Der große Hunger

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Chomp!

ChompDas Phänomen Zombie ist – unter anderem aus der Santeria – schon länger bekannt. Klassisch bezeichnete der Begriff allerdings einen magisch versklavten Diener eines Houngan, oder Voodoo-Priesters – wobei oftmals Tetrodotoxin verwendet wurde, um den eigenen Willen des Opfers zu unterdrücken. Die Menschenfleisch fressende Version des Zombie wurde nicht einmal im grundlegenden Werk Night of the Living Dead (Deutsch: Die Nacht der lebenden Toten) von 1968 als solcher bezeichnet: Romero nannte die Geschöpfe Ghule. Erst die Nachahmer, die den durch einen Fehler der Verleihfirma bereits mit der Veröffentlichung in den USA gemeinfreien Film kopierten, nannten sie dann Zombies – und der Rest ist Geschichte.

Fleißig bei dieser Geschichte und den verschiedenen Zombietypen bedient sich auch Chomp!, ein Rollenspiel in der Zombieapokalypse, das zur Zeit über ein Projekt bei Kickstarter finanziert werden will. Als ich das Projekt vorige Woche in den Finanzexperten erwähnte, waren noch alle Level 'US Only‘, da alle Level eine gedruckte Version oder andere physische Prämien enthielten. Inzwischen sind auch effektiv zwei PDF-only-Level hinzu gekommen: für 5 US-Dollar erhält man das Regelwerk, für 10 Dollar die komplette Produktreihe (Auslieferung über DriveThruRPG).

Mir hat entsprechend auch die PDF-Version vorgelegen, die mit 54 Seiten und etwa 3,5 MB recht schlank daherkommt, aber alles enthält, was man nötig hat. Zusätzlich gibt es noch Charakterbögen und 'Cheat Sheets' zum Downlaod (letztere passen auch gut in einen Spielleiterschirm), sowie mit Chomp! Zombie Infection eine Erweiterung, mit dem man Zombies spielen kann, sowie ein Abenteuer, Wrath at Con.

Chomp! soll schnell gestartet werden können, die Charaktererschaffung soll nur wenige Minuten dauern. Und ja, diese Behauptung stimmt auch – wobei man beim Erstellen der Charaktere daran denken sollte, dass die meisten Chomp!-Sitzungen eher One-Shots sind, und man daher auch nicht zu viel Arbeit in einen Charakter stecken sollte.

Charaktere werden ausgewürfelt – das geht einfach schneller, als wenn man Punkte verteilen würde, und passt gut zur One-Shot-Mentalität: Während man mit seinem Charakter mitfühlen sollte, ist eine zu große Bindung, wie sie bei einer ausgebreiteteren Charaktererschaffung einstellt, eher nicht wünschenswert.

Ein Charakter besteht aus Skills, Traits und Tactics (plus evtl. Ausrüstung), also aus Fertigkeiten, Eigenschaften und Taktiken. Zunächst wird mit einem W6 ein Fertigkeitsfokus ausgewürfelt, der auf einen der fünf Fertigkeiten (Angriff, Verteidigung, Überleben, Athletik, Medizin) einen Bonus von +1 gibt – wer eine 6 würfelt, kann sich den Fokus aussuchen.

Anschließend wird auf einer Tabelle (je eine pro Fokusfertigkeit) mit 2W6 eine Eigenschaft ausgewürfelt, die wiederum mit zwei Boni aus Fertigkeiten gepaart geht. Ein glücklicher Angreifer beispielsweise erhält noch je+1 auf Angriff und Überleben, ein aggressiver Angreifer sogar +2 auf Angriff. Diese Eigenschaft selbst ist eher als Hinweis darauf gedacht, wie man den Charakter spielen soll.

Schließlich darf man sich eine Taktik aussuchen – Taktiken erfordern in der Regel einen Bonus auf eine oder zwei Fertigkeiten, so dass die Auswahl aus einer relativ kleinen Liste erfolgen kann. Diese Taktiken könne beispielsweise mehr Schaden bei einem Angriff verursachen, die Heilfertigkeiten eines Charakters verbessern etc.

Außerdem gibt es auf dem Charakterbogen Platz für einen Beruf – der ist in erster Linie dafür gedacht, eine Begründung zu liefern, wenn man etwas Ungewöhnliches versucht. Ein Schlosser wird seine Überlebens-Fertigkeit verwenden dürfen, wenn er ein Schloss knacken will – ein Musikprofessor sollte sich für einen derartigen versuch schon einen guten Grund überlegen… Feste Boni auf Fertigkeiten gibt so ein Beruf allerdings nicht.

Bei Proben und Kämpfen fällt auf, dass die 'Gegenseite' – also die, die durch den Spielleiter repräsentiert wird – feste Werte hat, mit denen die Würfe der Spieler verglichen werden. Ähnlich dem passiven Widerstand bei FATE oder den NSC-Werten beim John-Sinclair-Abenteuerspiel bleibt so die ganze Würfel-„Arbeit“ beim Spieler.

Was wird jetzt eigentlich gewürfelt? Nun, der Standard-Würfelwurf ist 2W6, plus ggf. Boni aus Fertigkeiten, sofern passend (siehe Beispiel oben zum Thema Schlösser knacken). Wer die Schwierigkeit überwürfelt, hat Erfolg. Schaden ergibt sich aus der Differenz zwischen Angriff und Verteidigung – Waffen haben nur sehr eingeschränkt zusätzliche Effekte, nicht zuletzt, weil in den entsprechenden Filmen meist doch improvisierte Waffen herhalten müssen.

Ein Abenteuer – oder, in der Sprache des Regelwerks: ein 'Film' – besteht meist aus vier bis fünf Szenen, die den Genre entsprechend hin und wieder vielleicht als Schleich-Aufgabe angelegt sind, meist aber eher in Zombiemetzeleien – wobei fraglich ist, ob die Zombies hier gemetzelt werden oder selbst metzeln – enden. Mit diesen Szenen kann man auch davon ausgehen, dass ein Aben… ein Film kurz und knackig bleibt, Ziel des Regelwerkes ist es, im Zeitrahmen eines Filmes – also 90-120 Minuten – zu bleiben, was mit der Filmstruktur in der Regel auch ganz gut klappt.

Am Ende jeder Szene darf man seinen Charakter 'steigern' – je nach der Nummer der Szene gibt es eine neue Taktik, eine neue Eigenschaft oder gar (wenn der Film fünf Szenen hat) einen neuen Beruf – einen Spezialberuf, der +2 auf eine Fertigkeit und +1 auf eine andere oder aber +1 auf drei frei zu wählende Fertigkeiten gibt. Noch weitere Steigerungen würden allerdings das System deutlich aus den Angeln heben.

In dieser Form ist Chomp! nicht nur für eine Rollenspielrunde geeignet – Kampagnenspiel ist mit dem Regelwerk allerdings eher schlecht umzusetzen, dafür ist es auch explizit nicht gedacht. Genausogut kann man es auch als 'Lückenfüller' bei einer größeren Lücke auf einer Con verwenden – beispielsweise, weil die Nachtrunde bis fünf Uhr morgens gedauert hat, und man jetzt auch nicht mehr schlafen will, andererseits aber auch nicht genug Spieler für eine Runde Werwolf zu finden sind.

Ich habe es am Wochenende auf einer meiner Spieletestrunden ausprobiert, wobei sogar ein Nicht-Rollenspieler dabei war (der aber ein Freund von Zombiefilmen ist). Auch ihm hat das System gefallen, es war leicht zu verstehen und lief flüssig. Insofern kann ich Chomp! nur empfehlen.

Hersteller FKI LLC
Autor Craig Sîeracki
Illustrationen julia Schwerm
Spieler RPG
Denken RPG
Glück RPG
Geschicklichkeit RPG
Preis 5 US-$ (Kickstarter), ca. 7,05 € (regulärer Preis bei DriveThru)

Das Projekt bei Kickstarter

Chomp! bei DriveThru

Ein Kommentar

  1. […] von ca. 1/3 zu bieten. Neben eher unbekannten Titeln wie das kürzlich von uns besprochene Chomp! und die teilweise von uns besprochenen Produkte der Reihe Achtung! Cthulhu findet man unter o.g. […]

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