Runde beginnt.

Mögliche Sonderaktionen, die man mit Gauchos Ausführen kann, sind:

  • Man kann ein Rind statt es 'hinten an die Herde anzulegen' in die Herde einsortieren.
  • Man erhält einen 'imaginären' Würfel mit einer beliebigen Augenzahl zur Verfügung
  • Man darf sofort eine Herde verkaufen, die aus mindestens zwei Rindern besteht, außerdem gibt es 5 Pesos extra für diese Herde.
  • Man kann einem Mitspieler ein Rind stehlen (das hinten an die Herde angelegt werden muss – notfalls wird dann die bestehende Herde verkauft). Der bestohlene Spieler erhält den Wert des Rindes von seiner Versicherung.
  • Man kann ein Rind von der Steppe fangen
  • Man kann Gauchos aufwecken oder verdrängen: entweder zwei liegende eigene Gauchos aufstellen, oder einen liegenden gegnerischen Gaucho durch einen eigenen, stehenden Gaucho ersetzen. Auch hier erhält der Bestohlene eine Entschädigung von der Versicherung.

Wenn das letzte Rinderkärtchen in die Weiden oder die Steppe gelegt wurde, beginnt die Endphase. Zunächst wird die laufende Runde beendet (wenn die Karte in die Steppe gelegt wurde, das Auffüllen der Weiden ist ja die letzte Aktion der Runde), dann kommt noch eine komplette Runde mit Würfeln. Nach dieser Runde kommt noch eine Runde, in der jeder Spieler noch einmal Sonderaktionen ausführen darf, aber keine Würfel mehr erhält. Anschließend ist Endabrechnung.

Jetzt werden alle noch vorhandenen Herden verkauft, die wie immer noch Rinderzahl × Rinderhöchstwert wert sind, einzelne Rinder bilden jetzt eine Herde von einem Rind. Sieger ist, wer das meiste Geld verdient hat – bei Gleichstand teilt man sich den Sieg.

Das Spiel ist eine interessante Variation auf ein Worker-Placement-Spiel, das auch für Gelegenheitsspieler gut verständlich ist. Der Zufallseffekt ist erfreulich niedrig, was man von der Beschreibung her nicht erwarten würde. Auch bietet das Spiel nur wenig Anlass für Spieler, einer ggf. vorhandenen Aanalyseparalyse zu frönen. Andererseits hat man dennoch meistens die Auswahl zwischen verschiedensten Aktionen – man muss immer sehen, die richtige Mischung aus Rindersammlung und Sonderaktionen zu finden. Ohne Sonderaktionen kann man kaum gewinnen, wenn man nur Sonderaktionen verwendet, kommt man aber auch nicht besser voran.

El Gaucho ist ein Spiel, das Vielspielern wie Gelegenheitsspielern gleichermaßen gut gefällt, und auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung des Spieleschranks.

Hersteller Argentum Verlag
Autor Arve D. Fühler
Künstler Dennis Lohausen
Spieler 2-4
Denken 8
Glück 4
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 26,90 €

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