Kaiju Yard

Roar! Fang das Monster

Roar1

Nicht nur aus Deutschland kommen innovative Spiele – Japan, Frankreich Korea… die Liste der Länder, aus denen interessante Spiele kommen, ist auf der SPIEL immer sehr lang. Ein Land, das mit zu den ersten 'Ausländern' gehörte, die auf der SPIEL vertreten waren, ist Polen – und bei manch einem Verlag aus Polen würden sogar die 'Normalspieler' überrascht sein, wenn man ihnen sagen würde, dass es ein polnischer ist. Trefl beispielsweise steht nicht nur üblicherweise an einer Stelle der Messe, wo man weniger mit polnischen Verlagen rechnet (mitten zwischen einer Menge deutscher und österreichischer Verlage), auch die Spiele entsprechen nicht unbedingt dem, was man so von anderen polnischen Verlagen her kennt.

Dieses Jahr hatte Trefl das Spiel Roar! Fang das Monster im Angebot: ein VR-Spiel, das man nur mit Hilfe eines Tablets oder Smartphones spielen kann. In einem verlassenen Labor eines verrückten Wissenschaftlers wurden drei mutierte Riesenmonster gefunden, die erforscht werden sollen. Diese schaffen es immer wieder, auszubüxen, und sich die nahegelegene Stadt anzusehen. Die Wissenschaftler haben den Monstern allerdings Mikrofone umgehängt, so dass sie zumindest hören können, wo sich das Monster gerade befindet. Schaffen sie es, das Monster wieder einzufangen, bevor die Menschen der Stadt in Panik geraten? Was in der Stadt dann passieren würde, kann man sich ja in den japanischen Monsterfilmen (der Genrename Kaiju ist japanisch für diese Riesenmonster) um Gojira/Godzilla, Mosura/Mothra oder auch Radon/Rodan ansehen. Dabei sind die Monstrr noch halbwüchsig und wollen nur die Welt erkunden und ein wenig Spaß haben.

In der großen quadratischen Schachtel findet man:

  • die Spielregel auf Deutsch und Englisch
  • ein doppelseitig bedrucktes Spielbrett
  • sechs Charaktermarker
  • 3 Wissenschaftler-Spielmarken
  • drei Ortungskarten
  • 12 Ortungsmarker
  • ein Zeitmarker

Die Marker und Karten stecken in Stanzbögen, aus denen sie sich gut herauslösen lassen, bemerkenswert sind die Wissenschaftler-Spielmarken (Spielfiguren), die aus doppelt dickem Karton bestehen. Der Zeitmarker ist ein dicker runder Holzstein. Die Ortungsmarker sind quadratische Ringe.

Das Spielbrett ist auf einer Seite mit eher abstrakten Symbolen bedruckt, auf der anderen mit einer sehr schönen Stadtansicht. Die Stadt besteht aus quadratischen Blocks mit dazwischen verlaufenden Straßen, jede Kreuzung sitzt sozusagen zwischen vier Blocks – auch wenn beispielsweise das Sportstadion mehrere Blocks groß ist. Eigentlich sind die beiden Seiten gleichwertig, nur bei diesen Mehr-Block-Gebäuden ist ein Unterschied: in der abstrakten Version kann man 'durch sie hindurch' laufen, in der grafisch ansprechenderen nicht. Wie bei Xiangqi oder Go sind hier die Kreuzungspunkte die 'Spielfelder'.

Außerdem wird, wie gesagt, ein Mobilgerät benötigt – ein Smartphone oder Tablet mit Android oder iOS. Die Hardwareanforderungen sind mäßig, bei Android ein Dualcore-Prozessor mit 1 GHz und 1 GB Speicher (oder besser), für iOS das iPhone 4S oder ein iPad der 3. Generation oder neuer. Die notwendige App kann vom jeweiligen Shop gratis heruntergeladen werden; auch das Ausführen kostet nur ein wenig Strom.

Ein Spieler übernimmt die Rolle des Monsters – es stehen drei zu Auswahl. Coco ist ein Riesenhuhn, Blub ein Kanalmonster und Zzap sieht aus wie ein Geräusch-Pokemon, aber in groß. Die übrigen Spieler übernehmen gemeinsam die Rolle der drei Wissenschaftler, die das Monster wieder einfangen wollen.

Zu Spielbeginn wird die App gestartet (die während des Spiels nur der Monster-Spieler sieht), und das Spielbrett gescant. Letzteres nur, damit die App weiß, auf welcher der beiden Seiten des Spielbrettes gespielt wird.

Anschließend wählt der Einzelspieler sein Monster und eine Mission – eine Reihe von Orten, die das Monster während des Spiels besuchen muss. Wenn man das Spiel noch neu hat, sind erst einmal nur ein paar Demo-Missionen freigeschaltet, erst im Laufe der Zeit kann man weitere Missionen durch erfolgreich abgeschlossene andere Missionen freischalten. Auch dies kostet nur Zeit (fürs Spielen), aber kein Geld.

Abhängig von der gewählten Mission hat der Monster-Spieler eine bestimmte Anzahl Runden Zeit, die benötigten Orte zu erreichen. Dies wird ihm in jedem Zug durch die App angezeigt; für die Wissenschaftler-Spieler wird der Zeitmarker entsprechend auf dem Spielbrett auf einer Zeitleiste eingesetzt.

Die Wissenschaftler werden auf drei von vier möglichen Startfeldern eingesetzt und gescannt – wenn sie falsch stehen, zeigt die App das an. Nachdem sie alle stehen, zeigt die App auch den Standort des Monsters an, und der Monsterspieler darf das Monster bis zu drei Kreuzungen weit bewegen. Hierzu tippt er einfach den neuen Standort auf dem Spielfeld an – die App zeigt ihm an, wo er sich hinstellen darf.

Nachdem er das getan hat, ertönt erst einmal ein Brüllen und dann bis zu vier Geräusche, die die Gebiete, die sich um den Standort des Monsters herum befinden. Hieraus können die Wissenschaftler Vermutungen anstellen, wo sich das Monster eventuell befindet.

Anschließend dürfen die Wissenschaftler sich jeweils bis zu zwei Felder weit bewegen. Hierzu kann man einfach die Spielsteine auf dem Spielfeld bewegen – wenn alle Wissenschaftler gezogen haben, wird wieder gescannt. Die App meldet, wenn ein Zug illegal war – und wenn ein Wissenschaftler auf dem gleichen Feld steht wie das Monster, denn dann haben die Wissenschaftler sofort gewonnen.

Um es etwas schwieriger zu machen, haben sowohl die Wissenschaftler wie auch die Monster individuelle Sonderfähigkeiten. Der Chemiker kann eine Chemikalie brauen, die das Monster in seinem nächsten Zug von den Straßen, auf denen der Chemiker steht, fernhält. Der Techniker kann einen Radar einsetzen – der ihm sagt, wenn das Monster waagerecht oder senkrecht auf der gleichen Straße wie de Techniker steht. Der Arzt kann von einem Krankenwagen auf dem Spielfeld zu jedem anderen Krankenwagen teleportieren.

Auch die Monster haben Spezialfähigkeiten. Coco darf über Wissenschaftler hinwegspringen – die App macht dann ein Geräusch, aus dem man dies schließen kann. Blub kann von einem Kanaldeckel zum anderen teleportieren, und Zzap kann die Wissenschaftler irreführen, indem es Geräusche von anderswo in der Stadt nachahmt – statt vier Geräuschen gibt es dann fünf, von denen eines nicht stimmt.

Das Monster gewinnt, wenn es in der zugelassenen Zugzahl seine Ziele erreicht und nicht gefangen genommen wurde. Die Wissenschaftler gewinnen, wenn einer auf das Feld des Monsters zieht – oder dem Monster die Zeit ausgeht.

Verglichen mit anderen Spielen mit ähnlichen Zielen – z.B. Scotland Yard, Fury of Dracula oder Letters from Whitechapel – ist eine Partie Roar! schnell und erfordert auch deutlich weniger Denkarbeit. Dennoch ist es nicht gerade einfach, vor allem ist es ungewohnt, über die Geräusche festzustellen, wo sich das Monster befinden kann. Immerhin gibt es auf dem Spielbrett auch eine Menge Kinderspielplätze und Einkaufszentren, Parkplätze und Baustellen etc., die für Verwirrung sorgen können. Aber auch ein Spieler mit Analyseparalyse hat nur sehr begrenzt Chancen, das Spiel zu verlangsamen.

Roar-App

In der App: das Monster und die drei Wissenschaftler rücken sich auf die Pelle

Die App ist sehr nett gemacht, die Monster sehen in der App auch sehr knuffig aus und sind liebevoll gestaltet und animiert.

Roar! Ist leider nicht ganz ausgewogen – je besser die Spieler sind, desto mehr verlagern die Chancen sich zugunsten der Wissenschaftler. Dennoch hat das Monster immer zumindest eine geringe Chance. Deshalb sollte man auch den Mitspielern nie sagen, welches Ziel man hat, bzw. welche Ziele man bereits erreicht hat. Diese Kenntnis macht das Spiel endgültig unausgewogen.

Mit nur einer knappen halben Stunde Spielzeit ist es ein hübsches Spiel, das auch Gelegenheitsspieler in den bann ziehen kann – Vielspieler würden sich vielleicht noch weitere Monster und andere Wissenschaftlertypen wünschen, die das Spiel abwechslungsreicher gestalten können. Dennoch weiß Roar! auch den Vielspielern in meiner Testrunde zu gefallen.

Hersteller Trefl
Autor Hubert Spala
Künstler Tomek (Tomasz?) Larek, Anna Mrówkówna, Hubert Spala
Spieler 2-4
Denken 7
Glück 2
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 24,99€

Roar! bei www.Spiele-Offensive.de

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