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Conquest Stratego

Stratego ConquestConquest – der Name bedeutet für verschiedene Spieler verschiedenes. Im Englischsprachigen Raum denken viele bei diesem Namen an das Spiel, das in Deutschland als Duell erschienen ist (das mit den riesigen Würfeln, die gegeneinander kämpfen), es gibt eine ganze Reihe anderer Spiele mit ‚Conquest‘ im Titel – aber allgemein denkt man bei dem Namen wohl an das Brettspiel aus den ’70er Jahren, das zur Zeit in modernisierter Version bei Numbskull Games vertrieben wird. Obwohl Hexagames, die das Spiel 1980 von Bütehorn übernahmen, selbst 1992 vom deutschen Markt verschwanden und seither keine deutsche Ausgabe mehr erscheint, hat das Spiel immer noch einen gewissen Ruf, so dass (auch in meiner Testrunde) das Spiel mit dem Namen Conquest Stratego gewisse Erwartungen weckte – die es allerdings gar nicht erst erfüllen will.

Auf einer großen Insel – oder einem Kontinent, das kann man nicht so genau erkennen – streiten sich bis zu vier Spieler um die Vorherrschaft. Laut Spielregel und -Hintgergrund soll es um das Land „Westeria“ gehen; bei dem Namen dachte meine Testrunde sofort an eine sehr bekannte Fantasy-Romanreihe, zu der auch eine TV-Umsetzung existiert. Aber auch damit hat es wenig zu tuin – allerdings gibt es auch einige wichtige Unterschiede zum klassischen Stratego`: Dass bis zu vier Spieler teilnehmen können, ist ein eher kleiner; auch gab es bereits früher Varianten für drei und vier Spieler. Was ist also anders?

Eine erste Idee erh#lt man, wenn man die Schachtel öffnet. Drinnen findet man:

  • die Spielregel auf Deutsch und Englisch
  • das Spielfeld
  • 48 Aktionskarten
  • 24 Gebietsspielmarken
  • 72 Spielfiguren (je 18 in 4 Farben
  • 4 Reservetruppenbeutel
  • ein Bogen mit Rangkarten

Vor dem ersten Spiel müssen die Gebietsspielmarken und die Rangkarten aus Stanzbögen gelöst werden. Das geht sehr leicht – so leicht, dass schon beim Öffnen der Schachtel die ersten Marken aus den Bögen herausgerutscht waren. Die Rangkarten müssen in die Spielfiguren (Plastik, wie beim modernen Original-Stratego in Form von Rundtürmen) eingesteckt werden – damit man die Armeen korrekt zusammenbaut, sind die Karten farblich markiert. In den Türmen stecken die Karten dann relativ weit in der Mitte und ein Jalousie-Einsatz sorgt dafür, dass man auch schräg von der Seite nicht erkennen kann, was für eine Rangkarte darin steckt.

Die Reservetruppenbeutel sind schwarz und scheinen aus Nylon zu sein, sind aber angenehm groß.

Die Karten haben Normalqualität, das Spielbrett ist recht dick geraten. Es zeigt auf der nahezu quadratischen Insel insgesamt 24 Gebiete zu je drei Zonen – diese Begriffe muss man sich verinnerlichen, denn sie werden in der Spielregel häufig verwendet. Für jedes Gebiet gibt es eine Gebietsmarke, die auf das entsprechende Gebiet gelegt wird.

In acht der Gebiete sind Städte eingezeichnet – in der Spielanleitung wird zwar auf diese Gebiete verwiesen, aber die dort abgedruckte Liste ist unvollständig: Rivianna fehlt. Diese Städte ermöglichen den Spielern, zusätzliche Spielsteine zu bewegen.

Zu Spielbeginn (der Startspieler wird zufällig bestimmt) wählen die Spieler ihre Startgebiete, und zwar in einem Mechanismus, der wie bei Catan abläuft. Beginnend mit dem Startspieler im Uhrzeigersinn bis zum letzten, der zwei nimmt, dann gegen den Uhrzeigersinn bis zum Startspieler etc., bis alle Gebiete verteilt sind.

Anschließend verteilen die Spieler ihre Spielsteine auf die Zonen, maximal eine Figur pro Zone – und man sollte in jedes Gebiet auch mindestens einen Spielstein setzen. Bei drei Spielern könnte die Reihenfolge wichtig werden, in der man die Spielsteine verteilt – hierzu gibt es aber keine Regel.

Die Karten werden gemischt und ausgelegt – zu Spielbeginn kommt die Karte ‚Verräter‘ unter den Stapel. Wenn der Stapel verbraucht ist, werden die abgelegten Karten neu gemischt, danach wird immer dann gemischt, wenn die Verräterkarte gezogen wurde.

Wenn alle Spielsteine verteilt sind, beginnt der erste Spieler, dann geht es immer reihum weiter. Wer am Zug ist, zieht und spielt zunächst eine Karte/Karten und danach mit den Spielsteinen. Beide Teilschritte darf man nicht freiwillig überspringen, es kann aber sein, dass man einen nicht durchführen kann.

Zunächst einmal erhält ein Spieler Karten, und zwar abhängig von der Anzahl Gebiete, in denen er alleine vertreten ist: für je zwei Gebiete eine Karte. Diese Karten zeigt er offen vor, wählt eine und führt die Aktion aus. Mit dieser Karte kann je nachdem eine zufällige Figur aus der Reserve zurück aufs Spielfeld kommen, der Spieler zwei Extrazüge (mit Figuren) machen, drei eigene Figuren gegeneinander austauschen (auch Figuren, die man nicht ziehen darf), zwei fremde Figuren ansehen, eine gegnerische Figur vom Spielfeld entfernen, wenn er ihn benennen kann oder ein Spion aufs Spielfeld gesetzt werden.

In der zweiten Phase muss der Spieler jetzt eine eigene Figur ziehen, in ein benachbartes leeres Feld oder in ein Feld, in dem sich eine gegnerische Figur befindet. (Wem zu Beginn des Spielzuges – nicht des Figurenzuges – ein Gebiet mit einer Stadt gehört, also in allen drei Zonen keine fremde Figur steht, darf der Spieler für jede dieser Städte eine Spielfigur zusätzlich ziehen.) Wenn sich in der Zielzone eine gegnerische Figur befindet, wird vorgegangen wie beim normalen Stratego: beide Spieler nennen die Figur, die am Kampf teilnimmt, und in der Regel gewinnt die höherrangige Figur. Wie bei Stratego gibt es allerdings ein paar Aber.

Die Figuren sind in der Macht von stark nach schwach König, Königin, Prinz, Herzog, Graf, Ritter, Baron, Zauberin, Aufklärer, Spion, Verfluchtes Land und Fahne. Der König ist wie der Marschall bei Stratego nahezu unangreifbar, und wird nur vom Spion geschlagen – wenn der König sich selbst bewegt, schlägt er wieder den Spion. Das verfluchte Land wirkt wie die Bombe im Normalspiel, und wird nur von der Zauberin aus dem Weg geräumt.

Geschlagene Figuren kommen (mit Ausnahme der Fahne) in den Reservebeutel des Spielers, dem sie gehören, so dass sie schnell wieder kommen können, sobald eine entsprechende Karte gezogen und gewählt wird. Die Fahne erhält jedoch der Spieler, der sie geschlagen hat. Wer seine Fahne verliert, ist nicht aus dem Spiel – wenn man dann die Fahne des Spielers erobert, der sie geschlagen hat, erhält man seine eigene Fahne zurück und setzt sie wieder ein. Wenn man eine andere Fahne erobert, erhält der Spieler sie, der die eigene Fahne besitzt. Das Weitergeben der Fahne ist manchmal nicht ganz intuitiv, aber man kann sich leicht erarbeiten, wer welche Fahne vor sich stehen haben kann.

Das Spiel endet, wenn nur noch eine Fahne auf dem Spielfeld steht – dieser Spieler hat dann gewonnen.

Im Gegensatz zum klassischen Stratego kommt hier durch die Karten und durch die zufällige Auswahl der zurückkehrenden Figuren ein deutlicher Zufallsfaktor hinzu. Dies wird Stratego-Puristen sicher nicht sonderlich gefallen,

Nett ist, dass zum einen die Fahne nicht komplett hinter verfluchten Landen versteckt werden kann – außerdem kann es im Originalspiel unangenehm werden, wenn man seine Mineure (hier: Zauberinnen) verliert: Wenn die Fahne entsprechend versteckt ist, kann man sie nicht mehr erobern. Dass Figuren hier relativ schnell zurückkommen (können), sorgt auch dafür, dass man zumindest eine Chance hat, ein Spiel noch umzudrehen.

Ein Analyseparalytiker kann hier allerdings das Spiel zum Stillstand bringen…

Conquest Stratego dürfte für den Gelegenheitsspieler fast schon zu komplex sein, während den Vielspieler der Glücksfaktor abschrecken könnte. Gerade Stratego-Fans werden, wie gesagt, den neuen Mechanismen eher zweifelnd gegenüberstehen. Dennoch sollte man das Spiel nicht deshalb mit Missachtung strafen: gerade die Grenzregion zwischen Gelegenheits- und Vielspieler sollte sich angesprochen fühlen, und Conquest Stratego hat in diesem Bereich auch sicher sein Publikum. Wer ein Geschenk sucht für so einen ‚Grenzgänger‘ dürfte hiermit nicht falsch liegen.

Hersteller Jumbo
Autor Nick Hayes, Jim Keifer
Künstler k. A.
Spieler 2-4
Denken 8
Glück 6
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 34,99 €

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