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Relic Knights

Relic KnightsDass die Tabletopszene immer mehr wegkommt von den Blöcken der Großschlachten, und mehr hingeht zum Skirmish und einigen kleinen Einheiten, ist schon seit ein paar Jahren kein Geheimnis mehr. Dass man dann natürlich weit mehr Wert auf besonders schön modellierte und bemalte Modelle legt, ist dann natürlich klar – man muss ja viel weniger anmalen, also darf es dann auch etwas ausgefallener sein. Mit Relic Knights – Darkspace Calamity hat Sodapop (per Kickstarter und mit Support über Coolminiornot) ein sehr fannishes, aber umso interessanteres Skirmishsystem herausgegeben, das in einigen Punkten interessant von dem abweicht, was man so kennt.

Wichtigster Punkt: Es wird hier nicht gewürfelt! Damit ist Relic Knights zwar nicht das erste Tabletop, das auf den Zufallsgenerator Nummer eins verzichtet, aber dafür bringt es direkt ein eigenes Kartendeck mit, mit dem das ganze Spiel geregelt wird – das sogenannte Esper Deck. Eines liegt jeder Starterbox bei, besteht aus 42 Karten, auf denen jeweils „Esper“, die Energie des Spieles, in ihren verschiedenen Facetten dargestellt wird (und je nach Farbe – so kann man sie am besten unterscheiden – ist diese Energie für verschiedene Dinge nützlich, und die einzelnen Fraktionen sind jeweils zu einer Art Esper besonders affin).

Wie war das – es wird nicht gewürfelt? Ja wird denn gemessen? Ja, aber nur Bewegungen; Reichweiten irgendwelcher Schusswaffen sind "hoch genug, um alles auf so einem kleinen Bereich zu treffen“ – alles, was das nicht kann, ist keine Schusswaffe, und somit nur im Nahkampf einzusetzen (das erspart eine Menge Diskussionen) – nur eine Sichtlinie sollte man zum Ziel schon haben (und wenn man schießen will, selber nicht im Nahkampf stehen).

Aber… Moment… Schaden ohne Würfel? Ja, auch das geht. Ein Angriff hat einen Schadenswert, das Ziel einen Rüstwert (oder auch nicht), die Differenz ist das, was durchkommt… und beides, sowohl Schaden wie auch Rüstung, kann ggf. durch "Presses“ – also Ausgeben passender Espers, sofern man hat, erhöht werden. Alternativ gibt es noch andere Methoden, Schaden zu vermeiden, indem man ihn z.B. umlenkt, aber es ist so oder so kein Zufall, wer wie viel Schaden bekommt, was sicher denjenigen Spielern gefallen wird, die sonst immer Murks würfeln.

Natürlich ist der Zufall nicht ganz raus – aber eben nicht so spontan, da man ja die Esperkarten hat. So sieht man, wie viel von welcher der Energien man zur Verfügung hat, und was man damit anstellen könnte (oder auch verhindern). Außerdem sind diese ein wenig berechenbar, da das Deck immer durchgespielt wird, und erst dann die abgelegten Karten neu gemischt werden. Außerdem können Einheiten auch Esper speichern – von daher kann man ein wenig der benötigten Energie bunkern.

Auch, dass Karten zu den jeweiligen Einheiten gehören, die ihre Werte aufzählen und abstreichbare Schadensboxen haben, ist nicht neu – dafür aber die Mechanik der "Ready Queue“, eine Reihe, die die Karten durchlaufen, um die nächste aktive Einheit zu sein (deren Länge hängt von der Spielgröße ab). Diese rücken immer nach, so kann man auch den Gegner etwas besser einschätzen, da man ja sieht, welche Einheiten wann an die Reihe kommen – und welche zumindest erst einmal nur herumstehen. Wenn man einige gerade nicht braucht, ist es durchaus möglich und sogar gewollt, diese lange stehen zu lassen und dafür häufiger andere zu aktivieren.

Soviel erst mal zu den Regeln, die in den innovativen Punkten angenehm vom althergebrachten abweichen. Zum Spielmaterial lässt sich sagen, dass man mit einer Starterbox schon genug für ein kleines Scharmützel bekommt (nennt sich "Begegnung“, geht bis 35 Punkte – in den Starterboxen sind je ein Questing Knight und zwei Einheiten, die zusammen auf ca. 30 Punkte kommen, und von da kann man aufrüsten – zum Testen wurden uns übrigens die Starterboxen der Star Nebula Corsairs und des Shattered Sword zur Verfügung gestellt). Die Esperkarten haben gute Spielkartenqualität, gleiches gilt für die Einheitskarten (und die wird man eh in Kartenkondome stecken). Das Dashboard (auf dem sich auch die Ready Queue usw. findet) ist zusammengefaltetes dickes farbiges Papier, die Miniaturen sind sehr detailliert – mittlerweile geht mit Kunststoff schon viel. Sie liegen in Einzelteilen vor und müssen natürlich zusammengebaut und auf die (separaten) Bases montiert werden. Natürlich sollte man sich schon die Zeit nehmen, sie hübsch zu bemalen – das lohnt hierbei wirklich. Außerdem gibt es eine ganze Tüte hochwertiger transparenter Counter der passenden Farbe, und ein kleines handliches Regelheftchen, in dem die Regeln noch einmal (wenn auch klein, aber übersichtlich) abgedruckt sind, was schon deshalb praktisch ist, da so kein großes Buch auf dem Spieltisch im Weg herumliegen muss. Das einzige von außerhalb, was man braucht, ist ein Maßband.

Kader (so werden die Truppen hier genannt) werden immer von einem oder mehreren Knights angeführt (je nach Punktelevel), besonderen Individuen, die eine Verbindung mit einem sogenannten "Cypher“ eingegangen sind – Wesen, die besonders Esper-affin sind und die den Knight in seinen Zielen unterstützen. Die sogenannten "Questing Knights“ sind noch recht neu in ihrer Position, die "Relic Knights“ sind schon erfahrener und haben durch ihren Cypher schon ein "relic“ erhalten – ein Mecha-ähnliches Konstrukt, auf dem sie sich in die Schlacht bewegen. Natürlich sind die Relic Knights die teuersten Einheiten im Spiel – und auch die teuersten, weil aufwendigsten Miniaturen.

Und nun ein wenig Informationen zu den Fraktionen, die es überhaupt gibt – alle erinnern einen schon fast zwingend an das ein oder andere Anime, oder bestimmte Motive aus Fantasy, SciFi usw, und das ist auch völlig richtig so – so kann man sich wenigstens etwas unter den – ansonsten durchaus eher schrägen – Fraktionen vorstellen.
Machen wir’s doch nach dem Regenbogen:

  • Rot steht für Entropie, und damit besonders affin ist das Noh Imperium – im Prinzip dämonische Wesen, an japanische Folklore angelehnt, die der Hydra Nozuki folgen, und – sklavenjagend – durch die Galaxis ziehen. Sie nehmen es zur Kenntnis, dass andere Gruppen sie als verbrecher sehen – immerhin haben sie das, was man ihnen vorwirft, auch getan, aber ob das wirklich Verbrechen sind, ist eben… eine Frage der Sichtweise. Allerdings sind die Noh in dieser Hinsicht konsequent. Zu ihren Einheiten gehören neben den eigentlichen Noh, die allesamt sehr groß sind, auch diverse Bestien, die von ihren Bestienmeistern dirigiert werden.
  • Orange ist die Farbe des Espers "Chaos“, und wird daher von den anarchistsich orientierten Star Nebula Korsaren bevorzugt. Wer Captain Harker (einen Questing Knight) sieht, denkt sofort an Captain Harlock, und das trifft das Bild auch recht gut – Weltraumpiraten im chaotischen Animestil, Opportunisten, die es mögen, wenn, nachdem sie zu Ende geplündert haben, alles ordentlich BUMM macht. Sowohl die Korsaren selbst als auch ihre Maschinerie (in Form von Geschützen oder auch Mecha) scheinen direkt aus so einem Anime entsprungen zu sein (wer Captain Harlock nicht kennt, ist… wohl etwas zu jung, googlet mal danach).
  • Gelb steht für Essenz – und damit beschäftigen sich die Eingeweihten der Doktrin – Märchenland meets Hogwarts, oder so ähnlich. Die Truppen stellen Angehörige eines magischen Colleges dar – oder auch schon mal Märchenfiguren, so ist die Questing Knight aus der Startkiste im Prinzip eine Variante von Rotkäppchen (und ihr Cypher der "böse Wolf“), und auch sonst geht’s hier klassisch um Zauberei und Hexerei – spitze Hüte und Zauberstäbe, Avada Kedavra!
  • Grün steht für Schöpfung (und ist damit der Entropie entgegengesetzt), und damit affin ist der Cerci Speed Circuit – eine Art Rennzirkus von Tempojunkies, Schraubern und – fast alles sind ziemlich sexy Anime-Mädels. Tempo ist zwar nicht alles, aber für den Circuit sehr wichtig, zumal die Hells Belles sowieso durch die gegend biken – Flashy? Grell? Schnell? Aber sowas von… hoffe ihr kriegt keine epileptischen Anfälle. Hat manchmal was von MASK der letzten Staffel, wo es eben um Rennen ging…
  • Blau steht für Ordnung und Gesetz – natürlich dem Chaos gegenüber, und damit genehm für das Shattered Sword. Denkt einfach an eine Art Cyberpaladine, und ihr seid ganz gut dabei… irgendwie fühle ich mich da auch ein wenig an die Visionaries erinnert, wer sie noch kennt. Wem (Kreuz)ritterliche Mentalität und ein entsprechender Ordnungsbegriff zusagt, wer Spaß an Schwertern, Schilden und Lanzen hat (gibt’s auch alles in Hightech), ist hier richtig aufgehoben.
  • Last but not least steht Violett für… Verderbnis, und das meint wohl eher die moralische welche. Die zugehörige Fraktion ist das Diamond Syndicate, eine skrupellose Söldnerfraktion, die einen entsprechend militärischen Touch hat. Die Truppen sind, wenn lebendig, zwar menschlich, aber gut gerüstet, und Mecha oder Minitanks werden gerne verwendet. Dass das dem eher mystischen der Essenz entgegensteht, verwundert da wenig.

Natürlich ist es ein wenig Geschmackssache, wem welcher Spielstil, welche Miniaturen und welcher Hintergrund wie gut gefällt; oftmals sind benachbarte Esper durchaus nützlich für die eigene Fraktion (einige Knights sind sogar direkt in einer eigentlich nicht ganz so affinen Esper kundig). Aber es sollte eigentlich für jeden etwas dabei sein. Das Potential, sich irgendwann zu etablieren, hat Relic Knights sicherlich, schon weil das Gewürfel schlicht unterbleibt. Das Hardcover Regelwerk beinhaltet außerdem neben den Regeln die Daten sämtlicher Einheiten, massenhaft schönes Artwork, Hintergründe und auch interessante Storyepisoden, dazu nicht zuletzt eine wie ich finde gute Anleitung zum Modellbau und Bemalen. Insgesamt für den Preis eigentlich ein gutes Bundle, vor allem, wenn man mal ein Tabletop spielen will, das auch mit wenigen Miniaturen auskommt. Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Spieler auf den Zug aufspringen und wünsche Soda Pop von dieser Seite aus schon mal weiter viel Erfolg, die ersten Schritte waren schon sehr gut, mal sehen wie es weitergeht.

Hersteller Soda Pop Miniatures
Autor John Cadice, Deke Stella
Künstler k. A.
Spieler n/a (Tabletop)
Denken n/a (Tabletop)
Glück n/a (Tabletop)
Geschicklichkeit n/a (Tabletop)
Preis ca. 46 € (Regelwerk und jede Starterbox)

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