Die richtigen Freunde in den richtigen Positionen…

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Das Vermächtnis – Stammbaum der Macht

Das VermächtnisFrankreich, 18. Jahrhundert: Die Spieler haben vor, ihre eigene Familie in der angesehen französischen Gesellschaft voranzubringen, auf dass ihre Familie es eben zu etwas bringt. Dazu knüpfen sie Kontakte arrangieren Hochzeiten oder veranstalten Festivitäten, um eben das Ansehen zu steigern.

Aber schauen wir uns erst einmal an, was dich in der quadratischen Schachtel aus dem Hause Pegasus so befindet:

  • 1 Spielplan
  • 4 Spielertableaus (beidseitig – Rückseite für "die Erbschaft“)
  • 4 Karten Familienoberhaupt (beidseitig, gute Kartenqualität)
  • 75 Freundeskarten
  • 88 Kinderkarten
  • 24 Geldkarten + 34 Münzen in verschiedenen Werten
  • 9 Titelkarten
  • 9 Gemeinwohlkarten
  • 6 Fördererkarten
  • 15 Aufgabenkarten
  • 7 Herrenhauskarten
  • 7 Unternehmenskarten
  • 1 Startspielerkarte
  • 1 Rundenmarker (Holz, silber)
  • 12 Spielermarker (Holz, je 3 in weiß, schwarz, braun und rosa)
  • 23 Aktionssteine (Holz, in Spieler- und Aktionsfarben)
  • 15 Hinweiskarten (für "die Erbschaft“)
  • Die Spielanleitung in Deutsch

Vor allem also viele Karten, und die braucht man auch, um das Spiel zu gewinnen. Zu Beginn hat man lediglich sein Familienoberhaupt, ein eher kleines Einkommen und etwas Geld – und zum Glück eine Handvoll Freunde – von denen man auch direkt einen oder eine heiratet, denn sonst wird das ja nie was mit einer Dynastie.

Freunde, das können sehr unterschiedliche Leute sein. Auf einer Freundeskarte findet sich jeweils eine – recht nett und oftmals als Karikatur erstellte – Illustration des jeweiligen Freundes, dazu erfährt man seinen Namen, seine Nationalität (Flaggensymbol – Achtung, die Lilien symbolisieren Frankreich zu der Zeit, und wer die alten Flaggen Preußens oder des russischen Zarenreichs nicht kennt, der bekommt hier auch Nachhilfe), bei fast allen auch noch eine Berufsgruppe (Handwerker, Adlige, Künstler, Wissenschaftler, Diplomaten), welche Vor- oder Nachteile es bringt, ihn oder sie einzuheiraten (weitere Freunde, Reputationsgewinn oder -verlust, Einkommen – so etwas oftmals auch abhängig von bereits vorhandenen Familienmitgliedern), und natürlich was der Spaß kostet bzw. bringt (tendenziell bringen die Damen Mitgift mit, und die Herren wollen eine eben solche haben, es gibt aber auch Ausnahmen – tendenziell ist alles was besonders nützlich ist auch besonders teuer).

Nach welchen Gesichtspunkten soll man denn nun seinen Stammbaum zusammenstellen? Da hat jeder eher eigene Ziele, denn jeder Spieler hat (geheim) einen Förderer, der immer etwas anderes besonders schätzt (wobei ab einem gewissen Punkt die Mitspieler schon merken werden, nach was man denn so sucht). Außerdem muss man natürlich sehen, wer überhaupt zur Verfügung steht (was nützen einem die interessantesten Heiratskandidatinnen, wenn man nur Töchter hat?), und Heiraten und Kinder kriegen ist ja nicht alles – mit Unternehmen lässt sich das Einkommen steigern, mit Herrenhäusern das Ansehen, und Titel kosten zwar meist Geld, bringen aber auch Vorteile mit sich, und wer sich ums Gemeinwohl kümmert, verdient sich damit auch Ansehen.

Das Dilemma: All diese Aktionen erfordern entsprechende Aktionssteine, die sind rar, und auch nicht unbedingt einfach zu bekommen; zudem, wenn ein Mitspieler schneller war, ist in der jeweiligen Spielrunde die Aktion schon nicht mehr möglich, und außerdem hat man für all das gefühlt viel zu wenig Zeit – namentlich drei Generationen, ggf. mit arrangierten Ehen für deren Kinder, und bis dahin sollte man einiges an Ansehen erworben haben.

Wenn man dann auch noch dem Förderer ein wenig in die Karten spielt, kann man hoffentlich mehr Ansehenspunkte als die Mitstreiter sein Eigen nennen.

Eine Variante bietet sich im Solospiel: Hier beginnt man mit einem recht unspektakulären Ahnungslosen, der versucht herauszufinden, wer er eigentlich ist, und, wenn er (Hinweisen sei dank) seinen Stammbaum zusammenbekommt, eine Erbschaft antreten könnte – das ganze funktioniert gewissermaßen rückwärts.

Insgesamt ein interessantes Spielkonzept, in das man sich erst mal 'reindenken muss – vor allem muss man begreifen, dass man sowieso nicht alles haben kann, und statt dessen besser aus dem, was man hat, das beste macht. Wartet und spekuliert man zu lange, schnappt einem sowieso ein Mitspieler die gewünschten Freunde vor der Nase weg, oder es rennt einem eben die Zeit davon.

Nach ein paar Partien läuft es auch weit weniger zäh als beim ersten Mal – da wird die geschätzte Spielzeit von einer guten Stunde schon sehr deutlich überschritten, und Analyse-Paralytiker sind hier alles andere als erwünscht, die halten den Betrieb nämlich erst recht auf.

Das Vermächtnis spricht den Vielspieler mehr an als den Gelegenheitszocker, und es ist schon wünschenswert, dass man etwas für das Thema übrig hat, sonst hat man weder Spaß an manchen unterschwelligen Seitenhieben im Material, noch überhaupt am Spiel. Der Glücksfaktor ist insofern durchaus vorhanden, dass man nicht absehen kann, welche Freunde wann auftauchen, vor allem wenn man mit voller Spielerbesetzung spielt, kann es leicht passieren, dass man sie zwar zu Gesicht bekommt, sie aber genauso schnell beim Mitspieler verschwinden. Etwas Ärgerpotential gibt es auch, spätestens wenn man merkt, was die Gegner gerne hätten, und wenn dann für einen selbst gar nichts sinnvolles liegt, kann man zumindest das ja mal wegnehmen. Es gibt schließlich auch eine Menge Aktionen, für die man einfach auch Freundeskarten ablegen muss.

Das Material ist wie bei Pegasus ja üblich von guter Qualität. Sich durch sie Anleitung durchzufinden klappt bei den meisten im zweiten Anlauf, aber wer nur überfliegt, denkt erst mal gepflegt "Hä?“ – vermutlich weil ihm erst mal die Aktionen fehlen werden. Dementsprechend braucht es schon ein wenig Geduld; wer ein Spiel direkt losspielen will, und gefrustet ist, wenn er es dann nicht versteht und es nicht klappt, ist hier fehl am Platze. Da hat Das Vermächtnis schon mehr Anspruch. Mir gefällt’s jedenfalls, wenn also der Tisch groß genug ist (die Stammbäume können nämlich wirklich groß werden), kann es schon mal auf selbigem landen.

Hersteller Pegasus
Autor Michiel Hendriks
Künstler Mateusz Bielski
Spieler 1-4
Denken 7
Glück 5
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 34,95 €

Das Vermächtnis bei Amazon

Das Vermächtnis bei Milan Spiele

Das Vermächtnis bei Spiele-Offensive.de

Ein Kommentar

  1. Jan Karl Reiter sagt:

    Wieso landet in letzter Zeit die Teileliste eigentlich immer in der Timeline? Das sieht richtig Sch… aus. Dann doch lieber nicht ein, sondern zwei einleitende Absätzr, und dann der Cut.

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